Wain beteiligt sich am Breitbandausbau

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Schwäbische Zeitung

Auch die Gemeinde Wain wird sich am Breitbandausbau des Kreises unter dem Titel „Backbone“ beteiligen. Das beschlossen die Gemeinderäte am Donnerstagabend mit einstimmigem Votum, nachdem Monika Ludy-Wagner ihnen als Vertreterin des Kreises das Projekt vorgestellt hatte. Man erhofft sich davon die Schließung von Lücken und mehr Sicherheit für die Versorgung in der Gemeinde. Es wird aber auch Geld kosten.

„Das schnelle Internet ist der Standortfaktor der Zukunft.“ Mit dieser Feststellung leitete die Referentin ihren Vortrag über das Breitband-Projekt ein, mit dem der Kreis nun einspringen will, wo der freie Markt nicht für die nötige Versorgung sorgt. „Marktversagen“ heiße die Voraussetzung, so die Leiterin des Kommunal- und Prüfungsamtes, unter der der Kreis tätig werden darf. Das dürfe der Kreis nur, wo die freie Wirtschaft aus wirtschaftlichen Gründen nicht aktiv ist – etwa beim Anschluss kleiner, ländlicher Dörfer und Gemeinden an ein Glasfasernetz. Das Signal der Landesregierung zur Förderung solcher Projekte im Jahr 2015 ermöglichte dem Kreis, für sein gesamtes Gebiet Daten-Haupttrassen zu planen und mit anderen, überregionalen Netzen zu verknüpfen: das „Backbone“-Netz, auf deutsch: Rückgrat-Netz. 213 Kilometer soll es lang werden – von 684 Kilometern, die das Breitbandnetz insgesamt hat – und 33 Millionen Euro kosten. Eine Voraussetzung: Die Gemeinden machen mit, lassen sich anschließen und zeigen Bereitschaft, hinterher auch den weiteren Ausbau mit Glasfaserkabeln voran zu treiben.

Dafür sei sie jetzt auf Werbetour, erläuterte die Kreisvertreterin. 45 Städte und Gemeinden im Kreis sollen überzeugt werden, bei 21 sei sie schon gewesen und habe durchweg Zustimmung erhalten. Für Wain würde eine Teilnahme bedeuten, dass der Kreis ein vorhandenes Leerrohr nutzt, um ein Glasfaserkabel quer durch die Gemeinde zu legen. Lediglich auf 30 Metern Länge müsse der Weg aufgegraben werden, um ein Rohr zu verlegen. Im Dorf sollen dann zwei „Übergangsschächte“ als Anschlussstellen für das örtliche Netz geschaffen werden. Heißt zunächst: Die Glasfaser-Datenautobahn trifft in Wain auf die Kupferkabel der weiteren Verteilung.

Das Kabel von Schwendi her durch die Gemarkung und den Ort zu legen, übernimmt dabei die Gemeinde,bekommt den Betrag aber über eine Verpachtung an den Kreis zurück. Im Fall Wain seien das ungefähr 70 000 Euro, erklärte Ludy-Wagner. Und für das Ganze habe sich der Kreis ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Das „Backbone“-Netz soll in vier Jahren verwirklicht werden.

Ganz ohne Fragen mochten die Gemeinderäte allerdings nicht zustimmen. „Wozu?“, fragte zum Beispiel Peter Obrist. „Es gibt schon Glasfaser hier.“ Ganz außen vor hatte die Telekom die Gemeinde nämlich nicht gelassen. Allerdings, so wandte die Referentin ein, gabe es auch noch Lücken in Wain, die durch neue Anschlussstellen erreicht werden können – und der neue Anschluss sorge für mehr Sicherheit bei der Versorgung. Dadurch, dass das Nest in kommunaler Hand ist, sei man zudem unabhängiger von wirtschaftlichen Interessen. Das „Backbone“-Kabel sei eine Ergänzung und ein Lückenschluss. „Die Kunden haben die Wahl zwischen der Telekom und dem Kreisnetz“.

Die Kreisvertreterin bat um grundsätzliche Zustimmung, „dass man sich damit künftig befasst“. Damit sprach sie an, was als eigentliche Aufgabe noch auf die Gemeinde zukommt. Nach dem Anschluss an die Datenautobahn sei künftiges Ziel, „das Glasfaserkabel zu jedem Hausanschluss zu bringen“. Dazu müsse die Gemeinde sich zunächst nicht verpflichten, aber dem Ziel wohlwollend gegenüber stehen.

Dass da durchaus noch größere Investitionen mit verbunden sein können, zeigt das Beispiel Schemmerhofen, wo die Verwaltung einmal prüfen ließ, was eine „idealtypischer Endausbau“, so Bürgermeister Mario Glaser, mit Glasfaserkabel bis zu jedem Haus kosten würde. Für die 8500 Seelen-Gemeinde mit sechs Ortsteilen wären das 20 Millionen Euro. Wains Bürgermeister Stephan Mantz brachte dabei noch ein Argument ins Spiel: Wenn die Gemeinde sich an „Backbone“ beteiligt, würde der Kreis die komplizierten Anträge für Zuschüsse übernehmen.

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