In Wain kann man jetzt umweltgerecht fahren

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Elisabeth Koprivc

Sogar die Sonne hat es sich an diesem regnerischen Donnerstag, nicht nehmen lassen, dabei zu sein, als Bürgermeister Stephan Mantz den Schlüssel für den Renault Zoe aus den Händen von Katrin Albsteiger, Kommunalbetreuerin bei der SWU, entgegennimmt. Es ist nicht irgendein Auto, das die Gemeinde Wain organisiert hat. Es ist ein Elektroauto und steht als Car-Sharing-Fahrzeug den Wainern Bürgern zur Verfügung.

Aufmerksam auf dieses umweltfreundliche Geschäftsmodell wurde der Bürgermeister durch einen Newsletter der Stadtwerke Ulm (SWU), mit der bereits Geschäftsbeziehungen bestanden. Er fand das Projekt äußerst spannend. Es folgte eine Einladung des Gemeinderates zur SWU nach Ulm. In der folgenden Sitzung, die etwa ein Jahr zurück liegt, war es dann eine beschlossene Sache.

„Wir möchten Pionier sein und in neue Technologien investieren“, sagt Stephan Mantz stolz. „Viel zu wenige kümmern sich darum, Treibhausgase zu verringern, damit eine Reduktion von 40 Prozent bis 2030 möglich sein kann.“ Es soll eine Mobilitätswende in Wain werden. Einerseits soll den Bürgern die Hemmschwelle zum E-Auto genommen werden. Andererseits könne in manchen Familien auf den Zweitwagen verzichtet werden, wenn für die benötigten Fahrten ein Fahrzeug – noch dazu ein umweltfreundliches – zur Verfügung stehe. Familien mit kleineren Kindern werden es zu schätzen wissen, dass bereits eine Sitzerhöhung im Kofferraum liegt. Aber auch ältere Menschen, die selten Auto fahren, können das E-Fahrzeug zum Beispiel zum Einkaufen benutzen.

Mantz freut sich, dass der Gemeinderat diesem Projekt zugestimmt hat und dankt der SWU als Kooperationspartner, den Renault zu leasen und ihn für drei Jahre den Bürgern zur Verfügung zu stellen.

Für die SWU ist Wain der 24. Standort für das eCar-Sharing. Das Unternehmen hat im heimischen Gebiet Ulm und Neu-Ulm begonnen. „Um die E-Mobilität zu fördern, ist es wichtig, für ausreichend Ladestationen zu sorgen“, weiß Katrin Albsteiger. Deshalb sei die Kooperation mit kleineren Gemeinden wichtig. Aus dieser Idee wurde das Paket mit Car-Sharing geschaffen, das großen Anklang finde. „Sie sind daher nicht der erste, der Zapfsäule und Fahrzeug bekommt“, sagt die Kommunalbetreuerin zum Bürgermeister gewandt, „aber Sie sind die erste Gemeinde im Landkreis Biberach!“

Bei der offiziellen Schlüsselübergabe sind nur wenige Menschen vor Ort. Im anschließenden Vortrag von Thorsten Stumpf von der SWU, in dem er das Buchungssystem erklärt, sind schließlich an die 30 Interessierte anwesend.

Die Gemeinde Wain möchte das Fahrzeug auch für Dienstfahrten von Mitarbeitern nutzen. Für den Arbeitskreis Flüchtlinge und für die Nachbarschaftshilfe soll das E-Auto ebenfalls zur Verfügung gestellt werden.

Das Projekt läuft drei Jahre lang. In diesem Zeitraum fallen für die Gemeinde Wain Kosten von insgesamt 7500 Euro an. Darin sind die Zapfsäule, die einen zweiten Ladepunkt hat und öffentlich genutzt werden kann, und das Auto-Leasing enthalten. Des Weiteren muss die Gemeinde einen Platz zur Reinigung des Fahrzeuges zur Verfügung stellen. Das wird auf dem Bauhof von SWU-Mitarbeitern gemacht. Und die erstmalige Anmeldung läuft über das Rathaus.

Alles Weitere wird über die SWU und über eine App abgewickelt. Thorsten Stumpf erklärt, was die SWU an Leistungen bietet: „Wir bieten den kompletten Service von der Software bis zur Abrechnung. Das Abwicklungssystem ist einfach, flexibel und unkompliziert. Unsere älteste Nutzerin ist 86 Jahre und auch sie kriegt das hin“. Die SWU stellt die Ladesäulen, kümmert sich um deren Unterhalt und die Pflege der Fahrzeuge. Die Nutzung ist rund um die Uhr möglich. Bei der Online-Buchung ist bereits eine Kostenschätzung ersichtlich. Es gibt verschiedene Tarifmodelle, aus denen gewählt werden kann. Der Tarif setzt sich aus einer einmaligen und einer monatlichen Gebühr zusammen. Jede Fahrt wird nach Dauer und Kilometer abgerechnet.

Ein regelmäßiger Nutzer bezahlt eine Anmeldegebühr von 20 Euro und monatlich 10 Euro. Ein Zweit-Nutzer im selben Haushalt bezahlt nur noch 5 Euro pro Monat. Jeder weitere Nutzer im Haushalt ist beitragsfrei. DING-Jahresabo- und SWU Naturstrom-Kunden fahren vergünstigt. Benötigt jemand das Fahrzeug zwischen 7 und 20 Uhr, werden 2,50 Euro pro Stunde und 0,10 Euro pro Kilometer verrechnet. Ein ganzer Tag wird mit 25 Euro veranschlagt. Wird das Auto nicht so lange gefahren, wie es gebucht wurde, wird auch nur die tatsächlich genutzte Zeit berechnet. Für Gelegenheitsnutzer und Geschäftskunden gibt es andere Tarife.

Die Zuhörer haben dann doch noch einige Fragen. Wie weit könne denn das E-Auto fahren? Garantiert sind auf jeden Fall 150 Kilometer, im Sommer auf einer Überlandfahrt könnte man dann möglicherweise sogar 300 Kilometer weit kommen. Wie bei jedem anderen Auto auch sei das natürlich vom Fahrstil abhängig. Wie lange dauert ein Ladevorgang? „Man könne mit einer Stunde rechnen“, erklärt Stumpf. Die Zapfsäule „denkt mit“, je nachdem ob ein oder zwei Fahrzeuge laden.

Die SWU schätzt, dass in diesem Jahr alle 26 bis dahin in Betrieb genommenen Fahrzeuge zusammen 100 000 Kilometer erreicht haben werden. Der erste Standort wurde am 1. November 2018 in Betrieb genommen. Die meisten E-Fahrzeuge stehen bis dato in Blaubeuren, nämlich fünf an der Zahl.

Einige Bürger meldeten sich direkt am Abend der Schlüsselübergabe bereits für das Car-Sharing an, um in den Genuss von Vergünstigungen zu kommen. Für Probefahrten, die sehr rege in Anspruch genommen wurden, stand noch ein zweites Fahrzeug zur Verfügung. Stephan Mantz zeigt sich sehr erfreut darüber: „Ich bin schon gespannt, wie dieses Projekt angenommen wird.“

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