Arm und reich auf der Kirchenbank

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Kider dnakten für all die Gaben im Gottesdienst.
Kider dnakten für all die Gaben im Gottesdienst. (Foto: Manuel Mussotter)
Schwäbische Zeitung
Manuel Mussotter

Am vergangenen Sonntag wurde in Wain ein Familienfestgottesdienst gefeiert, den der Kindergarten Paulinenpflege und der Posaunenchor mitgestalteten. Das Erntedankfest war dafür der Anlass, berichtet das Pfarramt Wain.

Als die Glocken der Michaelskirche am Sonntagmorgen in Wain verstummten, zog zu den festlichen Klängen des Posaunenchores eine fröhliche Kinderschar in das Gotteshaus ein. Mit den Erzieherinnen durften sie im Altarraum Platz nehmen, und so bereicherten sie den Gottesdienst.

Eindrucksvoll präsentierten die Kinder den Gottesdienstbesuchern eine Geschichte aus der Perspektive einer Ameise. Feldmäuse und Hamster wuselten zum aufkommenden Herbstwind durch den Altarraum. Die Ameise trägt eine schwere Last: ein Weizenkorn. Aber es lohnt sich: „Dieses Weizenkorn wird mich und viele andere ernähren!“ Und so sät die Ameise das Weizenkorn noch vor dem drohenden Winter in die Erde. Es wächst und gedeiht. Also halten die Kindergartenkinder symbolisch für ein Weizenfeld viele Halme in die Höhe und winken den Zuschauern zu.

Aber nicht nur im Schauspiel waren die Kinder mit ihren Erzieherinnen einfallsreich. Sie sangen muntere Lieder, untermalten das Schauspiel und Singen mit Gitarrenbegleitung und Orffschen Instrumenten. Beim Lied „Alles jubelt, alles singt“ klatschen und hüpfen die Kinder und so wurde der Dank und die Freude über die diesjährige Ernte spürbar.

Schön geschmückte Kirche

Sehr schön geschmückt war an diesem Festtag auch die Michaelskirche. Jedoch hatten die Besucher, die auf der Nordseite des Hauses saßen, nur ein kleines Säckchen an ihren Plätzen liegen, gefüllt mit Reis. Auf der Südseite lagen dagegen Äpfel, Birnen und vieles mehr auf den Bänken. „Geht es nun auch in der Kirche ungerecht zu?“, fragte Pfarrer Eyrich die Gemeinde. In der Predigt erfuhren die Zuhörer, dass eine solch geringe Menge Reis, vielen Menschen auf der Welt als tägliche Essensration zur Verfügung stehe und nicht mehr. Der Kontrast zwischen arm und reich war deutlich. Eyrich appellierte an die Gemeinde, mit Essen und Nahrungsmitteln auch achtsamer und dankbarer umzugehen. Dankbarkeit könne das Leben froh machen.

Nachdenklich machte die Gemeinde auch eine Mülltonne, die neben dem Taufstein, mitten im Erntedankaltar stand. Auch sie war mit frischem Gemüse gefüllt und sollte darauf aufmerksam machen, dass eine große Zahl an Lebensmitteln täglich weggeworfen werde.

Nachdem die Kinder zum Abschluss des Gottesdienstes in den Fürbitten Gott für all die Gaben dankten, trafen sich noch viele Gottesdienstbesucher im Gemeindehaus neben der Kirche und ließen sich Kaffee und Kuchen schmecken, zu dem die Kirchengemeinde eingeladen hatte.

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