Wo sich Schweine sauwohl fühlen

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Gleich drei Generationen kümmern sich auf dem Hof der Familie Locher um das Wohl der Schweine.
Gleich drei Generationen kümmern sich auf dem Hof der Familie Locher um das Wohl der Schweine. (Foto: sz-: carmen bogenrieder-Kramer)
Schwäbische Zeitung
Carmen Bogenrieder-Kramer

50 landwirtschaftliche Betriebe aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich um den Förderpreis „Mehr Agrarökologie“ beworben. Bernd Locher aus Sauggart hat gewonnen – als einziger Betrieb der Sparte „Schweinemast“. Sein Konzept zur Umstellung von konventioneller auf biologische Landwirtschaft ist vom Deutschen Naturschutzring als „vorbildlich“ ausgezeichnet worden. 

„Diese Ehrung freut uns riesig“, sagte Vater Karl, der gemeinsam mit seinem Sohn den Familienbetrieb leitet und anfangs vom „Bio-Gedanken“ nicht ganz überzeugt war. Jetzt sei das anders. „Die Pionierarbeit hat sich gelohnt“, meint er. Bereits seit neun Jahren arbeite sein Sohn mit effektiven Mikroorganismen, Gesteinsmehl und homöopathischen Mitteln für Tiere und Pflanzen. Dazu sein Sohn Bernd: „Mikroorganismen wirken besser als chemisch-synthetische Präparate. Damit habe ich die jährliche Tierarztrechnung halbiert und die Qualität unserer Böden nachhaltig verbessert.“

Nun soll auch die Schweinemast auf Bio umgestellt werden. Hierzu sind zunächst umfangreiche Umbauarbeiten am Stall erforderlich. Alle Bio-Schweine bekommen zusätzlichen Auslauf an der frischen Luft und Stroh als Wühlmaterial. Im Ergebnis gut zweieinhalb mal mehr Platz als in der konventionellen Schweinezucht.

Außerdem ändert sich die Fütterung. „Unsere Schweine bekommen zusätzlich junges Kleegras, das viel verwertbares Eiweiß enthält“, erklärt Bernd Locher und betont weiter: „Dabei ist der Einsatz von Chemie völlig tabu. Regenwürmer sollen sich auf meinem Acker wohl fühlen. Sie sorgen dafür, dass die Böden fruchtbar sind.“ Weizen, Gerste, Klee, Luzerne, Körnermais, Erbsen und Bohnen würden künftig auf einem gesunden Ackerboden gedeihen, der bei Regen pro Stunde und Quadratmeter 150 Liter Regenwasser aufnehmen könne. Biologische Landwirtschaft sei damit auch das beste Mittel, um der immer weiter fortschreitenden Überschwemmungsgefahr bei Starkregen entgegenzuwirken. Für Bernd Locher hat eine Naturgesetzmäßigkeit oberste Priorität. Er sagt: „Nehmen und Geben müssen im Einklang stehen. Wir ernten immer das, was wir säen. Raubbau macht unsere Umwelt kaputt.“

Bernd Locher ist überzeugt von seiner neuen Konzeption zur Bioproduktion und der Deutsche Naturschutzring sowie die Firma Feneberg sind es auch. Letztere haben sich das Biofleisch aus Sauggart per Liefervertrag gesichert. Bis auf weiteres wird es deshalb auf dem Hof der Familie Locher keine Selbstvermarktung geben.

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