Welche Folgen die Neuordnung der Flure für die Artenvielfalt hat

Lesedauer: 4 Min
Ein buntes Bild mit Wiesen-Salbei und Wiesen-Margerite bietet sich dem Spaziergänger auf den artenreichen Wiesen rund um Uttenwe
Ein buntes Bild mit Wiesen-Salbei und Wiesen-Margerite bietet sich dem Spaziergänger auf den artenreichen Wiesen rund um Uttenweiler. (Foto: Landratsamt Biberach)
Schwäbische Zeitung

„Der Artenreichtum der Wiesen und Buntbrachen ist großartig“, freut sich Landespflegerin Anni Humm-Asfara vom Flurneuordnungsamt des Landkreises Biberach. Bei einer regelmäßigen Kontrollfahrt ist die Expertin für Pflanzen und Tiere in Uttenweiler unterwegs. Ihr Ziel sind die in der Flurneuordnung Uttenweiler (B 312) angelegten artenreichen Wiesen und Ackerbrachflächen, die sogenannten Buntbrachen.

Diese Flächen wurden bei der Neugestaltung der Flur im Jahre 2017 angelegt. In einer gemeinsamen Pflanzaktion von Landwirtschaft, Teilnehmergemeinschaft, Nabu, Gemeinde Uttenweiler, Landratsamt sowie in privater Initiative von Grundstücksbesitzern wurden im Herbst 2018 Sträucher, 90 alte vitaminreiche Obstbaumsorten und 30 Laubbäume (Stieleichen, Feld- und Bergahorne, Sommerlinden und Schwarzerlen) gepflanzt.

Blumenpracht dank später Mahd

Seither werden die Flächen von ortsansässigen Uttenweiler Landwirten nach einem exakten Pflegeplan bewirtschaftet. „Die späte Mahd im Juni und am Gewässerrand ab Mitte Juli sorgt für eine vielfältige und artenreiche Flora“, sagt Humm-Asfara, „Davon profitiert nicht nur die Tierwelt. Auch wir Menschen genießen die Schönheit und Vielfalt der Natur.“

Dass dies nicht in jedem Fall auf Anhieb gelingt, ist der Landespflegerin der Flurneuordnung bewusst. So unterscheidet sich eine Wiese in unmittelbarer Nähe zum Bischmannshauser Ried kaum vom intensiv bewirtschafteten angrenzenden Grünland. Es gilt in nächster Zeit nachzusteuern, um auch hier den vereinbarten ökologischen Zustand zu erreichen.

Bäume leiden unter Trockenheit

Auch bei den gepflanzten Bäumen sind Nacharbeiten erforderlich. Die Trockenheit der vergangenen Jahre macht sich bemerkbar. Mehrere Bäume weisen Trockenschäden auf; ein Baum ist vollständig abgestorben.

Paul Bösch, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft der Flurneuordnung Uttenweiler, hat sich vorgenommen, die Pflanzen in diesem Sommer regelmäßig zu wässern. „Im Herbst werden wir sehen, wie viele Bäume wir durchbringen. Einzelne Bäume sind leicht zu ersetzen. Der große Gewinn liegt in den flächenintensiven Maßnahmen der Wiesen und Brachen“, resümiert Anni Humm-Asfara.

Ausgelöst durch den Ausbau der Ortsumfahrung Uttenweiler verfolgte die Flurneuordnung das Ziel, den Flächenverlust auf möglichst viele Eigentümer sozialverträglich zu verteilen. Gleichzeitig wurden die bisher kleinparzellierten Grundstücke zusammengelegt und durch ein neues Wegenetz erschlossen.

Mit dem neuen Feldwegenetz wurde eine großflächige Biotopvernetzung verwirklicht. Entlang der Gewässer sind naturnahe Pufferstreifen angelegt, Wasserrückhalteflächen zum Hochwasserschutz und Maßnahmen für Freizeit und Erholung eingeplant worden.

3,5 Millionen Euro investiert

Im Gesamtprojekt wurden rund 3,5 Millionen Euro in das Rad- und Feldwegenetz sowie in Natur und Erholung rund um Uttenweiler investiert. Im Rahmen der Biotopvernetzung sind insgesamt 18,8 Hektar ökologisch wertvoller Flächen entstanden.

Neu eingesät wurden vier Hektar Ackerbrachen (Buntbrachen), 6,6 Hektar extensive (wenig) genutzte Wiesen und 1,4 Hektar Gewässerrandstreifen. 6,8 Hektar bestehende Wiesen werden durch Reduzierung der Nutzungsintensität in ihrer Artenvielfalt weiterentwickelt.

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen

Leser lesen gerade