Weit mehr als ein Kunstführer

Lesedauer: 7 Min
 Herbert Arbter mit seinem Kunstführer der besonderen Art: „Kleine Kostbarkeiten“.
Herbert Arbter mit seinem Kunstführer der besonderen Art: „Kleine Kostbarkeiten“. (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Als ein Ergebnis von „Seh-Ereignissen“ bezeichnet Herbert Arbter die von ihm verfasste „Entdeckungsreise durch den Landkreis Biberach“ mit dem Titel „Kleine Kostbarkeiten“. Es ist kein Führer im üblichen Sinne, sondern eine Auswahl von Sehenswürdigkeiten, die ihm ans Herz gewachsen sind. Bewusst hat er sein Augenmerk dabei auf weniger Bekanntes gelegt. Vieles hat er dabei neu entdeckt und er will auf Besonderheiten aufmerksam machen. Lokale Kunstwerke hat er in kunsthistorische oder andere geschichtliche Zusammenhänge gestellt, zieht Vergleiche zu bekannten Künstlern, steigt tief in christliches Selbstverständnis ein. Damit ist das Buch weit mehr als ein Kunstführer.

Aus persönlichem Interesse hat Herbert Arbter sich mit Kirchen, Museen, Skulpturen und mehr beschäftigt. „Man macht Ausflüge, sieht etwas und geht diesem nach“, beschreibt er seine Handlungsweise. Der Biberacher Verlagsdruckerei ist zu verdanken, dass nun auch andere in den Genuss seines Forschens, Schreibens, Fotografierens, aber auch Illustrierens kommen. Schließlich war Arbter viele Jahre Kunsterzieher am Kreisgymnasium in Riedlingen und kann nun seine beruflichen und künstlerischen Fähigkeiten auf diese Weise einbringen. Und genau das macht das Büchlein mit seinen 192 Seiten, vielen Fotos, Grafiken und einem ausführlichen Glossar aus.

Das Interesse an Kunst und Kultur schreibt Arbter seiner beruflichen Bildung zunächst als Diplom-Designer, danach als Kunsterzieher zu. Schon während seiner Zeit im Schuldienst habe er viel gesammelt. Aufgrund der unzähligen Notizen habe er für sich gedacht: Da kann man etwas draus machen. „Ich bin sehr blauäugig rein getappt“, gesteht er, nicht ahnend, was es bedeutet, ein Buch zu konzipieren. Zunächst galt es einmal, die Orte seines Erkundens gen Osten zu erweitern. „Das hat der Sache gut getan“, räumt er ein und habe seinen Horizont erweitert. Verleger Achim Zepp sei offen gewesen und habe ihm auch Tipps gegeben. Um manches – auch Verlorengegangenes, wie Wandfresken – deutlicher zu machen, hat er Illustrationen angefertigt, die ergänzen und verdeutlichen, wie zum Beispiel zu Wandfresken in der Taufkapelle von Sankt Peter und Paul in Kappel. Auch Pläne sind in dem Buch zu finden, so zum Beispiel zu den Kunstwerken auf dem Skulpturenfeld in Oggelshausen, die alle einzeln beschrieben sind.

In Altheim und seinen Teilorten ist Arbter gleich dreimal fündig geworden. So ist von ihm zu erfahren, dass das 1960 durch Zufall entdeckte Fragment eines spätgotischen Hungertuchs „exakt zur Chorbogensituation des Münsters von Heiligkreuztal passt“, nicht aber zu jener in Altheim. Im Münster von Heiligkreuztal selber hebt er den Bernhard-Altar mit detaillierten Beschreibungen hervor. In Waldhausen würdigt er die von Ivo Schaible geschaffenen Glasfenster für die Oswaldkapelle mit regional Verehrten.

Mit einer ikonographischen Betrachtung eines Deckenfreskos des Meinrads von Au in der Sankt Mauritiuskirche in Langenenslingen beginnt Herbert Arbter seine Entdeckungsreise. So kann man bei Herbert Arbter Heilige und ihre Funktion kennen lernen. Selbst auf die handwerkliche Entstehung eines Freskos geht er ein.

Für Riedlingen hat Arbter Richard Hohly und seine Bilder im ehemaligen Progymnasium und der heutigen Grundschule ausgewählt. 1932 entstanden, wurden sie während der Nazi-Herrschaft übertüncht und 1995/96 wieder freigelegt. Dies habe er bereits 1989 in einer Festschrift angeregt, vermerkt Arbter. Auch hier erfährt man die Malweise Hohlys und bekommt das Entwurfsraster für das Gemälde abgedruckt.

Das zweite Bildwerk, für das sich Arbter in Riedlingen entschieden hat, ist das 2001 restaurierte Mauerbild des Schmerzensmannes neben einer großen Passionsdarstellung der Verurteilung Jesu des Mattesius Besenger. In Zwiefaltendorf führt er anhand des Epitaphs eines adeligen Paares in der Pfarrkirche in die Bedeutung dieser Gedenktafeln ein.

Nicht nur kirchliche Kleinode

Ist der Bussen als „heiliger Berg“ und Wallfahrtsort jedem Oberschwaben bekannt, so ist es Arbters Anliegen, auf die Bussenkapelle in Göffingen aufmerksam zu machen. In seinem Wohnort Uttenweiler schenkt er dem ehemaligen Triumphkreuz der Pfarrkirche Sankt Simon und Judas in der Friedhofkapelle Aufmerksamkeit und hier unter anderem zu einer „fast geheimnisvollen Fingerhaltung“ als Segensgestus. Schließlich begegnet der Leser noch dem „Herrgöttle von Bihlafingen“, dem Wunderheilungen zugeschrieben werden.

Doch nicht nur Kirchen und christlichen Motiven widmet sich Arbter in dem Buch. Sein Blick schweift auch in die Natur, so zum Blinden See bei Kanzach, zum Ummendorfer und Wettenberger Ried oder ins Naturschutzgebiet „Osterried“ bei Baltringen.

Die „schönste Dorfkirche der Welt“ wird in Steinhausen gefeiert, doch hat auch jeder schon das Wallfahrtsmuseum gleich daneben besucht mit Exponaten gelebter Volksfrömmigkeit? Eine Kutschensammlung gibt’s in Bad Schussenried. Als „Offenbarung“ für ihn bezeichnet Arbter das Muschelmuseum in Ochsenhausen, das „größte weltweit“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen