So nah wie möglich an der Natur

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Annette Schelkle führte eine der beiden Besuchergruppen durch den geräumigen, luftigen Kuh- und Ziegenstall.
Annette Schelkle führte eine der beiden Besuchergruppen durch den geräumigen, luftigen Kuh- und Ziegenstall. (Foto: Annette grüninger)

Köstlicher Käse, niedliche Zicklein und ländliche Idylle pur: Rund 50 Leser der „Schwäbischen Zeitung“ haben am Freitag den Biolandhof Schelkle auf dem Schupfenberg bei Oberwachingen besucht. „Wir wollen hinter die Kulissen der Produktion regionaler Lebensmittel schauen“, nahm AOK-Ernährungsberaterin Angela Maxa die Besucher in Empfang. Vom Stall bis in die Käserei und Reifekammer führte die Tour – und auch der Kontakt zu den tierischen Produzenten kam nicht zu kurz.

Sie heißen „Roter Schupfenberger“, Asche-Camembert oder Ziegenmutschli: Etwa 25 Käsesorten stellen die Schelkles, unterstützt von Hofkläserin Juliane, Auszubildender Charlotte und drei weiteren Mitarbeitern, auf dem Schupfenberg her; außerdem Joghurt, Quark, Butter. Ihre Produkte verkaufen sie auf Märkten, in Bio- und Hofläden. „Ich wollte nie 80 oder 100 Kühe melken – lieber weniger und dafür die eigenen Produkte selbst verarbeiten und vermarkten“, sagt Annette Schelkle über sich. Zusammen mit ihrem Mann Ulrich, einem studierten Maschinenbauer, hat die Agrarwissenschaftlerin diesen Traum verwirklicht – und das gleich zweimal: Nachdem ihr früherer Betrieb bei Wendlingen der ICE-Schnelltrasse weichen musste, hat das Landwirtsehepaar vor sechs Jahren unweit von Ulrich Schelkles Heimatort Oberwachingen ihren Hof erneut aufgebaut. Hier leben sie zusammen mit ihren fünf Kindern im Alter zwischen vier und 13 Jahren, 35 Kühen und 45 Milchziegen.

Die tierischen Produzenten standen bei der Hofbesichtigung natürlich besonders im Mittelpunkt. Entzückte Ausrufe waren zu hören, als die Besucher den Stall betraten. Der Grund: „Ziegen werden alle zur selben Zeit brünstig, im Herbst“, erklärte Annette Schelkle. Und das Ergebnis tummelte sich nun putzmunter und zuckersüß im Stroh. Die Kehrseite: Weil alle jungen Zicklein ungefähr gleichzeitig zur Welt kommen, gibt es im Winter, während die Muttertiere trächtig und trockengestellt sind, keine Ziegenmilch.

„Wir versuchen alle Tiere bei ihrer Mutter aufzuziehen“, erläuterte Schelkle die sogenannte muttergebundene Aufzucht. Auch die Kälber bleiben bis zu vier Wochen bei ihrer Mutter, bevor jeweils drei von ihnen einer Amme zugewiesen werden. „Da können wir gut dahinterstehen“, sagte die Landwirtin. Eine weitere Besonderheit: Ziege wie Kuh leben auf Schelkles Hof, der gerade auf einen Demeter-Betrieb umgestellt wird, wie die Natur sie schuf: mit Hörnern. Und auch gefüttert werde ausschließlich mit Heu und Gras. „Das riecht man auch – ihr müsst euch nachher nicht einmal umziehen“, wandte sich Schelkle lachend an die Besucher.

Deren nächste Station führte in die Käserei. 21 000 Liter Ziegenmilch und 120 000 Liter Kuhmilch werden hier pro Jahr verarbeitet und das an sechs Tagen die Woche. Viel zu tun für Hofkäserin Juliane aus Thüringen, die ihre Kunst in einer zweijährigen Ausbildung von der Pike auf gelernt hat. Verschiedene Bakterienstämme und Verarbeitungsprozesse machen es möglich, dass aus ein und demselben Rohstoff die unterschiedlichsten Käsesorten entstehen. Einige davon konnten sich die Besucher dann bei der Verkostung auf der Zunge vergehen lassen – nach der interessanten Führung ein besonderer Genuss.

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