Landrat hört in Uttenweiler wenig Sorgen

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Landrat Dr. Heiko Schmid (links) lässt ich von Philipp Schurr in Dentingen ein Kuhputzbüstensystem erläutern.
Landrat Dr. Heiko Schmid (links) lässt ich von Philipp Schurr in Dentingen ein Kuhputzbüstensystem erläutern. (Foto: FOto: Alexander Speiser:)
Schwäbische Zeitung
Alexander Speiser

Rundum zufriedene Gesichter gab es beim Gemeindebesuch von Landrat Dr. Heiko Schmid in Uttenweiler. Schmid besucht zwei Unternehmen in der Gemeinde, ehe er sich den Fragen von Räten und Bürgern stellte.

Beim ersten Programmpunkt, dem Firmenbesuch im Europäischen Logistikzentrum der Firma Beurer, dem wohl räumlich größten Bauwerk am Ort, wurden die Vorzüge des Standorts gepriesen. Fertigte das 1919 in Ulm gegründete Unternehmen jahrzehntelang unter anderem die bekannten Heizdecken in Uttenweiler, werden hier heute nur noch Waren, die im Werk in Ungarn oder in Fernost produziert werden angeliefert, eingelagert, umgepackt, kommissioniert und an die Kunden ausgeliefert.

In dem 2012 erbauten und 2015/2016 erweiterten Neubau mit nunmehr 21 000 Quadratmetern Grundfläche finden 18 000 Paletten Platz. Rund achtzig Mitarbeiter pro Schicht entladen fünf bis sieben Container täglich und bewegen zwischen 150 und 200 Paletten. Der Logistikleiter des Unternehmens bezeichnete zum Erstaunen der Besucher Uttenweiler als einen guten Logistikstandort, da die B30 mit Lastwagen in 20 bis 25 Minuten erreichbar sei.

Das Unternehmen Beurer produziert etwa 2200 verschiedene Artikel wie Heizdecken, Waagen und Blutdruckmessgeräte und beschäftigt bei einem Umsatz von rund 230 Millionen Euro jährlich um die 800 Mitarbeiter. Die Firma wachse im Schnitt um 15 bis 20 Prozent jährlich, wofür das Logistikzentrum in Uttenweiler für die nächsten Jahre gerüstet sei so die Firmenvertreter. Der Standort sei somit auf lange Sicht gesichert.

Der nächste Besuch galt der Firma Schurr in Dentingen, einem Uttenweiler Teilort. Begrüßt wurden Landrat, Bürgermeister und ihr Tross von den geschäftsführenden Gesellschaftern Hubert, Marianne und Sohn Philipp Schurr. Das Unternehmen stellt heute unter anderem weltweit vertriebene Kuhbürstensysteme her. Es wurde 1992 vom Seniorchef gegründet – aus einer Not heraus wie er sagte. Krankheitsbedingt musste er seine damalige Tätigkeit als Aufzugsmonteur bei einem namhaften Hersteller beenden. Was daraus wurde erinnert an die typischen, auch und vor allem schwäbischen Erfolgsgeschichten. Schurr ließ sich nicht entmutigen sondern packte es an – nämlich seine Selbständigkeit.

Bereits 1999, nur sieben Jahre nach dem Start, wagte man sich an einen Neubau, der 2009 erweitert und 2012 um ein Bürogebäude ergänzt wurde. Auch hier setzte sich Schurr durch als der ehemalige Bürgermeister Dahler ihn in den Hauptort Uttenweiler holen wollte. Schurr blieb seinem Dentingen treu und so besitzt der kleine Ort am Fuße des Bussenbergs heute ein kleines, aber feines Gewerbegebiet. Mehrere Unternehmen, so auch ein Schirmhersteller bieten gute, sichere und wohnortnahe Arbeitsplätze.

Weltweit Kunden

Die Firma Schurr, zunächst mit der heute noch betriebenen Sanierung von hydraulischen Aufzügen gestartet, stieg auch alsbald in die Produktion von Klauenpflege-Ständen für Kühe und die mittlerweile weltweit vertriebenen Kuhbürsten ein. Auch hier spielten der Zufall und schwäbischer Erfindergeist mit. Schurr senior wurde von einem Bauern gefragt, ob er ihm nicht so eine Bürste machen könne, da sich die Kühe gerne an etwas reiben. Es hat wohl zunächst etwas Überwindung gekostet, aber heute ist das Unternehmen mit seinem Zwei-Bürsten-System und zahlreichen Innovationen wie einem solarbetriebenen Modell mit EC-Motor der Marktführer.

Rund 2000 der robusten und langlebigen Kuhbürsten verlassen jährlich den Betrieb in Dentingen und werden in alle Welt verschickt. Inzwischen gibt es aus dem Hause Schurr auch Bürstensysteme für Ziegen und Schweine, die allerdings nicht so gelehrig wie die Kühe seien – so Seniorchef Schurr. Beeindruckt von dem Unternehmen und seinen Leistungen dankten Landrat und Bürgermeister der Familie Schurr für die interessante Vorstellung.

Beim anschließenden „Bürgerkaffee“ im Rathaus von Uttenweiler konnte der Eindruck entstehen dass die Gemeinde praktisch keine Probleme hat. Die Finanzen sind knapp, aber geordnet, die meisten größeren Aufgaben und Projekte sind entweder erledigt oder gut angegangen. Ein kleines Stückchen heile Welt in Oberschwaben, wäre da nicht der Biber, wie einer der wenigen Besucher zu bedenken gab. Aber auch hier scheint der umtriebige Bürgermeister Werner Binder schon eine Lösung parat zu haben – und wenn sonst nichts hilft, hilft sicher der Landrat.

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