Innovationskraft aus Uttenweiler

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Alexander Speiser

Selbst Petrus ist mit von der Partie gewesen, als am Sonntag bei wunderbarem Spätsommerwetter einige Betriebe im Uttenweiler Gewerbegebiet Aispel ihren Tag der offenen Tür veranstaltet haben. Den Rahmen zu der Gewerbeschau lieferte das Fest der Reiterfreunde Uttenweiler und die Musikkapelle der Gemeinde am Bussen die passende Musik dazu.

Initiator Bernd Marquart, Inhaber und Chef des gleichnamigen Installateurbetriebs, und seine Mitstreiter haben eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, die einige hundert Besucher angelockt hat. So waren um die Mittagszeit sämtliche Sitzplätze in und vor der Halle der Firma Marquart belegt und die fleißigen Bedienungen hatten alle Hände voll zu tun.

Marquart ist ein umtriebiger Mensch, der nicht nur die Gewerbeschau initiiert hat, nein, er ist auch der Erfinder und Erbauer des Uttenweiler Nahwärmenetzes, das sich mittlerweile über 2,5 Kilometer ausdehnt und namhafte Unternehmen wie Beurer mit Wärme versorgt. Einen großen Teil der Halle nehmen Heizkessel, Pufferspeicher und das Brennstofflager ein, die vor allem in den Wintermonaten die Versorgung mit Wärme sicherstellen. Hier setzt Marquart auf Diversifizierung, durch einen Hackschnitzelkessel mit 700 Kilowatt, Biogas von Knab aus Offingen mit 250 Kilowatt und einem Öl-Spitzenlastkessel mit 600 Kilowatt, jeweils stündlicher Leistung, die nach Bedarf abgerufen werden kann. Die Firma bietet mit „Heizkurier“ auch eine Notversorgung mit mobilen Heizzentralen an. Dies sind auf Anhänger montierte Heizkessel, die im Winter und bei Ausfall der eigenen Wärmeversorgung schnell und sicher eine Ersatzlösung schaffen.

Outfit für den Nachwuchs

Das Autohaus Missel bietet seit 2006 als freie Werkstatt einen Komplettservice für alle Automarken an und ist nach Aussage von Inhaber Andreas Missel stets auf dem neuen technologischen Stand. Viermal die Woche kann im Hause die Abnahme von Fahrzeugen nach Paragraf 29 StVZO gemacht werden und gerade auch hierfür habe man sich einen nagelneuen Bremsen- und Achsvermessungsprüfstand zugelegt. Bei einem jährlichen Wachstum von rund 20 Prozent war der Neubau einer Halle im Aispel unumgänglich. Allerdings fehle es an Nachwuchs, die Firma finde wie viele andere keine Lehrlinge, klagt Andreas Missel. Das Wachstum des Unternehmens basiere zum großen Teil auch auf der guten Nachfrage nach Neu-, Jahres- und Gebrauchtwagen.

Im Gebäude des Autohauses ist auch die Firma „Miss Tricky“-Kindermode daheim, gegründet und geleitet von Andreas Missels Ehefrau Lydja. Selbst fünffache Mutter, dabei zweimal von Zwillingen, war sie ständig auf der Suche nach geeignetem Outfit für ihren Nachwuchs. Es sollte schadstofffrei, den Ansprüchen an umweltverträgliche Kleidung entsprechen und kindgerecht sein. Fair Trade ist das Stichwort, und 2017 war es soweit, Lydja Missel richtete mit Unterstützung ihres Mannes ihren Laden „Miss Tricky“ ein.

Die 1984 von Hansjörg und Adelheid Forstner in Uttenweiler gegründete Firma Forstner Elektrotechnik ist zwar auch für die örtlichen Kunden da, ein Großteil machen aber industrielle Auftraggeber aus. Auch der Nachwuchs steht mit Volker und Norbert Forstner tatkräftig zur Seite. Da wundert es nicht, dass das Unternehmen bereits seit Jahren auch Elektromobile im täglichen Einsatz hat. Smarthome, Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen gehören ebenso zum Angebot wie Hausinstallationen und Geräte für den Haushalt. Die Firma expandiert beständig und hat Kunden im ganzen Kreis Biberach, vereinzelt aber auch bis Augsburg und Nürtingen.

Regional aus Überzeugung

Doch auch die Firma Brandsmade zeigt im Gewerbegebiet Aispel, was das örtliche Gewerbe zu bieten hat. Matthias Brand, Zimmermann und Großhandelskaufmann, stellte in seinem 2010 gegründeten Betrieb handwerklich hergestellte Badzuber und Saunafässer vor. Einige Spezialwerkzeuge wurden dabei selbst entwickelt, um den Ansprüchen des Inhabers zu genügen oder weil es am Markt einfach nichts Passendes zu kaufen gab. So konstruierte Brand mit Unterstützung durch einen Experten eine hydraulisch angetriebene Kettensäge, mit der selbst große Eichenstämme der Länge nach aufgeschnitten werden können. Die Besucher konnten sich anhand einer Eichenplatte mit rund sechs Metern Länge und etwa einem Meter Breite selbst ein Bild machen und staunten nicht schlecht. Brand ist aus Überzeugung nur regional tätig und arbeitet ausschließlich mit nachwachsenden Rohstoffen.

Uttenweiler und seine Unternehmen im Gewerbegebiet Aispel haben gezeigt, was sie können – und das ist für die kleine Gemeinde am Bussen eine ganze Menge an Innovationskraft. Bürgermeister Binder, der sich bei einem Rundgang von der Leistungsfähigkeit „seiner“ Unternehmen überzeugen konnte, zeigte sich dann auch sichtlich stolz und zufrieden mit dem Angebot.

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