Gedenken und Ermahnung zum Frieden

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Die Organisatoren des Gedächtnistags bedanken sich bei Generalmajor a.D. Peter Nagel (rechts) für seine aufrüttelnde Ansprache.
Die Organisatoren des Gedächtnistags bedanken sich bei Generalmajor a.D. Peter Nagel (rechts) für seine aufrüttelnde Ansprache. (Foto: carmen bogenrieder-Kramer)
Schwäbische Zeitung
Carmen Bogenrieder-Kramer

Die Gemeinde Uttenweiler feiert ihren Bastiani-Kriegergedächtnistag seit 1845 immer am Gedenktag des Heiligen Sebastian, dem Schutzpatron der Soldaten und Kriegsversehrten. Dieses Jahr stand das Wort „Frieden“ im Zentrum aller Ansprachen und Generalmajor a. D. Peter Nagel warnte vor einem Zerfall Europas.

Traditionell beginnt der Bastiani-Ehrentag mit dem Antreten der Vereine im Schlosshof von Uttenweiler. Dann folgt ein Gottesdienst in der Kirche, eine Gedenkfeier auf dem Friedhof, eine Feierstunde in der Festhalle und ein gemeinsames Mittagessen, das die Gemeinde spendiert. Der örtliche Musikverein mit Dirigent Ralf Kritz und der Gesangverein mit Dirigentin Ulrike Marquart gestalten den Gedenktag musikalisch. Die Krieger- und Soldatengemeinschaft mit dem Vorsitzenden Alois Steiner ist für die Gesamtorganisation verantwortlich. Alle beteiligten sich zu Ehren der Kriegsgefallenen.

Steiner: „Tote haben keine Stimme“

Dieses Jahr vertrat Elias Ihle Bürgermeister Werner Binder und überzeugte mit seinem Appell: „Frieden und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit. Man darf nicht nur nehmen, sondern muss auch geben.“ Ihle erinnerte an die Gefallenen und die Vermissten der Kriege und forderte dazu auf, diesen Verlust als Mahnung für das jetzige und zukünftige Handeln zu sehen.

Alois Steiner betonte: „Tote haben keine Stimme, aber die Lebenden können ihre Stimme für den Frieden erheben.“ Wie das geschehen kann, zeigte Generalmajor a.D. Peter Nagel mit seiner Ansprache, die betroffen und nachdenklich machte.

Nagel wagte einen geschichtlichen Rückblick und nannte Zahlen zu den Toten, die durch die Kriege in Europa zu beklagen sind. Allein im Ersten Weltkrieg als britische und französische Soldaten im Juli 1916 den Durchbruch ins Deutsche Reich schaffen wollten, seien 8000 Männer in der ersten halben Stunde gefallen. Am Abend des ersten Tages seien es fast 60000 Tote gewesen und als man nach vier Monaten die Offensive einstellte, habe man auf beiden Seiten zusammen etwa 1,5 Millionen Tote gezählt. Nagel sprach von einem „furchtbaren Blutzoll“. Frieden in Europa gebe es erst seit 72 Jahren. Dann schwenkte Nagel auf das Hier und Jetzt. Er sprach unter anderem über den Krieg in Syrien und die elf Millionen Flüchtlinge, die seither unterwegs seien. Er erklärte auch, weshalb es Putin ins Kalkül passe, dass viele der Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa sind. Nagel sagte: „Putin führt Krieg gegen Europa und Trump hat die Nato, einen Pfeiler unserer Sicherheit, als obsolet bezeichnet.“ Vor diesem Hintergrund warnte Nagel vor dem Zerfall Europas: „Wir brauchen Europa heute mehr denn je.“

Die Europäische Union wäre nach der Überzeugung Nagels in jeder Beziehung eine Supermacht mit 500 Millionen Einwohnern, einem Viertel des weltweiten Bruttosozialprodukts, dem größten Binnenmarkt der Welt, der größten Innovationskraft gemessen an den Patentanmeldungen, mit Deutschland im Zentrum als Exportweltmeister vor China. Aber: „Wir sind drauf und dran, uns selbst zu zerlegen.“ Nagel mahnte weiter: „Alleine auf uns gestellt, sind wir nichts in dieser globalisierten Welt, wo alles von allem abhängt. Die Mahlsteine großer Mächte, die ungezügelten Finanzmärkte, die großen Wirtschaftsräume, die weltweite Wanderungsbewegung sind nur im engen Verbund mit Freunden und Partnern beherrschbar.“

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