Ein verstecktes Anwesen aus dem elften Jahrhundert

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Wolfgang Lutz

Kaum zwei Kilometer östlich von Dieterskirch liegt auf einer Anhöhe versteckt der Herlighof. Ein landwirtschaftliches Anwesen, das erstmals im Jahr 1156 urkundlich erwähnt ist und das bis heute eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Seit den 70er Jahren ist es aber in Besitz der Familie Hiller, die den Hof auch bewirtschaftet. Neben der Schweinezucht bildet vor allem der Ackerbau des etwa 65 Hektar großen bäuerlichen Anwesens die Haupteinnahmequelle.

Fährt man von Dieterskirch in östlicher Richtung am Mühlbach entlang und biegt dann nach zwei Kilometern am Wegweiser rechts ab, kommt man zuerst an der Pumpstation Herlighof vorbei, die auch heute noch Trinkwasser aus mehreren Quellen liefert. Dann geht es auf einer etwas schmaleren Straße bergauf, gesäumt von alten Buchen und Eichen, bis man am Ende der Auffahrt die etwa 150 Jahre Hainbuche zu Gesicht bekommt. "Das ist unser Hausbaum", wie es früher geheißen hat, gibt mir Hofherr Ulrich Hiller zu verstehen. Auf der Anhöhe dann das Anwesen mit dem Bauernhaus, das etwa 400 Jahre alt ist und wahrscheinlich früher nur eingeschossig war. Wie ein Dreiseithof angeordnet, dann die verschiedenen Wirtschaftsgebäude und Remisen, die alle für den bäuerlichen Betrieb genutzt werden. Dazwischen eine Holzscheuer mit einem Krüppelwalmdach. Diese, so Ulrich Hiller, stamme aus dem Jahr 1902 und war einstmals der Schafstall, denn auch die Schafzucht war zu jener Zeit auf dem Herlighof zuhause.

Aus dem Auto aussteigen trau ich mich noch nicht, denn Luna, eine Appenzeller-Hündin, hat auf dem Hof das Sagen. Lautstark schlägt sie an, bis Hofherr Ulrich Hiller erscheint. Ob sie „was macht“, frage ich ihn. „Kommt drauf an, was man hier will“, so schmunzelt er und dann wage ich es doch. Anscheinend weiß die Hündin, das ich in friedlicher Absicht den Herlighof aufsuche. Urkundlich erwähnt ist der Hof, der sicher auf eine über 900-jährige Geschichte zurückblicken kann, erstmals im Jahre 1156 und er gehörte damals „den von Emerkingen“, wie es festgeschrieben ist. Zusammen mit dem Ort Sauggart kam er dann im Jahr 1365 an das Kloster Blaubeuren. Schon 18 Jahre später, also im Jahr 1383, verkaufte dieses den Besitz dann an das Kloster Marchtal. "Der Marchthaler Cameralhof liegt auf einer fruchtbaren Anhöhe von Dieterskirch", geben die Geschichtsbücher weiter preis. In der Zeit der Säkularisation verlor das Kloster Marchtal aber die ganzen Waldbesitzungen in der Umgebung samt dem Herlighof im Jahr 1806 an Thurn und Taxis. Schließlich ging der Hof dann im Jahr 1928 in Privatbesitz und des öfteren wechselten dann die Eigentümer, bis der Vater von Ulrich Hiller in den 70er Jahren den Herlighof kaufte. Ein Anwesen in Einzellage und mit Blick in alle Himmelsrichtungen. Ihm gefällt der Standort, aber „alles hat seine Vor- und Nachteile“, so der Hofherr.

Für sein Hobby ist Ulrich Hiller aber kein Weg zu weit. Als leidenschaftlicher Musikant gehört er seit über 40 Jahren dem Musikverein Dieterskirch an, wobei das Saxophon sein Lieblingsinstrument ist. Zehn Jahre lang war er auch Vorsitzender der Musikkapelle Dieterskirch, aber die Arbeit auf dem Hof habe dies nicht mehr zugelassen. „Dem Musizieren im Verein bleib ich treu, denn ein Hobby muß man neben der Arbeit ja haben“, so der Herlighof-Bauer. Kaum, dass er sich dann zu einem Foto vor seinem Bauernhaus aufgestellt hatte, kommt auch Luna wieder ins Spiel. „Sie will auch aufs Bild“, und schon legt sie sich gekonnt in Pose. Wahrscheinlich hat sie mich spätestens jetzt ins Herz geschlossen.

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