Ein Leben für die Frauen vom Land

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Heimat ist für Elfriede Elser der Ort, an dem man sich wohl fühlt. Únd dazu gehört für die Trägerin der baden-württembergischen
Heimat ist für Elfriede Elser der Ort, an dem man sich wohl fühlt. Únd dazu gehört für die Trägerin der baden-württembergischen Heimatmedaille auch der eigene Garten in Sauggart, unterm Bussen. (Foto: Archiv: grüninger)
Schwäbische Zeitung

Sei war Orts-, Kreis- und Bezirksvorsitzende der Landfrauen, hat den Partyservice Riedlinger Landfrauen ins Leben gerufen, das Landfrauen-Kochbuch „Gutes aus Gottes Erde“ initiiert und mit verfasst, einen „Haushaltsführerschein“ für sozial Benachteiligte entwickelt und sich politisch für die Frauen auf dem Land stark gemacht:

Die Liste von Elfriede Elsers Leistungen ist lang. Für ihre Verdienste um die Heimat hat Wissenschaftsministerin Theresia Bauer die Sauggarterin nun mit der Heimatmedaille ausgezeichnet. SZ-Redakteurin Annette Grüninger hat mit der frischgebackenen Preisträgerin gesprochen.

SZ: Herzlichen Glückwunsch, Frau Elser. Das Wissenschaftsministerium hat Sie mit der Heimatmedaille Baden-Württemberg ausgezeichnet, als eine von zehn Persönlichkeiten in Baden-Württemberg. Kam der Preis für Sie überraschend?

Elser: Ja, total. Das Regierungspräsidium Tübingen hat mich angerufen, das war schon im Mai, Juni. Und so lange musste ich die Sache geheim halten. Aber dann haben wir den Film beim Partyservice gedreht, da musste ich dann doch etwas sagen. (lacht)

[Der Kurzfilm des Wissenschaftsministeriums über Elfriede Elser wurde später bei der Preisübergabe gezeigt – Anm. d. Red.]

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Zweite von links) überreichte Elfriede Elser in einem Festakt in Waldkirch die Heimatmedaille Baden-Württemberg (Foto: Stadt Waldkirch)

Wissen Sie, wer Sie für die Auszeichnung vorgeschlagen hat?

Nein, da halten alle dicht. Ich habe schon verschiedene Leute gefragt, aber da lässt keiner was raus. Ich weiß es also noch immer nicht.

Wie haben Sie die Auszeichnung in Waldkirch erlebt?

Wir haben ein Bussle gemietet für die Familie und auch drei gute Freundinnen habe ich eingeladen. Wenn man nebenher so ein Geschäft hat, den Partyservice, dann ist so eine lange Fahrt natürlich immer mit ein wenig Stress verbunden. Aber alles hat geklappt, wir waren pünktlich da. Im katholischen Gemeindehaus wurde man zuerst zum Kaffee eingeladen, danach war die Ehrung. Da war dann bei mir schon eine Anspannung da – ich wusste ja nicht, was kommt da jetzt im Film. Die Grußworte der Ministerin waren auch sehr interessant. Da ist mir dann schon bewusst worden, dass das jetzt nicht irgend so ein Preis ist, dass alles schon tiefgründiger ist und man auch etwas dafür geleistet haben muss.

Sind Sie denn auch mit den anderen Preisträgern ins Gespräch gekommen?

Einen Preisträger kannte ich schon über meine Vorgängerin Toni Teufel, da sind wir gleich ins Gespräch gekommen. Auch mit einer Frau, die sich für Vertriebene von Ostpreußen einsetzt, hat sich ein Gespräch ergeben, und mit einem Dirigenten... In dem Film über mich wurde ja auch das Kochbuch hervorgehoben. Nach der Preisverleihung haben mich deshalb viele gefragt, wo sie das Kochbuch denn bekommen können. Also werde ich jetzt ein paar Landfrauen-Kochbücher verschicken. (lacht)

Sie haben für Ihr großes Engagement schon einige Auszeichnungen erhalten, Sie sind Ehrenvorsitzende der Landfrauen Biberach-Sigmaringen, haben die Ehrennadel des Landes erhalten und wurden 2014 unter 5000 Frauen zur „Landfrau des Jahres“ gewählt. Was bedeutet die Heimatmedaille für Sie?

Ich habe mir lange Gedanken gemacht: Warum ich? Andere haben doch auch etwas geleistet? Auf der anderen Seite, wenn ich auf mein Leben so zurückdenke, habe ich schon manches bewegt für die Landfrauen – ich hätte natürlich noch viel mehr im Kopf, das ich machen könnte. Aber die Landfrauen waren schon ein Stück von meinem Leben. Ich finde es schade, dass sich die jüngeren Frauen nicht mehr so zugehörig fühlen. Landfrauen sind ja nicht nur die Bäuerinnen, das sind einfach die Frauen vom Land. Aber ich bin froh, dass ich jetzt so gute Nachfolgerinnen gefunden habe und auch den Kreisvorstand und den Kreisvorsitz haben jetzt jüngere Frauen übernommen. Und das ist gut, jüngere Frauen haben wieder andere Ideen.

Aber auch wenn Sie jetzt nicht mehr Vorsitzende sind, die Arbeit geht Ihnen sicher nicht so schnell aus?

Nein, ich habe ja noch immer den Partyservice Riedlinger Landfrauen, den könnte ich gar nicht mehr nebenher machen. Das wird immer mehr. Wir haben inzwischen sehr viel Kundschaft direkt aus Biberach, die Wert legen auf heimische, regionale und saisonale Küche. Und vor allem selbst gekocht, unsere Kundschaft schätzt das. Man muss einfach ehrlich sein zum Produkt, ehrlich zu sich und zur Kundschaft. Man kann nicht was predigen und im Kochtopf sieht es dann ganz anders aus.

Die Liste Ihrer Verdienste, für die Sie ausgezeichnet worden sind, ist lang. Den Partyservice und das Landfrauen-Kochbuch haben Sie ja schon angesprochen. Welche Leistung freut Sie denn ganz besonders?

Auf das Kochbuch bin ich schon ein bisschen stolz, dass es so gut gelaufen und auch so schön geworden ist. Wo man hinkommt, hört man: „Ich habe auch das Landfrauen-Kochbuch“ – das freut einen.

Was möchten Sie denn noch unbedingt für die Landfrauen erreichen?

Mein großer Wunsch ist, dass jüngere Frauen sich auch dazu gehörig fühlen zum Landfrauenverband. Man glaubt gar nicht, was der Landfrauenverband auf politischer Ebene erreicht hat – ich sage nur: Mütterrente. Dafür haben wir Unterschriften gesammelt. Glauben Sie, das tut jedem älteren Mütterle gut. Die haben nicht alle so eine gute Rente und haben die Kinder zu anderen Bedingungen als heute aufgezogen.

Hat die Heimatmedaille jetzt einen Ehrenplatz bei Ihnen bekommen?

(lacht) Bis jetzt liegt sie noch im Esszimmer auf dem Schrank – weil die Leute, wenn sie zu Besuch kommen, sie sehen wollen.

Als Trägerin der Heimatmedaille: Was verbinden Sie denn persönlich mit dem Begriff „Heimat“?

Heimat ist für mich der Ort, an dem man sich wohl fühlt. Wo es ein gutes Heimkommen gibt, wenn man unterwegs war, ein gutes Zuhause. Wenn ich zum Beispiel für den Partyservice in der Region unterwegs bin und beim Heimfahren den Bussen sehe, dann denke ich: Jetzt bin ich bald daheim. Wir haben eine schöne Region, das ist einfach Heimat. Im Schwäbischen sagt man ja auch: Man macht es sich hoimelig.

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