Diesel-Liesel und tätowierte Fischstäbchen

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Die Alkoholfahrt des Polizeichefs kann nicht gut ausgehen – doch das Publikum freut sich an den absurden Szenen der „Hauptkerle“
Die Alkoholfahrt des Polizeichefs kann nicht gut ausgehen – doch das Publikum freut sich an den absurden Szenen der „Hauptkerle“. (Foto: Speiser)
Schwäbische Zeitung
Alexander Speiser

Hätte man es nicht selbst erlebt, man könnte es kaum glauben, welch komödiantisch-kabarettistisches Talent in Oberschwaben zuhause ist. Die „Hauptkerle“, bestehend aus Jörg Weggenmann und Werner Zell aus Mittelbiberach, waren bei den Sportfreunden Bussen in Dieterskirch zu Gast. Beim Weinfest, das dieses Jahr schon zum 41. Mal über die Bühne ging, gibt es jeweils am Samstagabend ein besonderes Highlight und das waren in diesem Jahr zum wiederholten Mal die „Hauptkerle“. In Dieterskirch kennt man die Beiden bereits und so war es auch kaum verwunderlich, dass manche schon vorauseilend lachten, noch bevor die Herren überhaupt die Bühne betreten hatten.

Jörg Weggenmann und Werner Zell waren schon bei den legendären „Vier von der Schwankstelle“ aktiv und beglücken nun seit einigen Jahren als „Hauptkerle“ nicht nur ihr oberschwäbisches Publikum. Sehr facettenreich toben sie durch die schwäbische Mundart und nehmen alles aufs Korn, was dem Durchschnittsschwaben geläufig ist. Der Zuschauer findet sich in fast jeder Nummer wieder und kann herzhaft auch über sich selbst lachen. Die Professionalität der Protagonisten zeigt sich auch in der Spontanität, dem Improvisationstalent, der Mimik, dem Gestenreichtum und dem Wortwitz, mit dem sie ihre Zuschauer immer wieder zu Lachsalven und Beifallsstürmen hinreißen.

Ob mit ihrer Power-Point-Präsentation ohne Beamer, die sie gekonnt und witzig mit Kärtchen durchziehen, oder als Sanitärinstallateur, der im Januar nie ein Klo richtet, da dieses gerade in diesem Monat am häufigsten benutzt wird – sie haben die Lacher auf ihrer Seite. Zum Opernbesuch in herrlicher Verkleidung kommen sie spät, was die Dame in Person Weggenmanns damit entschuldigt, dass sie sich noch richten musste. Zell kontert: „Warum hosch de noch it fetig gmacht?“ Das Publikum brüllt vor Lachen.

Ebenso, wenn Zell erzählt, dass er regelmäßig von anderen Autofahrern eingeparkt wird und es gar nicht lustig findet, wenn er durchs Schiebedach einsteigen muss – er möchte halt auch nicht jedes Mal mit dem Schlüssel Kratzer in den Lack machen.

Aktualität erhält der Schwank, bei dem Zell sich über seinen Nachbarn auslässt, der regelmäßig um die Mittagszeit seine Kettensäge anschmeißt und dem er dafür einen „hunderter Nagel“ ins Holz einschlägt, dass die Funken sprühen und sogar die Solaranlage abfackelt; oder, indem er erklärt, dass er dem ungeliebten Maisbauern genau in der Mitte des Ackers einen Eisenstab an den Maisstängel bindet, da in der Mitte zuletzt gemäht wird.

Beim Auftritt an der Tankstelle, an der nur noch die Dieselsäule funktioniert und wo die „Diesel-Liesel“ die Buchhaltung macht, kommt Zell vollends in Fahrt. Da erklärt sein treuer Gehilfe Ali alias Jörg Weggenmann in herrlicher verrückter Perücke, dass er kündigen wolle. Ali möchte Busfahrer bei seinem Neffen werden, aber nicht Reisebus, Schülerbus, Linienbus oder Flixbus, nein Schleuserbus will er fahren von und nach Weißrussland – Zell rastet aus, das Publikum fällt vor Lachen fast von den Stühlen.

Biberzähne für das Publikum

Beinahe drei Stunden jagt so eine Pointe die andere, nichts wird ausgelassen, sei es die Szene im „Brutto-Markt“, wo es Bananen nur außerhalb der Spargelzeit gibt, oder als sich Weggenmann als der Freund von Zells Tochter Bärbel outet. Beim Verteilen von Biberzähnen an das Publikum, dem tätowierten Strichcode für Fischstäbchen, der Alkoholfahrt des Polizeichefs oder dem Liedle, das ein Schlager hätte werden sollen – das Publikum kringelt sich vor Lachen.

Was Wunder, dass eine Zugabe auf die andere folgt und keiner, weder Zuschauer noch Darsteller, genug bekommen können. Für einen guten Zweck werden zum Schluss noch CDs – die letzten 24 Stück – gegen eine großzügige Spende abgegeben. Die „Hauptkerle“ sind echt klasse, die Dieterskircher wissen das schon und der Rest von Oberschwaben sollte sich die Beiden bei Gelegenheit nicht entgehen lassen.

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