Adventliche Klänge durchströmen Bussenkirche

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 Der Silcherchor Donau-Bussen gestaltet eine adventliche Feierstunde in der Bussenkirche.
Der Silcherchor Donau-Bussen gestaltet eine adventliche Feierstunde in der Bussenkirche. (Foto: Kurt Zieger)
Kurt Zieger

„Veni redemptor gentium – Nun komm, der Heiden Heiland“ vereinte sich in der Bussenkirche in Texten, Orgelmusik und vor allem im Gesang zu einer berührenden Feierstunde. Vom 4. bis ins 20. Jahrhundert reichte der Spannungsbogen, unter dem vor allem Peter Schmitz mit seinen Sängern dem Geheimnis des Advents nachspürte.

Ins 4. Jahrhundert weist der Hymnus „Veni redemptor gentium“ des Ambrosius von Mailand, mit dem der Silcherchor in gregorianischen Stil von der Empore der Bussenkirche herab den Advent einläutete. Der bewegte unisono-Gesang weitete sich bei Freylinghausens „Macht hoch die Tür“ zu harmonisch abgerundetem Chorklang. Ungestört konnten sich die Chorstimmen im Kirchenraum entfalten. Auch hier legte der Chorleiter Wert auf zügiges Singen, um den Schwung, der diesem Chorsatz innewohnt, voll erstrahlen zu lassen. Aufrüttelnd dagegen das Kyrie aus der Missa a cappella des Zeitgenossen Kaj Erik Gustafsson mit seinen melodisch kurzgefassten Sequenzen in steter Steigerung bis zum durchdachten Ausschwingen. Klar strukturiert als Form der Anbetung das Agnus Dei, das trotz enger Tonfolgen in ein dezent verklingendes Piano eingebunden war. Jubilierend dazwischen ein „Ehre sei Gott in der Höhe“ von Moritz Hauptmann, 100 Jahre früher entstanden. Figurale Abschnitte wurden dabei nahtlos in das Plenum der Sängerschar eingebunden.

Als bewussten Wechsel in das Singen aus dem Altarraum der Kirche wählte Schmitz wieder einen gregorianischen Hymus, ein „Ave maris stella“ aus dem 8. Jahrhundert. Dies weiterzuführen in liebgewonnene Volksweisen in ausgewogenen a-cappella-Sätzen fand spürbar den Zugang zu den Besuchern in der vollbesetzten Bussenkirche. Sowohl beim altehrwürdigen „Maria durch ein Dornwald ging“ wie auch beim beliebten „Es blüh’n drei Rosen“ in zeitgenössischen Chorsätzen berührten die Sänger durch die Verbindung von transparenten Abschnitten mit textgetreuer Umsetzung das Innere der Zuhörer. Durch die Wiedergabe im klassischen Latein wirkte das nachfolgende „Salve Regina“ von Giovanni Battista Martini aus dem 18. Jahrhundert trotz allen Fortschreitens und einzelner mit viel Feingefühl ausgeleuchteter Passagen wie aus einer anderen Welt.

Danach erklangen drei Vertonungen des Zeitgenossen Gerd Sorg mit ganz unterschiedlichen Aussagen: Voll Freude „Gottvaters Sohn wird kommen, der Tag ist nicht mehr fern“, sehr einfühlsam „Christuskind, komm zu uns“, verinnerlicht bittend „Herrgott, send uns deinen Sohn, lass deine Huld auf allen unsern Wegen“. Drei Beispiele aus der gleichen Chorwerkstatt, die jedoch die Flexibilität und Wandlungsfähigkeit der Sängerschar zeigten.

Dezent, mit Liebreiz

„Es wächst ein Brot in der Winternacht“ von Walter Rein galt als fein differenzierte Antwort auf die Frage: „Spürst du, was Gutes der Winter tat?“ Dazu passend, wunderbar dezent, voll innerem Liebreiz „O du stille Zeit“ zu einem verklingenden „Gute Nacht“.

Mit Orgelklängen ganz verschiedener Thematik fand Elisabeth Sekul ihren eigenen Weg durch die musikalische Vielfalt des Advent. In der Sprache des 20. Jahrhunderts verarbeitete Jeanne Demessieux ein „Rorate coeli“ aus den „Preludes on Gregorian Chant“, das nicht unbedingt den ungestörten Zugang zu allen Zuhörern fand. Ganz anders die Klangvielfalt der Orgel bei Mendelssohn: Im Präludium eine Fülle fließender Läufe über oftmals akkordlich bestimmter Pedalsequenzen, in der Fuge ein melodiöses Thema kunstvoll verarbeitet, von der Organistin in durchweg flüssigem Tempo überlegen in Szene gesetzt. Trotz mancher Höhenflüge wählte sie bei Leon Boellmanns „Priere a Notre Dame“ eine dezente Registrierweise, zur Meditation anregend, um dann bei Bachs berühmtem Choralvorspiel zu „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ trotz aller herrlich ausgeführter Umrankungen vor allem die Solostimme in all ihrer Klarheit voll darzustellen. Orgel und Chor vereinten sich in Händels „Tochter Zion“ zu einem musikalisch machtvollen Beschluss der Feierstunde, in den auch das Publikum bei der dritten Strophe mit einstimmen durfte.

Unter ganz verschiedenen Aspekten deutete Bussenpfarrer Alfred Menrad in mehreren Abschnitten das Geheimnis des Advent. Ein herzliches Willkommen für den Chor und die Zuhörer zu Beginn des Advents gerade in der Bussenkirche führte über meditative Gedanken zu einem Segenswunsch, denn „in der Stille liegt eine wunderbare Macht der Sammlung auf das Wesentliche“.

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