21 Jahre lang war er der Bussenpfarrer

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 Nach 21 Jahren verläßt Albert Menrad als letzter Bussenpfarrer den „Heiligen Berg Oberschwabens“.
Nach 21 Jahren verläßt Albert Menrad als letzter Bussenpfarrer den „Heiligen Berg Oberschwabens“. (Foto: Lutz)
Wolfgang Lutz

Am 11. Oktober 1998 trat Albert Menrad seinen Dienst als Bussenpfarrer in Offingen an. Nach nunmehr 21 Jahren feiert er am Sonntag, 13. Oktober, 10 Uhr, seinen letzten Gottesdienst in der St. Johanneskirche auf dem „heiligen Berg Oberschwabens“ und kehrt als Pensionär in seine frühere Pfarrei Abtsgmünd zurück. Mit ihm geht eine Ära zu Ende, denn zukünftig wird es keinen Bussenpfarrer mehr geben, vielmehr wird sich die Seelsorgeeinheit um den Pilger- und Wallfahrtsort kümmern. „Ich habe auf jeden Fall die Chance wahrgenommen, die der Bussen als heiliger Berg mir geboten hat“, so Pfarrer Albert Menrad im Rückblick auf seine Zeit in der Pfarrgemeinde Offingen.

Die Stelle als Bussenpfarrer war vor 21 Jahren ausgeschrieben und nicht zuletzt auch über seine Mutter, die aus Kanzach stammte, wurde er auf das Marienheiligtum und die Wallfahrten auf den Bussen aufmerksam. Ihm war es dann aber wichtig, alte kirchliche Traditionen und vor allem die Marienverehrung bei zu behalten. „Ich habe von Anfang an nichts abgeschafft, aber einiges neu gemacht“, so Pfarrer Menrad. So war für ihn klar, dass man mit einem Gottesdienst an Silvester ins neue Jahr geht, was dann ab dem Jahr 2000 bis heute so gehalten wird. „Ich wurde ausgelacht, als ich um 22.30 Uhr einen Gottesdienst zur Jahreswende angesetzt habe“, so Menrad.

Mit dabei damals auch Weihbischof Thomas Maria Renz. Und siehe da, die Kirche war übervoll und seither „gehört sich ein Gottesdienstbesuch zu dieser Zeit in der Bussenkirche“. Stolz ist er auch, dass auf seine Initiative hin an allen Fastensonntagen der Kreuzweg gebetet wird und dem Schutzpatron der Wallfahrtskirche, dem heiligen St. Johannes Baptist, zu Ehren am 24. Juni um 21 Uhr gedacht wird. Aber auch Mariä Himmelfahrt hat auf dem Bussen wieder Tradition mit Wallfahrtsgottesdienst und Kräuterweihe. „Dazu kommen die Christen extra auf den Bussen“, freut sich Pfarrer Menrad.

Von Hans Fischer aus Bad Saulgau wurde im Jahr 1958 das Heimkehrer-Treffen ins Leben gerufen. Auch diese Tradition wird fortgeführt, wenn auch die Teilnehmerzahl altersbedingt langsam weniger wird. Im Gegensatz zur Pfingstmontag-Wallfahrt. Seit dem Jahr 1946 war dies eine reine Männer-Wallfahrt, doch im Laufe der Zeit hat sich auch das geändert und so heißt es heute „Wallfahrt für Männer mit ihren Familien“. Dabei erinnert sich Pfarrer Albert Menrad noch gerne an die Kardinäle Kaspar und Lehmann, denen der Wallfahrtsort im Oberschwäbischen nicht unbekannt ist und die selbst schon am Pfingstmontag an der Wallfahrt teil nahmen.

Stolz auf die Maiandachten

Stolz ist Pfarrer Menrad aber vor allem auf die Maiandachten in der Bussenkirche. Neben Sonn- und Feiertagen finden auch zwei Andachten unter der Woche statt, „für Leut', dia am Sonntag koi Zeit hend“. Gerade aber diese Maiandachten ziehen Christen aus dem ganzen oberschwäbischen Raum an. Dabei werden sie immer von Chören und Vereinen musikalisch umrahmt. Vor allem aber müssen sie Marienlieder vortragen, „höchstens vier, damit die Leute auch noch gemeinsam in der Kirche singen können“, stellt der Bussenpfarrer klar. Eine Maiandacht müsse man als Christ einfach mal besucht haben. und, so der Pfarrer: „Der Volksmund sagt: Wenn man nicht mindestens einmal im Jahr auf dem Bussen gewesen ist, ist das Jahr nichts“. Auch zu einer weiteren Tradition ist die jährliche Krippenausstellung geworden. Im Jahr 2000 haben 16 Frauen und zwei Männer unter der Leitung von Sießener Ordensschwester eine Krippe für die Bussenkirche hergestellt. Das bewog Pfarrer Menrad dann, auch Krippen aus der Drittten Welt auszustellen und inzwischen sind jährlich bis zu 300 Exponate auf dem Bussen in der Adventszeit zu bestaunen.

Einen großen Teil seines Lebens hat Pfarrer Albert Menrad auf dem Bussen verbracht und er war vom tiefen Glauben, der hier durch viele Menschen gelebt wird, beeindruckt. Das werde ihm wohl fehlen. Der tiefe Glaube, die Religiösität stünden für ihn im Vordergrund. Aber auf eines sei er besonders stolz, wenn er so auf die 21 Jahre seines Wirkens zurückblicke. Er habe gekämpft, dass der Bussen still und ruhig bleibe und in seiner Mystik ins Oberland hinausstrahle. Hier solle keine Event-Berg entstehen. „Man muß dem Bussen seine Heiligkeit lassen“, so Pfarrer Menrad. In diesem Kampf habe er Unterstützung von sämtlichen Kommunen und Behörden erhalten. Das hätten sich die Wallfahrer verdient, schlicht und einfach eintauchen in eine andere, mystische Welt ohne „Buden und Stände, wie an anderen Wallfahrtsorten“, so Menrad. Und, so der mahnende Aufruf des Pfarrers: „Wenn einem Menschen nichts mehr heilig ist, wird der Mensch gefährlich“. Sein Dank- und Abschiedsgottesdienst feiert Pfarrer Albert Menrad am Sonntag, 13. Oktober, in der Bussenkirche. „Danach heißt es noch Koffer packen und dann geht's Richtung Abtsgmünd“. Diesen Ort habe er sich ausgewählt, um näher bei seinen fünf Geschwistern zu sein.

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