Unlingen ernennt Richard Mück zum Ehrenbürger

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Kurt Zieger

Vertreter der gesamten Bürgerschaft Unlingens, aber auch Weggefährten und Repräsentanten aus Kirche und Politik haben das Ende der 32-jährigen Dienstzeit von Bürgermeister Richard Mück zum Anlass genommen, ihm für allen Einsatz für die Gemeinde Unlingen zu danken. „Mück war ein Bürgermeister mit Leib und Seele“, war des öfteren zu hören.

Mit einem musikalischen Gebet eröffneten die vereinten Musikkapellen aus Unlingen, Möhringen und Uigendorf unter Bernd Buck die Feierstunde in der gut besetzten Gemeindehalle. Wolfgang Winkler als erster Stellvertreter richtete besondere Willkommensgrüße an Bürgermeister Richard Mück und seine gesamte Familie, an seine Weggefährten sowie an Vertreter von Kirche, Schule und Kommune, von der Verwaltungsgemeinschaft, von Landkreis und Bund. Winklers Dank galt den vielen Unlinger Bürgern, die gekommen waren. Dass Richard Mück im Laufe der Feierstunde auch noch erstmals Opa wurde, verlieh dem Abend einen besonderen Reiz.

„Zum Glück gibt’s Mück“

In seinem Rückblick erinnerte Winkler an den 6. Dezember 1986, als Richard Mück vor Hugo Bendel den Amtseid als Bürgermeister der Gemeinde Unlingen ablegte. Bendels Worte „Nun schlägt Ihre Stunde“ machten die Runde durch das Dorf wie die Frage vieler Bürger: „Dr nui Schultes kommt von Schechingen von der Ostalb. Wo kommt ao der her?“ Gerade 28 Jahre alt war Mück bei der Bewerbung um das Unlinger Rathaus und überzeugte bereits im ersten Wahlgang. Mehrfach wiedergewählt wandelte sich sein Leitthema „Ein Bürgermeister für alle“ in die Feststellung: „Zum Glück gibt’s Mück.“

Obwohl Rückschläge wie die missglückte Ansiedlung der Firma Bohnacker zu verkraften waren und sich die Realisierung der Ortsumfahrung beinahe endlos dahinzog und letztlich nur durch den Glauben an das Ziel aufrecht erhalten werden konnte, gelang es Mück, den Schuldenstand von damals 2000 Mark pro Kopf auf 0 Euro herabzufahren. Trotz Bau eines Bauhofs, Erneuerung der Feuerwehr, Umbau des Klosterareals, der Schaffung und Erneuerung von Baugebieten und Infrastruktur in allen Ortsteilen und anderer Großobjekte ist Unlingen heute schuldenfrei und hat sogar ein gewisses Polster in Reserve. „Sie, Herr Mück, waren Unlingens Bürgermeister mit Leib und Seele. Sie haben stets tragfähige Kompromisse gefunden, die Gemeinde geprägt, verändert und auf eine hoffnungsvolle Zukunft vorbereitet“, so Winkler. Mücks Verwurzelung im christlichen Menschenbild und tiefen Glauben sei unübersehbar und deutlich spürbar. „All dies macht Sie menschlich und sympathisch.“

Solche Charakteristiken im Erscheinunsgbild von Richard Mück fand auch Landrat Heiko Schmid. Nach dem Rückblick auf Mücks beruflichen Werdegang betonte er dessen Schaffenswillen und Schaffenskraft. „Ein Bürgermeistersessel kennt keine Farben, er ist hart, herausfordernd aber auch gestaltend.“ Mück habe sein Versprechen gelebt und verinnerlicht. So sei es für den Landkreis mit Wehmut verbunden, einen bodenständigen, sachkundigen Bürgermeister zu verlieren, der stets nach Lösungen für alle und alles sucht. Die Ortsumfahrung nach 58 Jahren Planung bis zur Verkehrsfreigabe sei ein aufreibender Kampf gewesen, aber: „Es ist Ihr Lebenswerk.“ Den Dank für Mücks kompetente Mitarbeit im Kreistag verband der Landrat mit der Feststellung: „Wir sollten uns um unsere Zukunft sorgen, denn wir verbringen den Rest unseres Lebens in ihr.“

Christliche Wertvorstellungen

In seinen Dank für die Kirchengemeinden band Pfarrer Klaus Wolfmaier die Feststellung ein: „Sie haben ein Zeichen gesetzt, indem Sie jeden Sonntag eine der Kirchen in und um Unlingen besucht haben.“ Mück vertrete als Bürgermeister christliche Wertvorstellungen, die heute nicht mehr so populär seien. Auch mit dem Angebot vieler Firmprojekte habe er einen guten Weg in die Kirchengemeinden gefunden, denn „Jugend war Ihnen wichtig.“

Nachdem Bundestagsabgeordneter Josef Rief an ein Kreiserntedankfest ums Jahr 1990 erinnerte und die Tatsache, dass er mithalf, den Bundesverkehrsminister nach Unlingen zu bringen, präzisierte Landtagsabgeordneter Thomas Dörflinger den Vornamen Richard als „der starke Herrscher.“ Als Vollblutbürgermeister sei Mück Stammesoberhaupt aller Unlinger gewesen, stets mit dem Ohr am Bürger, doch selbst das stille Lob bevorzugend. Besonderen Dank sprach Dörflinger der Familie Mück aus, die das Amt des Vaters und Ehemanns stets mitgetragen habe.

Als Vertreter der Verwaltungsgemeinschaft Riedlingen betonte Bürgermeister Werner Binder, dass mit Mück ein Urgestein die noch junge Riedlinger Runde verlasse. Neben dem Bussen habe es viele gemeinsame Berührungspunkte gegeben, denn Mücks Wirken habe stets der gesamten Raumschaft gegolten.

Für alle Unlinger Vereine dankte Martin Lohner von der Reservistenvereinigung für das stets offene Ohr gegenüber den Vereinen, das Mück bei über 800 Hauptversammlungen gezeigt habe. Ein mobiler Jägerstand soll für eines von Mücks Hobbys gedacht sein. Für die vier Ortsvorsteher bekannte Rudolf Schmickl, dass Mücks Abschied ebenfalls mit Wehmut verbunden sei. Nicht nur bei der wöchentlichen Freitagsrunde konnte man spüren, dass Mück allen Ortsteilen gleichmäßig wohlgesonnen sei: „Wir hatten 32 Jahre großes Glück, wir hatten ja Mück.“

Zwischen all den Reden gab es zu Ehren Mücks als Unlinger Premiere einen wohlgelungenen Auftritt des Kirchenchors mit der Singgruppe Akzente. Chorleiter Dr. Wolfgang Störkle stimmte neben den altirischen Segenswünschen das temperamentvolle „Siyahamba“ im Original und in deutscher Übersetzung an.

32 Jahre zum Wohl der Bürger

Als weitere gelungene Überraschung verkündete Winkler den einstimmigen Beschluss des Gemeinderats, Richard Mück in Würdigung seiner 32-jährigen verdienstvollen Tätigkeit zum Wohl der Bürgerschaft zum Ehrenbürger der Gemeinde Unlingen zu ernennen. Mit stehendem Applaus wurde dies von allen Gästen des Festakts honoriert. Eine von Bildhauer Gerold Jäggle handsignierte Skulptur der Terziarin, die Mück von seinem Dienstzimmer aus stets im Klosterhof vor Augen hatte, soll ihn an sein Wirken im Unlinger Rathaus erinnern.

„Eigentlich hatte ich eine größere Rede vorbereitet“, gestand Richard Mück zum Abschluss des Festakts; „doch nach soviel Anerkennung ist alles gesagt. 32 Jahre in Unlingen sind wie im Flug vergangen, es bleibt mir nur, Bürgern, vor allem denen im Ehrenamt, Mitarbeitern, Behörden und allen, mit denen ich zu arbeiten hatte, herzlichen, aufrichtigen Dank zu sagen. Übertragen Sie dieses Wohlwollen bitte auch an meinen Nachfolger Erwin Hölz.“

Beim sich anschließenden Stehempfang gab es vielerlei Gelegenheit zu persönlichem Dank und Abschied.

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