Sieben Stunden für einen Vorgarten

Lesedauer: 5 Min

Andreas Keck tritt unter den zwölf besten angehenden Landschaftsgärtner an.
Andreas Keck tritt unter den zwölf besten angehenden Landschaftsgärtner an. (Foto: Ingo Rack/Firma App)

Andreas Keck aus Unlingen tritt unter zwölf Teilnehmern beim Landschaftsgärtner-Cup Baden-Württemberg an. Am Donnerstag, 12. April, dem Eröffnungstag der Landesgartenschau in Lahr, treffen sich dort die besten Nachwuchsteams, um den Landesmeister zu ermitteln. Mit der Qualifikation hat der 18-Jährige, der seine Ausbildung zum Landschaftsgärtner bei der Firma Hans App GmbH, Garten- und Landschaftsbau in Unlingen, absolviert, die erste Hürde genommen. Das will was heißen, denn schließlich lernen derzeit rund 1350 junge Leute in Baden-Württemberg den Beruf des Landschaftsgärtners.

Mit 16 Jahren hat Andreas Keck seine Ausbildung bei dem Unlinger Unternehmen begonnen. Seine Chefin, Uschi App, hält große Stücke auf ihn – deshalb hat sie ihren Azubi auch für die Meisterschaft vorgeschlagen: „Dahin kommen nur die Besten. Damit man so weit kommt, muss man auch etwas können“. Am Eröffnungstag der Landesgartenschau tritt Keck gemeinsam mit seinem Teamkollegen Adrian Hummel aus Westerheim gegen die fünf besten Teams aus Baden-Württemberg an. In sieben Stunden gilt es, auf einer Fläche von zweieinhalb Mal drei Metern einen kleinen Vorgarten nach Plan zu bauen. Bei diesem spannenden und anspruchsvollen Wettbewerb zeigen die Teilnehmer, was Landschaftsgärtner beherrschen müssen. Eine Fachjury aus Betriebsinhabern und Ausbildern des Garten- und Landschaftsbaus bewertet die Wettbewerbsaufgaben nach den Regeln der Technik.

Der Plan für die Wettbewerbsaufgabe wird den Teilnehmern wenige Tage vor dem Wettbewerb zugestellt. Ein Natursteinpflaster muss verlegt werden, eine Natursteinmauer errichtet, ein kleines Holzdeck angelegt und das Ganze bepflanzt werden. „Die Aufgabe ist nicht schwierig“, befindet Uschi App. Jedenfalls nicht für einen angehenden Landschaftsgärtner. Was die Angelegenheit erschwere, seien der Stressfaktor und der Zeitdruck, unter denen gearbeitet werden muss. Außerdem findet der Wettbewerb bei der Eröffnung der Gartenschau statt – also unter den Augen vieler Zuschauer. Psychologische Unterstützung bekommt das Team von beiden Chefs der Firma App und ihren Auszubildenden. „Wir stehen voll dahinter“, versichert Uschi App. Ihr Sohn Felix hat an dem Wettbewerb auch schon teilgenommen und den zweiten Platz belegt. Derzeit hilft er Andreas Keck bei der Vorbereitung und gibt Tipps für den Wettkampf. „Wir takten sie ein“, sagt Uschi App.

Das Sieger-Team von Lahr darf als Vertreter Baden-Württembergs im September beim bundesweiten Landschaftsgärtner-Cup 2018 auf der GaLaBau-Messe in Nürnberg an den Start gehen. Das dortige Siegerteam wird Deutschland bei den Worldskills 2019, den Berufsweltmeisterschaften, in Russland vertreten.

Für Uschi App hat die Ausbildung höchste Priorität: „Im Zuge des Fachkräftemangels müssen wir ausbilden“. In ihrer Firma sind 27 Mitarbeiter und sechs Auszubildende beschäftigt. Die Firma App sei bei jeder Ausbildunhsmesse präsent, unter anderem in Riedlingen und Biberach, um Nachwuchs anzuwerben. Geboten werden beispielsweise tarifliches Gehalt, sechs überbetriebliche Kurse, Entwicklungsmöglichkeiten und der Motorsägenführerschein schon im ersten Lehrjahr. Wer für den Beruf geeignet ist, entscheidet sich in einem einwöchigen Praktikum. Handwerkliches Geschick wird abverlangt, aber auch die Bereitschaft, ganzjährig im Freien zu arbeiten – und Kreativität. „Das ist kein unanspruchsvoller Beruf“, versichert Uschi App. Und ein vielseitiger: „Da ist alles dabei, Gartengestaltung, Gartenpflege, Pools, Bachbegrünung.“

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen