Am Sonntag ist Volkstrauertag. Dann wird gefallenen Soldaten gedacht.
Am Sonntag ist Volkstrauertag. Dann wird gefallenen Soldaten gedacht. (Foto: Bernd Wüstneck)
Stefan Manger

Am kommenden Sonntag ist Volkstrauertag, an dem den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht wird. Hinter den vielen Millionen Opfern durch die Kriege und die Gewaltherrschaft stehen ebenso viele Schicksale einzelner Familien, deren Leben sich durch diese Ereignisse zum Teil dramatisch veränderte.

Eines dieser Schicksale traf die Familie Müller schmerzlich, denn ihr Sohn Julian Müller kam am 13. März 1944 durch einen Granatsplitter in der Lunge in Nowo Sergejewska in Russland ums Leben.

Der in Freiburg geborene Unteroffizier Julian Müller wurde im Gefechtsfeld in Nowo Sergejewska in Russland eingesetzt. Im Brief des Kompaniechef heißt es: „Mit einer sehr traurigen Nachricht muss ich heute als Kompaniechef Ihres Sohnes Julian zu Ihnen kommen. Ihr lieber Julian ist in treuem und selbstaufopferndem Dienst für unser Vaterland am 13. März gefallen. Da die Kompanie in schweren Kämpfen stand, kann ich Ihnen dies erst heute mitteilen.“ Der Brief wurde am 20. März geschrieben.

Weiter heißt es in dem Brief, dass die Division in der vergangenen Woche im Raume südostwärts von Kriwoi Rog eingesetzt war. Da sei der Russe westlich von der Truppe von Norden her eingebrochen und hätte sie abschneiden wollen. Sie hätten deshalb die Stellungen aufgeben und sich nach Westen durchschlagen müssen um wieder Anschluss an die allgemeine Frontlinie zu bekommen. So seien sie gerade am 13. März in Nowo Sergejewska angelangt. Der Russe habe sie fast von allen Seiten angegriffen. Der Kompaniechef lag mit der Kompanie vor dem Dorf in Stellung, wo der Instandsetzungstrupp, darunter der Sohn Julian Müller, eingesetzt war.

Die Division bereitete für die Nacht den Ausbruch aus der feindlichen Umklammerung vor. Da ein Teil der Fahrzeuge schon ausgefallen war, wollten sie die Feldküche an einen Pferdewagen anhängen. Julian, in seiner selbstlosen und hilfsbereiten Art, habe sich den ganzen Morgen damit beschäftigt, einen Anhänger für den Feldküchenwagen zu konstruieren. Obwohl der Russe immer wieder ins Dorf hineinschoss, habe Julian unermüdlich nach Dingen gesucht, die er für das Anhängen benötigte. Um 11 Uhr traf ihn dabei der Splitter einer Granate in die Lunge. Die Kameraden, die es sahen, brachten ihn sofort zum Verbandsplatz, aber die Verwundung muss zu schwer gewesen sein, so dass um 15 Uhr Julians Leben erlosch. Er wurde zusammen mit einem gefallenen Leutnant beim Verladeplatz beerdigt.

Dieses Schicksal ist eines von vielen, die es in den beiden Weltkriegen gab. Zahlreiche Familien erhielten damals solche oder ähnliche Briefe von der Front oder von Stationierungen der Soldaten. Allein in Möhringen traf dieses harte Schicksal insgesamt 112 Familien, von denen manchmal gleich mehrere Geschwister im Krieg ihr Leben verloren haben.

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