Fastenpredigt vor fast leerem Saal

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 Michael Skuppin und die Spielleute boten einen unterhaltsamen Nachmittag im „Petrus“.
Michael Skuppin und die Spielleute boten einen unterhaltsamen Nachmittag im „Petrus“. (Foto: Alexander Speiser)
Schwäbische Zeitung

Auch bei „Faschd a Predigt“ am Sonntag im „Petrus“ in Unlingen waren die Akteure und Besucher vorsichtig, haben Distanz gehalten und sich nicht die Hände gegeben. Vorsorglich wurden von den Veranstaltern auch Desinfektionsmittel bereitgehalten, Warnhinweise verteilt und die Adressen der Besucher notiert um im Falle eines Falles die Verbreitung des Virus nachvollziehen zu können. Die übliche Heiterkeit einer Fastenpredigt blieb so natürlich ein Stück weit auf der Strecke, es gab mehr ein „Business as usual“, man möchte sich seinen gewohnten Gang ja auch ungern vermiesen lassen. Michael Skuppin, Schauspieler aus Bad Saulgau und 2017 Gewinner der „Schwabenkanzel“ ging denn auch auf die aktuelle Lage ein, indem er das Horten von Klopapier einen „echten Scheiß“ nannte und dann auf das Mittelalter verwies, als man noch den kleinen Finger der linken Hand als „Mistkratzer“ benutzte.

Seine Begrüßung mit „liebe Brüder, Schwestern und Diverse“ gab einen ersten Hinweis, dass Skuppin tief in die Klamottenkiste der Wortakrobatik greift. Genial verkünstelt stellt er die Problematik „diverser“ Menschen dar, die vor die schwere Entscheidung gestellt werden, zu welcher Klotür sie reingehen sollen. Oder wenn er davon berichtet, dass er eine Dame, die mit dem Thermomix-Rezeptbuch zum Einkaufen ging, gefragt habe, was sie bei Stromausfall koche. Auch Donald Trump bekam sein Fett ab für seinen Versuch, ein Tübinger Labor zu kaufen, das wohl kurz davor steht, ein Mittel gegen das Coronavirus auf den Markt zu bringen. Trump, so Skuppin, lebe sein „America first“, aber der brauche sich sowieso nicht zu fürchten: Trump bleibt am Leben, damit ihn niemand nehmen muss. Das einzig Wahre am amtierenden amerikanischen Präsidenten sei, dass es ihn gibt. Ein Zimmermann sei immer ein Mann, mit dem Meterstab allzeit bereit, auch in Krisenzeiten wie jetzt den Abstand zu seinen Mitmenschen zu messen.

Hin- und hergerissen

Anton Munding, Zimmermann, Musiker, selbst auch Wortakrobat, Unlinger und Organisator von „Faschd a Predigt“, war die Verzweiflung über die Situation anzusehen. Er machte aber auch kein Hehl aus seiner Hin- und Hergerissenheit, ob man die Veranstaltung wohl durchführen könne. Nachdem einige Musiker schon abgesagt hatten und man mit der Ersatzband der Ersatzband spiele, sei man schon ins Zweifeln gekommen. Dankbar sei er, dass mit Anton Miehle aus Riedlingen und Walter Butscher aus Daugendorf noch ein paar erfahrene Spielleute auftraten. Die Männer, als Zimmerleute original ausstaffiert, traten nach ihren Kopfbedeckungen, sich selbst treffend als „Schlapphut, Spint und Glocke“ bezeichnend, vor das spärlich vertretene Publikum. Mit ihren den meisten geläufigen Liedern wie „so vergeht Jahr um Jahr“, „auf Du junger Wandersmann“ oder „die Gedanken sind frei“ konnten sie die Zuhörer sogar zum Mitsingen bewegen, was diesen dank der ausgelegten Liedtexte auch ganz gut gelang.

Heiterer Nachmittag

Jeweils im Wechsel zwischen Skuppin als Fastenprediger und den Spielleuten um Munding, Butscher und Miehle ging so ein heiterer Nachmittag über die Bühne. Dazwischen gab es noch passend zur Fastenzeit von Anton Mundings Frau selbst gebackenes, frisch duftendes Zopfbrot zum Verkosten. Nach der Pause legte Michael Skuppin nochmals richtig los, meinte „Gott war das Wort, ond des war schwäbisch“. Er zitierte Eva im Paradies, die zu ihrem Adam gesagt habe „mir mond fort“ und daraus leite sich wiederum auch das Adelsgeschlecht derer von Montfort ab. Schön auch seine Wortspiele vom „sauen“, das von den Sauen komme, und „mähen“, das vom „Mäh“der Schafe abgeleitet würde. Fast philosophisch stellte er die Frage ob Linkshänder „Linkschreibfehler“ machen und meinte „Eheleut send Lumpaleut, dia sich‘s Ja-Wort doch eher nakeiad wia Gebet“. Gemeinsam mit den Spielleuten und den Stimmen des Publikums so wie zu dessen Freude stimmte Skuppin auch „wia macht ma denn den Käs, wia macht ma denn den Moscht, wia machte ma denn dia Wuscht“ an und landete damit einen Volltreffer. „Wir sehen uns nach dem Virus“, meinte er launig zum Abschluss seines sehr gelungenen Auftritts, was das Publikum mit anhaltendem Applaus zustimmend quittierte.

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