Erste Komposition mit sechs Jahren

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Der Musiker Alexander Bühl aus Unlingen hat den Landesjazzpreis bekommen.
Der Musiker Alexander Bühl aus Unlingen hat den Landesjazzpreis bekommen. (Foto: Waltraud Wolf)
Schwäbische Zeitung
Waltraud Wolf

„Das Klavier stand immer offen und in jedem Zimmer lag ein Instrument“, so schildert Alexander Bühl den Beginn seines Musizierens. Er probierte alle aus. Jetzt ist er 31 Jahre alt und wurde mit dem Landesjazzpreis ausgezeichnet. Eine hohe Ehre für den jungen Mann, der in Aichstetten aufwuchs, dann mit seinen Eltern nach Unlingen zog und heute in Stuttgart lebt.

Musik spielte schon in jungen Jahren eine große Rolle in seinem Leben, schließlich ist auch Papa Uli Bühl Musiker. Dessen langjähriges Engagement in Sachen Musik im Naturtheater Hayingen führte auch seine beiden Buben dorthin. Dass der Sommer dem Naturtheater gehörte, war für die ganze Familie Normalität, erinnert sich Alexander, der früh mit von der Partie war, einmal spielte er Schlagzeug, ein anderes Mal E-Piano, hauptsächlich aber Saxofon und damit das Instrument, das er später studierte. Die ersten Saxofon-Töne brachte dem damals Neunjahrigen Herbert Pfister aus Hayingen bei, bald entwickelte sich Alexander jedoch zum Autodidakten an dem Instrument. „Stundenlang“ habe er gegen die Wand gespielt, erläutert er seine intensiven Übe-Gewohnheiten. Den ersten Klavierunterricht hatte er „sehr jung“ bei seinem Vater. Ab der fünften Klasse unterrichtete ihn Gisela O’Grady-Pfeiffer.

„Wir haben immer gespielt“, erinnert sich Alexander an seine Kindheit und Jugend und nennt diese Zeit prägend. Es gab sogar eine kleine Bühl-Dorfband mit ihm am Klavier, Bruder Johannes am Schlagzeug und dem Vater an der Gitarre. Als Komponist stellte sich Uli Bühl auf die Fähigkeiten seiner kleinen Musiker ein und, so sein Sohn Alexander, „er spielte total gut“. Bereits als Sechsjähriger sah sich dieser befähigt, ein Stück für das Hayinger Naturtheater zu komponieren und setzte sich mit seiner „Sägemusik“ für das Stück „Jetzt wird’s Tag“ und damit der Schwäbischen Schöpfung beim Papa und bei Autor und Regisseur Martin Schleker durch. Die Mama hat alles im Hintergrund organisiert. „Ohne sie hätte das nicht funktioniert“.

Am Kreisgymnasium Riedlingen, an dem er 2006 das Abitur ablegte, eröffnete ihm die Bigband unter Leitung von Josef Frede und später Gabriele Lang die Chance, sich mit seinem Instrument zu profilieren. Dass er Musik studieren würde, war für ihn schon immer klar, dass es Saxophon-Jazz sein wird, kristallisierte sich in den letzten Schuljahren heraus, als er Unterricht bei Roland Komitow und bei Professor Klaus Graf in Nürnberg nahm und mit der SWR-Bigband „zum ersten Mal eine richtig gute Bigband hörte“. Das war 2002 bei einem Opernball in Stuttgart, bei dem er mit seinem Vater Musik zu einem Theaterstück machte. Heute spielt er nicht nur immer wieder mit, sondern arrangiert und komponiert auch Stücke für sie.

Beim Arrangieren und Komponieren kommt ihm sein Klavier-Unterricht bei Gisela O’Grady-Pfeiffer zugute. „Für einen Saxofonisten spiele ich sehr gut Klavier“, stellt er fest. Bei seinen Kompositionen sieht er sich sind von den Jazz-Größen Duke Ellington, Count Basie, Bob Florence, Bob Brookmeyer und Jim McNeely beeinflusst.

Alle drei Tage ein Auftritt

„Total entspannt“ müsse er fürs Komponieren und vor allem Arrangieren sein, gesteht, wobei es manchmal einfacher sei, ein eigenes Stück zu schreiben als Arrangements. Im Schnitt jeden dritten Tag habe er 2017 einen Auftritt gehabt, weiß er von seiner Steuererklärung. Bei dem Theaterstück „Tanz auf dem Vulkan“ in Stuttgart bewältigte er allein in zwei Monaten 45 Vorstellungen und zwar an Saxofon, Klarinette, Flöte, Blockflöte und Klavier. Drei eigene Bands hat er. Mit dem 2012 gegründeten „Alex Bühl-Sextet“ spielte er jüngst eine CD mit Kompositionen von George und Ira Gershwin ein, alle von ihm arrangiert.

„The Concert Jazz Band“ ist seine zweite Formation, zudem leitet er in Stuttgart die Uni-Bigband, für die allein er schon ein rundes Dutzend Stücke komponiert hat. Er ist festes Mitglied der „Tobias Becker Bigband”, des „Gibnod Jazz Orchestras”, des „Groove Legend Orchestras” und regelmäßiger Gast beim „Sunday Night Orchestra”, der „Thilo Wolf Bigband” und dem „Jazzfactory Orchestra”. Breit aufgestellt ist er mit seinem Repertoire und hält fest, auch in 50er-Jahre-Schlager- oder Pop-Bands spiele er gerne mit. Selbst bei einem Kinderchor-Projekt mit Bachliedern war er schon mit von der Partie. Was für ihn unabdingbar ist: die Fähigkeit, sehr gut vom Blatt spielen zu können!

Außerdem unterrichtet er einen Tag pro Woche an der städtischen Musikschule in Böblingen, wobei seine Schüler hauptsächlich Erwachsene – zwischen 40 und 81 Jahre – sind, die sich der Jazz-Musik widmen wollen. Die Anstellung gibt Sicherheit, doch auch sonst kann er von der Musik leben, sagt Alexander Bühl, der sich dank des Landesjazzpreises vor Auftritts-Angeboten kaum retten kann und auch von solchen Clubs angefragt wird, die sich davor nicht rührten, als er um eine Auftritts-Möglichkeit nachsuchte. Auf seiner Wunschliste steht jetzt auch Riedlingen. Mit seinem „Alex Bühl-Sextet“ will er in seiner Schulstadt auftreten und das wird sicher gelingen.

Die Jurybewertung

„Alexander Bühl ist ein erfindungsreicher Saxofonist mit glänzender Technik und melodischem Einfallsreichtum. Er vereinigt vielfältige Einflüsse in seinem persönlichen Stil, die ihn – gepaart mit Geschmacksicherheit, dramatischem Gespür sowie einer perlenden Leichtigkeit – zu einer spannenden jungen Musikerpersönlichkeit machen“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski bei der Bekanntgabe des Landesjazz-Preisträgers. Ausgezeichnet werden können Musiker aus Baden-Württemberg, die nicht älter als 35 Jahre sind.

„Der Saxofonist und Komponist Alexander Bühl ist ein Musiker, der in vielfältigen Formationen arbeitet. In kleinen Besetzungen sowie in Big-Bands gelingt es dem Saxofonisten, durch packende Improvisationen und durch interessante, spannende Kompositionen das Publikum und die Fachwelt zu begeistern“, begründete die Jury unter Vorsitz von Prof. Bernd Konrad ihre Entscheidung. Der Preis wird im Rahmen eines Preisträgerkonzerts im Sommer verleihen.

Alexander Bühl, der – schon zu Schulzeiten – dem Landesjazzorchester und später dem Bundesjazzorchester angehörte, studierte von 2006 bis 2012 Jazz-Saxofon an der Hochschule für Musik Nürnberg bei Hubert Winter, Steffen Schorn und Klaus Graf. Sein Diplom wie auch seinen Master schloss er mit Auszeichnung ab. Im Anschluss studierte er Komposition an der Musikhochschule Stuttgart bei Rainer Tempel.

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