Biber wird schwer verletzt und muss eingeschläfert werden

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Sichtlich geschwächt ist der Biber auf einem Bauernhof aufgetaucht. Kurze Zeit später wurde er eingeschläfert.
Sichtlich geschwächt ist der Biber auf einem Bauernhof aufgetaucht. Kurze Zeit später wurde er eingeschläfert. (Foto: Thomas Warnack)
Schwäbische Zeitung

Für Aufregung hat ein Biber am Donnerstagvormittag auf dem Dettlinghof im Unlinger Teilort Dietelhofen gesorgt. Das Tier hat sich schwerverletzt vor der Hoftüre niedergelassen und konnte dort eingefangen werden. Eine Mitarbeiterin der Naturschutzbehörde im Landratsamt Biberach brachte den Biber zu einem Tierarzt, der ihn wegen seines Gesundheitszustands einschläferte.

Experte: nicht selbst einfangen

Laut Informationen der Feuerwehr sei der Biber schon früh morgens im Ort gesichtet worden, erzählt Landwirt Dr. Anton Dettling. Gegen 9.30 Uhr tauchte er dann auf Dettlings Hof auf, wo er sich erschöpft vor einem Stalltor niederließ. Der Landwirt reagierte richtig und informierte das Landratsamt. Beate Huber von der Naturschutzbehörde machte sich sofort auf den Weg und gab noch den Hinweis, eine leere Mülltonne zum Einfangen des Tiers bereitzustellen. Bei Hubers Eintreffen war das sichtlich geschwächte Tier aber schon in einen großen Karton gesperrt worden. Von riskanten Fangversuchen rät die Expertin aber grundsätzlich ab: Biber seien sehr aggressiv, wenn sie in die Enge getrieben werden und auch zu großen Sprüngen der Lage.

Bissverletzungen am Rücken

Dafür war der Biber in Dietelhofen aber schon zu geschwächt. Beate Huber stellte eine Bissverletzung am Rücken fest. Große Überlebenschancen gab sie ihm aus ihrer Erfahrung nicht. Biber seien sehr empfindlich, was Verletzungen anbelange, und erliegen dann meist recht schnell einer Infektion. Sie vermutet, dass dieses Tier Opfer eines Revierkampfs geworden ist, was recht häufig der Fall sei: „Je größer der Populationsdruck, desto eher kommt so was vor.“ Das sei eine natürliche Regulation der Bestände. Je mehr Reviere es gibt, desto mehr Kämpfe tragen die Tiere untereinander aus.

Viele Biber in der Region

Und die Biberpopulation in der Region ist hoch. Im Rahmen eines Biberprojekts wird derzeit eine Kartierung erhoben. Auf rund 300 Reviere schätzt Beate Huber das Vorkommen im Landkreis Biberach. Jedes Revier wird von einer Familie mit vier bis sechs Tieren bewohnt – und gegebenenfalls verteidigt.

Auch rund um Dietelhofen zeugt die rege Bautätigkeit des zweitgrößten Nagetiers der Erde von seiner Ausbreitung. Dr. Anton Dettling kann ihm nur Respekt zollen: „Wunderbare Barrieren“ habe er am Dobelgraben erschaffen und dabei hunderte Meter weit Material herbeigeschafft. „Im Herbst haben sie zentnerweise Mais reingezogen.“ Am Uigendorfer Weiher sei der Baumbestand mittlerweile komplett abgeholzt: „Da war eine ganze Familie sehr fleißig.“ Die Reviere am Tobelbach seien bis zur Kreisgrenze alle besetzt, weiß Beate Huber.

Für Landwirte ein Problem

Seine Bautätigkeit bringt den Biber aber auch in Konflikt mit der Landwirtschaft. Mit seinen Dämmen sorgt er für die Vernässung des Geländes, das für Landwirte dann unbrauchbar wird, ohne dass es dafür Ökopunkte gibt. Einhalt darf ihm kaum geboten werden, weil er streng geschützt ist. Barrieren dürfen nicht beseitigt werden, wenn sie stützende Funktion für die Biberburgen haben, erklärt Beate Huber. Im Rahmen der Kartierung, die im Sommer abgeschlossen sein soll, werden Ampelkategorien eingeführt. In grünen Revieren wird die Bibertätigkeit als unbedenklich eingestuft, gelbe Reviere stehen unter weiterer Beobachtung, und in roten Revieren sollen „andere Lösungen“ gefunden werden, wie der Pressesprecher des Landkreises, Bernd Schwarzendorfer, erklärt. Das müsse nicht unbedingt heißen, dass der Biber dort verschwinden soll. Die Gemeinde Uttenweiler versucht, mit einer Flurneuordnung am Tobelbach in Oberwachingen Frieden zwischen Landwirtschaft und Biber zu stiften. Die Gemeinde hat dort einige Grundstücke erworben, die wertgleich getauscht werden können, um das Ökopunkte-Konto aufzustocken.

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