Aus der „Schwäbische Seela“ gesungen

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 Michael Skuppin mit den Nachwuchssängerinnen Anna & Fiona auf der Bühne im Petrussaal zu Unlingen.
Michael Skuppin mit den Nachwuchssängerinnen Anna & Fiona auf der Bühne im Petrussaal zu Unlingen. (Foto: Anton Munding)
Schwäbische Zeitung
Anton Munding

Langsam füllt sich am Weltfrauenabend der etwas in die Jahre gekommene Festsaal des Gasthauses St. Petrus in Unlingen. Während die Gäste ihre Plätze ansteuern machen zwei junge hübsche Damen, Anna und Fiona, gefällige Hintergrundmusik. Doch Hauptakteur des Abends ist Michael Skuppin. Der Sulgemer Stadtbarde beginnt mit dem Ratschlag an die Mütter: „Mama sperr dei Mädle ei.“ In dem Schwäbisch, wie man es aus dem ehemaligen Kreis Saulgau noch kennt und spricht, singt er vom Leben und Begeben aus der Region, die man vom Bussen aus sieht.

So dreht sich das Lied „Schwäbische Seela“ sehr wohl um das landesübliche Gebäck, aber ein Ausflug in die Metaphysik ist da fein eingeflochten. Sein Faible für Wortklaubereien und Wortspiele schöpft Michael beim „Gläsle Bier“ und den „Viechereien“ in ganzer Tiefe bis zum knitzen Endvers aus.

All den Irrungen und Wirrungen der menschlichen Beziehungen und des menschlichen Schaffens gewinnt er immer noch einen lächelnden Schluss ab. So bleibt es zwar ein Rätsel wer seine erste Liebe „Schellabergs Marie“ tatsächlich war, aber Störche, die zu jener Zeit ob der zugeschütteten Gräben noch verhungerten, füttern nun vermehrt wieder Nachwuchs auf dem Dach der Stadtpfarrkirche. Längst singen die Anwesenden im Saal den Refrain der Lieder mit, und in die Geschichten die Skuppin zur Entstehung der Texte erzählt, bindet er seine Gäste unaufdringlich ein. So kreiert er im Gespräch mit einem Biberacher über das „Burramännle“ die Idee, diese Sage in die Stadtwerbung einzubauen. Zu dieser dramatischen Liebesballade begleiten Michael seine beiden Nachwuchssängerinnen. Mit ihren glockenhellen Stimmen bringen Anna und Fiona schon fast mystische Klänge ins Spiel. In der Pause lassen die beiden Mädels ihre Zuhörer sehr gefühlvoll und stimmenstark unter anderem an ihren Eigenkompositionen „inner turmoil“ und „Nostalgie“ teilhaben. Man darf gespannt sein, wann Anna und Fiona ihre eigene Tour durchs Ländle machen.

Erst seit 16 Stunden, sagt Skuppin, gibt es das Lied „Rudolf“. Hochaktuell und politisch setzt er sich mit dem Thema Abgase und Feinstaub auseinander und windet Rudolf Diesel den verdienten Lorbeerkranz. Frivol bis aberwitzig dann das Auftragslied „Swingerclub bei Sigmaringen“. Dazwischen kann Skuppin es nicht lassen, auf Hugo Breitschmids „Denneles und Henneles“-Gedicht noch eins drauf zusetzen. Er haspelt so vom Bussa, dr Blusa ond em Busa, dass das Publikum schallend lachen muss. Wieder sehr ernst und zum Nachdenken „I be a Asylantakend“, das davon handelt, dass sein Vater einst aus Schlesien flüchten musste. Auch dafür gibt es lang anhaltenden Beifall.

Langsam dem Ende des Abends entgegen besingt Michael liebevoll Schönheit und Vielfalt in „Mei oberschwäbisches Land“. Auf Wunsch der Organisatoren des Abends ertönt von allen im Saal gemeinsam noch „I wenn i Geld gnue hed“. Und auch hier kann Skuppin noch eins drauf setzen. „Am Händle heba“ ist ein wunderschönes Lied, das inständig die Situationen des Händchenhaltens besingt.

So endet dieser schwäbisch, musikalisch-literarische Abend nach mehr als drei Stunden bester Unterhaltung im Wissen, dass es „reachd schea gsei isch“. Und das ist ja so ziemlich das höchste Lob das ein Schwabe abgeben kann.

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