Abenteuer: Für ein Jahr hilft diese Abiturientin Kindern in Tansania

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Junge Frau lernt am Tisch
Pauline Rieth aus Unlingen muss in Tansania Swahili lernen. (Foto: Eva Winkhart)
Eva Winkhart

Zwei junge Frauen sind gerade dabei, ihr Leben für eine gewisse Zeit komplett umzustellen: Luisa Hansen aus Altheim geht für neun Monate nach Südafrika, Pauline Rieth aus Unlingen für ein Jahr nach Tansania. Nicht als Urlauberinnen, nicht auf Entdeckertour, nicht – nur – aus Abenteuerlust vertauschen beide ihr beschauliches, behütetes Zuhause mit dem Fremden; sie haben sich über den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ zur Arbeit in Afrika entschlossen. Mitte August geht es los für beide, unabhängig von einander.

Freundinnen sind Luisa und Pauline seit der fünften Klasse im Kreisgymnasium Riedlingen, häufig waren sie Nebensitzerinnen. Ihr Abitur haben sie eben abgelegt. Für beide stand schon lange fest, eine gewisse Zeit im Ausland zu verbringen.

In der zehnten Klasse absolvierten sie eine Ausbildung zum „Jugendauslandsberater“. Damals, erzählen sie, habe es mit dem Ausland noch nicht geklappt; unter den zahlreichen vorgestellten Programmen seien jedoch auch die von ihnen inzwischen gewählten Anbieter gewesen.

Ich wollte weg vom westlichen Standard. Pauline Rieth

Ihre ursprüngliche Überlegung, als Au Pair in die USA zu gehen nach dem Abitur, sagt Pauline Rieth, habe sie ziemlich rasch zur Seite gelegt: „Ich wollte weg vom westlichen Standard.“ Zwischen Oktober und Dezember des vergangenen Jahres habe sie sich verschiedene Organisationen angeguckt, mehrere Auswahlverfahren durchlaufen – alle unter dem Dach von „Weltwärts“.

Für die Vinzentinerinnen von Untermarchtal, die sich in Tansania engagieren, entschied sie sich schließlich. „Auch wegen der geografischen Nähe“, so Pauline Rieth, wurde der Konvent in Untermarchtal der Favorit. Als relativ klein und sehr persönlich ausgerichtet, dennoch interessant, beschreibt sie ihre Entsendeorganisation.

Und eingesetzt werde sie im Kinderheim St. Loreto in Mbinga im Südwesten Tansanias. Zur Alltagsbetreuung, auch zur Freizeitgestaltung der Fünf- bis 15-Jährigen sei sie dort. Etwa 80 Kinder, Straßenkinder und Kinder mit Körperbehinderungen, lebten im Heim.

Bereits Erfahrung mit Kindern

Durch ihre Tätigkeit als Ministrantin in Unlingen, später als Leiterin der Minis, habe sie ein bisschen Erfahrung mit Kindern, sagt Pauline Rieth; die Möglichkeiten des Programms der Betreuung einer Kindergruppe und der Arbeit in der fremden Kultur machten für sie den besonderen Reiz ihres Aufenthaltsjahres aus. Das Unbekannte locke. Sie sei selber gespannt, wie sie darauf reagiere.

Ganz alleine fühle sie sich in Mbinga bestimmt nicht; als eine von Vieren wurde Pauline im Bewerbungsverfahren für den „Weltkirchlichen Friedensdienst“ der Vinzentinerinnen ausgewählt.

Sie kennen sich inzwischen ganz gut, sind viel in Kontakt, tauschen sich aus. Am 11. August fliegen sie gemeinsam von Stuttgart über Zürich nach Daressalam. Dort hätten sie zwei Tage zur Akklimatisierung und würden von einer Ehemaligen, die ihre Situation kenne und nachfühlen könne, betreut.

Der Sprachkurs in der Nationalsprache Tansanias Swahili beginne dort. „Ich freu mich voll“, sagt Pauline Rieth, auch weil Sprachen sie sehr interessierten. Die noch gänzlich unbekannte Sprache nach und nach zu verstehen, zu sprechen: „Das macht es auch interessant!“

Landestypisches Kleidungsstück eingepackt

Ein landestypisches Kleidungsstück liegt bereits in ihrem Koffer: ein Kitenga, ein Tuch, das von den Frauen als Rock um die Hüften gebunden getragen wird. Beim Aussendungsgottesdienst vor einigen Tagen habe sie es sich ausgesucht, in Orange, mit grafischen Mustern in Schwarz und himmelblauen Inseln.

Da sie, so Pauline Rieth, neben Schwestern auf dem Gelände des Heimes leben werde, würden längere Röcke statt enger Hosen gerne gesehen. Dem Klima entspräche diese Kleidung ebenfalls eher, vermutet Pauline.

Mehrtägige Vorbereitungsseminare

Und bei der Vorbereitung auf ihren Aufenthalt in Ostafrika wurde sie im Tropeninstitut in Tübingen nicht nur einem Gesundheitscheck unterzogen, sondern auch aufgeklärt über Malariaprophylaxe, das Verwenden eines Moskitonetzes und anderen Mückenschutz. Sie verlasse sich außerdem auf die Erfahrenen vor Ort.

Ihre eigenen Sorgen sehe sie eher pragmatisch, als nichts Ungewöhnliches bei solch einer Auslandsreise, sagt Pauline Rieth. Durch die mehrtägigen Vorbereitungsseminare des BDKJ – des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend – fühle sie sich gut gerüstet.

Dort haben die Teilnehmer an den Auslandsaufenthalten neben Notfall-Telefonnummern auch Empfehlungen mitgekriegt, bei Heimweh, bei seelischen Tiefs mit anderen zu reden, sich nicht abzukapseln. Und ihre Familie, ihre Eltern und der jüngere Bruder? „Bedenken sind bestimmt irgendwo dabei, aber die Mit-Freude überwiegt“, sagt Pauline Rieth.

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