„Wir wollen Mauern abbauen“

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Die Ummendorfer Pfarrerin Andrea Luiking (Mitte) und ihr Kirchengemeinderat im Gespräch mit dem Prälaturbeauftragen für Homosexu
Die Ummendorfer Pfarrerin Andrea Luiking (Mitte) und ihr Kirchengemeinderat im Gespräch mit dem Prälaturbeauftragen für Homosexualität Matthias Hestermann (links). (Foto: Andreas Spengler)
Schwäbische Zeitung

Als eine der ersten evangelischen Kirchen im Kreis ist Ummendorf der „Initiative Regenbogen“ beigetreten. Entgegen einem Beschluss der Landeskirche fordert die Initiative die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Bei einem Gesprächsabend in Ummendorf wurden Bedenken, vor allem aber Unterstützung für den Beitritt laut.

Eine Absage in letzter Minute: „Mich hat echt der Schlag getroffen“, erzählt eine Frau mittleren Alters. Und ihre Ehefrau fügt hinzu: „Das hat sich schlimmer angefühlt als meine Krebsdiagnosen zuvor.“ So sicher hatten sie sich gefühlt, monatelang auf ihre Segnung und die kirchliche Trauung hingefiebert. Zunächst sei der Pfarrer schon mit der Zustimmung zum Traugespräch erschienen, habe dann aber kurze Zeit vor der Trauung einen Rückzieher gemacht – auf Druck des Dekans.

„Christen zweiter Klasse“

Als sie die Nachricht erhielten, hätte sie sich geschämt für ihre Sexualität, als „Christ zweiter Klasse“ gefühlt, erzählt die Frau, die mit ihrer Partnerin zum Gesprächsabend nach Ummendorf gekommen ist. „Wir sind heute sozusagen das Anschauungsmaterial“, erklärte sie. Ihren Namen wollte sie jedoch nicht in der Zeitung lesen, weil es ihr um die Sache, nicht um ihre Person gehe. Gebannt lauschten die Ummendorfer ihren Erzählungen und sahen sich dabei einmal mehr bestätigt in ihrer Entscheidung.

Der Kirchengemeinderat hat im Januar beschlossen, der landesweiten Initiative Regenbogen beizutreten. Auslöser dafür war die Herbstsynode im vergangenen Jahr, bei der sich die konservativen Kräfte durchgesetzt hatten: Zwei Stimmen hatten zur Zwei-Drittel-Mehrheit gefehlt, um ein Gesetz zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare durchzusetzen. Das Ergebnis löste auch in Ummendorf Unverständnis aus. „Damit hatten wir nicht gerechnet“, erzählt Pfarrerin Andrea Luiking. Umso „enttäuschter“ sei sie gewesen. Nach dem Beschluss habe sich der Kirchgemeinderat „aufgefordert gar genötigt gefühlt“ zu handeln.

„Wir verstehen uns als Kirchengemeinderat, der auf Menschen zugeht“, sagt Wolfgang Horstmann. „In einer Zeit, in denen Mauern hochgezogen werden, wollen wir auch mal Mauern abbauen.“ Die Kirchgemeinderäte bezeichnen die Entscheidung der Synode als „Skandal“, „absoluter Verletzung der Menschen, die als Christen leben wollen“ und einem Entschluss, den „die Kirchenbasis nicht mittragen kann“.

Beim Gesprächsabend berichtete der Biberacher Dekan Hellger Koepff von den Abstimmungen der Landessynode. Er habe sich für einen liberalen Gesetzesentwurf eingesetzt und sei „erschüttert“ gewesen von manchen Äußerungen in der Debatte. Die Gegner der Segnung für gleichgeschlechtliche Paare hätten sich auf einzelne Bibelstellen berufen. Diese halte er jedoch nicht für überzeugend.

Auch Pfarrerin Luiking warnte davor, die Bibel auszulegen, als „ob jeder Satz ein Gesetzeswerk Gottes sei“. Bei der Diskussion in Ummendorf zeigten sich die Gäste, größtenteils Mitglieder des Kirchengemeinderats, oft einig. Manche äußerten aber auch ihre anfänglichen Zweifel. Sie hätten zunächst mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare „noch gefremdelt“ oder ihnen sei es schwergefallen, sich in homosexuelle Paare „hineinzuversetzen“. Am Ende aber sei die Entscheidung einstimmig gewesen.

Das lesbische Paar in Ummendorf berichtete schließlich von ihrem persönlichen Happy End. In einer anderer Gemeinde fanden sie eine Möglichkeit, doch noch kirchlich zu heiraten. Allerdings in einem „nicht öffentlichen“ Rahmen. So könnte es auch in Ummendorf ablaufen, betont Luiking. Bislang habe es keine Anfragen gegeben. Unabhängig davon aber wolle die Kirchengemeinde ein Zeichen setzen und hofft, dass sie mit der Initiative auch im Land etwas bewegen kann.

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