Ordner sind ein wichtiges Arbeitsutensil von Josef Hutzel. Er berät Menschen bei ihrer Rentenversicherung.
Ordner sind ein wichtiges Arbeitsutensil von Josef Hutzel. Er berät Menschen bei ihrer Rentenversicherung. (Foto: Andreas Spengler)

Josef Hutzel ist ein Mittler zwischen der Bürokratie und menschlichen Schicksalen. Wenn Menschen zu ihm kommen, hört er meistens die Frage: „Wie lange muss ich noch arbeiten?“ Hutzel ist Berater der Deutschen Rentenversicherung - ehrenamtlich seit 25 Jahren. In dieser Zeit hat der Ummendorfer unzähligen Menschen geholfen auf dem Weg zu Rente. Heute weiß er, wo die Fallstricke liegen, warnt vor unseriösen Angeboten und sagt, jeder müsse sich mit seiner Rente beschäftigen, „je früher desto besser“.

Menschen, die auf der Gemeinde Eberhardzell das Gespräch mit Hutzel suchen, bringen oft einen Stapel mit Papieren mit – und reichlich Verunsicherung. . „Viele kommen nicht klar, mit dem Riesenfragebogen“, erzählt er. „Zunächst ist das natürlich eine trockene Angelegenheit und sehr bürokratisch.“ Doch Hutzel möchte helfen, verweist dann auf Gesetzeslage und erklärt, was getan werden kann. „Ich mach das gerne“, erzählt er. Als einer von 2600 ehrenamtlichen Versichertenberater in Deutschland ist er für sechs Jahre gewählt, jetzt bereits in seiner vierten Amtszeit.

Erfahrung hat Hutzel reichlich, dennoch sagt er: „Jeder Fall ist anders.“ Die meisten seiner Beratungskunden könnten es kaum mehr erwarten, in Rente zu gehen. Manchmal erlebe er aber auch den umgekehrten Fall: „Ich höre doch nicht mit 65 Jahren auf zu arbeiten“, auch dieser Satz komme ihm manchmal zu Ohren.

Bislang gelte die grundsätzliche Regel, „Rente gibt es frühestens ab 63 Jahren, und nach 45 Jahren ohne Abschläge. Langfristig aber sei die Tendenz klar: Die Menschen müssten länger arbeiten. „Man spricht ja heute schon von 70 Jahren als Renteneinstiegsalter“, sagt Hutzel. Das müsse sein, weil die Lebenserwartung weiter steige. „Ich vermute allerdings, dass es dann auch mehr Frührentner geben wird.“ Vor allem in den körperlich anstrengenden Berufen wie Maurer, Gipser, Fliesenleger werde es den Leuten schwerfallen, so lange zu arbeiten.

Das Thema Rente ist zweifelsohne wichtig, glaubt Hutzel. Selbst junge Menschen sollten sich die Frage stellen, wie viel Geld sie im Alter benötigen. Jeder müsse sich fragen, ob die gesetzliche Rente ausreiche. Weil das meist nicht der Fall ist, empfiehlt Hutzel „grundsätzlich privat etwas zu tun“, sofern am Ende vom Monat etwas übrig bleibe. Er warnt jedoch auch vor Angeboten wie zum Beispiel von Sparkassen oder Raiffeisenbanken. „Die wollen meist nur ihre Produkte verkaufen.“ Unabhängiger seien die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung, die eine kostenlose Termine anbieten und umfassend beraten und zunächst einmal den Bedarf klären können. Beratungsstellen gibt es unter anderem in Ulm oder Ravensburg.

Erfolgserlebnisse und Schicksale

Wenn Hutzel in seinen Beratungsgesprächen einmal nicht mehr weiter weiß, ruft er bei der Deutschen Rentenversicherung an. Ansonsten hilft ihm auch eine Reihe an Ordner und jährliche Fortbildungen. Kompliziert werde es zum Beispiel, wenn Menschen in verschiedenen Ländern gearbeitet haben. „Manche bekommen Rente aus vier Ländern.“ Saisonarbeitskräfte zum Beispiel.

Oft aber kann Hutzel den Menschen auch zu kleinen Erfolgserlebnissen verhelfen. In einem Fall sei ein Ehemann gestorben, die Frau hat dann Hilfe beim Schwiegersohn gesucht und der kam schließlich zu Hutzel. Am Anfang habe die Familie gar nicht gewusst, was ihr zustehe. Der Ehemann habe das Wissen über die Versicherung mit ins Grab genommen. „Wir haben dann festgestellt, dass die Rente nicht bezahlt worden war.“ Und das rund 30 Jahre lang. Der Geldsegen für die Familie war am Ende enorm. In diesen Momenten erlebe er große Dankbarkeit, erzählt Hutzel. „Manche bedanken sich überschwänglich.“ Geld oder Geschenke aber will und darf er keine annehmen. Doch manchmal werde er auch mit schweren Schicksalen konfrontiert. Wenn Menschen früh erkranken, plötzlich behindert sind und zum Beispiel Erwerbsminderungsrente beantragen müssen, „Das geht einem manchmal schon nahe.“

Menschen helfen zu können, aber motiviere ihn, weiterzumachen. Früher war Hutzel bei der Kaufmännischen Krankenkasse. Immer wieder seien auch Fragen zur Rentenversicherung gekommen, „Dann hab ich irgendwann gedacht, ich kann die Leute nicht mehr abweisen.“

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