Seniorin ärgert sich: Sie will ihre Gratis-Masken abholen - doch die sind gar nicht da

Überall in der Republik wurden die FFP-Masken nicht rechzeitig an die Apotheken geliefert. Senioren, die eine entsprechende Mask
Überall in der Republik wurden die FFP-Masken nicht rechzeitig an die Apotheken geliefert. Senioren, die eine entsprechende Maske wollten, gingen leer aus. (Foto: Stefan Jaitner)
Redakteur

Ältere Menschen sollten in den Apotheken kostenlose Masken erhalten: So war das Versprechen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Doch in der Realität hat dies eher zu Unverständnis geführt, denn vielerorts sind die Masken bis heute nicht in großen Mengen lieferbar. Mancher Bürger ärgerte sich darüber.

Brav wie ich bin, bin ich gleich hingegangen. 

Ursula Ritz

Von ihrem Schwiegersohn habe sie sich überzeugen lassen, erzählt Ursula Ritz. Der habe ihr geraten, sich eine der hochwertigen FFP2-Masken bei einer Apotheke zu besorgen. Die 71-jährige Ummendorferin wollte sich damit besser schützen und machte sich gleich am Mittwoch auf, um eine zu ergattern. „Brav, wie ich bin, bin ich gleich hingegangen.“

Doch die Enttäuschung folgte auf den Fuß: In der Apotheke in Ummendorf waren – wie vielerorts im Land – keine FFP2-Masken verfügbar. Die Lieferung war noch gar nicht angekommen, habe man ihr gesagt, erinnert sich Ritz.

Maske von Anfang an

Dass die Maske in Deutschland zunächst skeptisch gesehen wurde und es bis heute nicht mehr FFP2-Masken gibt, kann sie nicht nachvollziehen. Die vergangenen 13 Jahre hat Ritz den Winter über immer in Thailand verbracht. Dieses Jahr saß sie gar auf einer Insel fest, weil im Frühjahr kein Flug zurück nach Deutschland ging, und erlebte dort den Beginn der Corona-Krise. 

Für so ein hochentwickeltes Land wie Deutschland ist das eigentlich ein Armutszeugnis. 

Ursula Ritz

„In Thailand haben wir von Anfang an Masken getragen“, erzählt sie und fügt hinzu: „Ich bin doch nicht blöd. Wenn jeder konsequent eine Maske trägt, ist das das Einzige, was uns zurzeit wirklich hilft.“

Bei ihrer Erfahrung in der Apotheke habe sie gleich an eine „Bananenrepublik“ denken müssen. „Für so ein hoch entwickeltes Land wie Deutschland ist das eigentlich ein Armutszeugnis“, klagt sie. In der Apotheke aber wollte sie sich ihren Unmut nicht anmerken lassen. „Der arme Verkäufer tat mir fast leid.“

Mitleid mit den Kunden

Mitleid mit ihren Kunden hatte dagegen die Ummendorfer Apothekerin Martina Bokermann, Inhaberin der Waniek-Apotheke. Sie spricht gar von einer „Panne“. Von der Maskenausgabe in den Apotheken habe sie das erste Mal aus dem Radio erfahren und daraufhin so schnell wie möglich reagiert und Masken bestellt.

Doch offenbar nicht schnell genug. Denn in den vergangenen Tagen habe sie zahlreiche Kunden wieder nach Hause schicken müssen, weil keine Masken vorrätig waren. „Es kamen unheimlich viele Kunden“, erzählt sie.

Ihr Lieferant habe erklärt, dass die Masken wohl erst im Zeitraum vom 21. bis 31. Dezember geliefert werden können. Das zeige, wie auch die Lieferanten „unter Druck“ stehen. In der Apotheke seien zwar kleine Bestände vorrätig. „An dieses Kontingent darf ich aber nicht rangehen“, sagt sie. Schließlich müsse sie im Notfall auch noch Masken für den Einzelverkauf vorrätig haben.

Sie hoffe nun, dass zahlreiche weitere Masken in Kürze geliefert werden. Der Grund für den „Riesenstress“ sei wohl gewesen, dass die Meldung von den kostenlosen Masken für Senioren offenbar zu früh an die Öffentlichkeit ging. „Das Prozedere war leider unklar.“

Große Schilder vor ihrer Apotheke weisen nun darauf hin, dass aktuell keine kostenlosen FFP2-Masken vorrätig seien. Dass sie das Schild vielleicht schon vor Weihnachten abhängen kann, darauf hofft sie.

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