Pflegeleichte Gräber haben ihren Preis

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Die Bäume auf dem Ummendorfer Friedhof werden über die Jahre wachsen und große Kronen ausbilden. Die drumherum gruppierten Urnen
Die Bäume auf dem Ummendorfer Friedhof werden über die Jahre wachsen und große Kronen ausbilden. Die drumherum gruppierten Urnengräber erfordern so gut wie keine Pflege durch die Hinterbliebenen. (Foto: andreas spengler)

Dass sich die Bestattungskultur auch in ländlichen Gebieten wandelt, zeigt sich aktuell in Ummendorf: Kaum war im vergangenen Jahr ein Bericht in der Zeitung erschienen, dass auf dem Friedhof vier große Bäume für einen Urnenhain gepflanzt werden, riefen die ersten Bürger beim Rathaus an. Manche blieben so hartnäckig, sagte der Kämmerer Reinhold Besenfelder, dass inzwischen schon zwei Urnen in Rasengräbern beigesetzt wurden – bevor überhaupt die Gebühren für diese neu eingeführte Bestattungsform feststanden.

Diese hat der Gemeinderat jetzt beschlossen: Er blieb mit 2500 Euro für eine Belegungsdauer von 20 Jahren unter dem Vorschlag der Verwaltung und die Debatte illustrierte, dass Gräber mit geringem Pflegeaufwand ihren Preis haben. Die Frage ist, wer zu welchen Teilen dafür aufkommt. Der Kämmerer wollte 3000 Euro verlangen. Wer sich für den Urnenhain entscheide, wolle „bewusst ein pflegearmes Grab“, argumentierte er: „Keinerlei Pflegeaufwand für die Angehörigen, aber ein deutlich höherer Aufwand für die Gemeinde.“ Deshalb hielt er für diese Bestattungsform „eine deutlich höhere Gebühr für absolut gerechtfertigt“.

Teure Handarbeit der Gärtner

In seiner Kalkulation schlugen vor allem die geschätzten Kosten fürs regelmäßige Mähen zu Buche: Dies gehe nicht allein maschinell. Friedhofsgärtner müssten das Gras, das über die Granitplatten der Rasengräber wächst, von Hand kürzen – und zwar über 20 Jahre hinweg. „Wenn man dieses Feld nicht pflegt, sieht es schlecht aus.“ Er strich den Unterschied zwischen einem Urnenhain und einem Friedwald heraus, bei dem die Baumgräber gerade für ältere Besucher schwer zu erreichen seien.

Verglichen mit dem Urnenhain sei der Pflegeaufwand für die Gemeindeangestellten bei der Urnenwand „gleich null“. Für die Hinterbliebenen sei die Gebühr akzeptabel, da keine Kosten für Grabstein, Einfassung und Bepflanzung anfielen.

Den Räten schien die Belastung für die Angehörigen bei den Rasengräbern aber zu hoch. Rudolf Walter sagte: „Die Wahl der Bestattungsform sollte sich nicht nach dem Geldbeutel richten, sondern nach dem Wunsch des Verstorbenen.“ Karin Schraivogel rechnete vor, dass ein Urnenrasengrab fast dreimal so viel kosten würde wie eine Kammer in der Urnenwand. Deren Preis wird jetzt auf 1100 Euro für 20 Jahre erhöht, nachdem die erste Urnenwand voll belegt ist. Die Gebühr für die Urnenwand war anfangs bewusst niedrig angesetzt worden. Denn vor einigen Jahren erschien den Verantwortlichen ungewiss, wie diese seinerzeit für Ummendorf neue Bestattungsform angenommen würde. Eine solches Vorgehen in Schritten hält Besenfelder nun nicht mehr für angezeigt. Bürgermeister Klaus Bernd Reichert ergänzte, je niedriger die Gebühr, umso mehr müsse die Allgemeinheit tragen. Über alle Bestattungsformen auf beiden Friedhöfen hinweg trugen die Angehörigen zuletzt ein Drittel der Kosten; zwei Drittel der Ausgaben fürs Friedhofswesen finanziert die Gemeinde aus dem Steuertopf, hieß es auf Anfrage.

Gegen Reicherts Stimme folgte der Rat einem Antrag von Alfons Ströbele und setzte die Gebühr auf 2500 Euro fest. Nach drei Jahren soll überprüft werden, wie sich die tatsächlichen Kosten und das Defizit entwickeln. Auch wenn Besenfelder die Befürchtung zu zerstreuen suchte, mag bei dem Beschluss die Erinnerung an 2009/2010 eine Rolle gespielt haben: Damals wurde eine Erhöhung der Friedhofsgebühren beschlossen – und nach einem Proteststurm teilweise wieder zurückgenommen.

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