Meisterhafte Klaviermusik im Schloss

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 Der Pianist Ingo Dannhorn faszinierte die Zuhörer im Ummendorfer Schloss.
Der Pianist Ingo Dannhorn faszinierte die Zuhörer im Ummendorfer Schloss. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Ein Programm mit Werken von Bach/Busoni, Beethoven und Brahms hat der Pianist Ingo Dannhorn im Ummendorfer Schloss gestaltet. Eine Chaconne ist ein Tanz im Dreiertakt aus dem 17. bis 18. Jahrhundert. Die bekannteste aller Chaconnen ist diejenige für Violine solo (BWV 1004) von Johann Sebastian Bach, ein großes Virtuosenstück. Feruccio Busoni machte daraus eine romantisierende Bearbeitung, die auf virtuose Gestaltungsfähigkeiten eines spätromantischen Klaviervirtuosen zugeschnitten ist. Damit eröffnete Dannhorn.

Nach gravitätisch ruhigem Einstieg verändert italienischer Impetus das originale Klanggefüge. Busoni schuf einen Klaviersatz, der die technisch-klanglichen Möglichkeiten eines modernen Flügels ideal einsetzt. Markante Klangwirkungen mit orchestralen Harmonien, mit perlenden Läufen, mit triolenreicher Farbenpalette führen dynamisch zu wuchtigem Schluss.

Waldstein-Sonate erklingt

Die Klaviersonate op 53 „Waldstein“ ist ein dreisätziges Werk von Ludwig van Beethoven, gewidmet seinem Freund und Förderer, dem Grafen Waldstein. Beethoven skizzierte sie im Dezember 1803 während der Arbeit an der „Eroica“ und unmittelbar vor Beginn der Komposition des „Fidelio“. Die Waldstein-Sonate imaginiert ein Klavierkonzert ohne Orchester.

Den erste Satz „Allegro con brio“ spielt der Pianist eher als Presto, schießt die schnellen Figuren kraftvoll los, lässt die Motive ineinander- und auseinanderjagen. Der zweiten Satz „Adagio molto“ ist sehr kurz, kommt mit feinem lyrischen Melos verträumt daher, geht attacca in das sehr lange „Rondo, Allegretto moderato“ über. Die Eröffnungsakkorde des dritten Satzes vermitteln mit einem süßen Pianissimo einen klangintensiven Eindruck von Tagesanbruch. So wurde diese Sonate auch als „L'Aurora" (Die Morgenröte) bezeichnet. Das Pianissimo wird bald zum Fortissimo. Perlende Achtel und Glissandi führen zum temperamentvollen Schluss.

Mit 28 Jahren schrieb Brahms im September 1861 in Hamburg die 25 „Händel-Variationen“. Zusammen mit vier weiteren Variationszyklen für Klavier zu zwei Händen stellen sie ihn als Meister dieser Gattung durchaus neben Ludwig van Beethoven. Das Werk verbindet musikalisch Barock mit Romantik. Wie Bachs Goldberg-Variationen und Beethovens Diabelli-Variationen gehören Brahms’ Händel-Variationen zu den wichtigsten Variationenwerken der Klavierliteratur.

Clara Schumann gewidmet

Brahms überschrieb das erste Autograf mit „Variationen für eine liebe Freundin“ und schenkte es seiner Seelen-Geliebten Clara Schumann, der Witwe seines Freundes Robert Schumann.

Als Thema wählte Brahms die heitere Aria der Suite B-Dur aus der 1733 erschienenen zweiten Sammlung von Händels „Suites de pièces pour le clavecin“. Brahms übernahm die Aria nahezu notengetreu; sie ist trillerverziertes klassisches Barock. Die 25 Variationen haben eine Dauer von jeweils 30 bis 90 Sekunden. Sie enthalten ein Siciliano, eine Musette, einen Kanon, auch ein Menuett; am Schluss folgt eine sechsminütige Fuge.

Zuhörer sind gefordert

Für den Zuhörer war es eine intellektuelle wie ästhetische Aufgabe, musikalische Figuren des Themas zu erkennen oder wenigstens zu erahnen. Brahms dekliniert alle möglichen Tempi und gestalterischen Expressionen abwechslungsreich durch, lässt etwa einer schweren dramatischen Tonfolge übermütig hüpfende Kurzphrasen direkt folgen. Die Schlussfuge ist ungewöhnlich klangmächtig, fast ein Orchesterstück.

Als Zugaben folgte einem Satz aus einer frühen Beethoven-Sonate die Bearbeitung einer Bachschen Siciliana durch den Pianisten Wilhelm Kempff.

Ingo Dannhorn gehört sicher zu den bemerkenswertesten aktuellen Pianisten mit raffinierter viriler Anschlagskunst und intelligenter Sensibilität für gestalterische Klanglichkeit. Er war ein Glücksfall für den Kulturkreis Ummendorf und dessen Vorsitzende Christina Schomborg und natürlich vor allem für das begeisterte Publikum im Ummendorfer Schloss.

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