Jürgen Elsner betritt weiter „Neuland“

„Neuland“ nennt Jürgen Elsner seine aktuellen Werke, die er mit Lackschüttung mit Wasserlack kreiert.
„Neuland“ nennt Jürgen Elsner seine aktuellen Werke, die er mit Lackschüttung mit Wasserlack kreiert. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Unter dem Titel „Neuland“ hat der Ummendorfer Künstler Jürgen Elsner in den vergangenen Monaten weitere neue Werke geschaffen. Diese zeigt er nun in seiner privaten Galerie.

„Wer im 21. Jahrhundert Neuland betreten will, muss mitnichten ins Flugzeug steigen. Denn unsere Erde ist erschlossen, selbst in den Tiefen des Amazonas erwartet uns kein Neuland mehr, sondern wir stoßen auf gewaltige Brandrodungen“, schreibt Kunsthistorikerin Andrea Dreher aus Ravensburg über Elsners Ausstellung.

„Ich bin kein Mönch und kein Heiliger, sondern ein Mensch, der in und mit der Natur leben und den Menschen Freude schenken möchte“, sagt der Künstler über sich, der mit seinen Arbeiten bewusst immer wieder Neuland betritt. Elsner liebt die Bewegung. So nimmt es nicht wunder, dass er eine seiner neuen Werkreihen als „Schöpfung“ betitelt, um unseren Fokus auf den bildnerischen Wachstumsprozess zu legen.

Beruhend auf seiner großen Lebenserfahrung arbeitet Jürgen Elsner ganz im Vertrauen auf das Material und auf sein Tun. In der Vorbereitung seiner Lackschüttungen entscheidet er sich sehr gezielt für eine Auswahl von Farben, die er im Labor eigens mischen lässt. Seine „alten“ Vorlieben zu hellem Blau und Gelb sind immer wieder erkennbar. Die anfängliche Bildidee (Auswahl der Farben, Festlegung des Bildträgers und des Formats) erfolgt absolut strategisch. Wenn die ersten Schüttungen erfolgt sind, welche der Künstler metaphorisch als „Wolken“ bezeichnet, begeben sich Bild und Macher in einen dialogischen Prozess.

In der Nachfolge des von ihm verehrten Künstlers Antoni Tàpies will auch Jürgen Elsner mit seiner Kunst niemanden belehren, sondern uns „immer eine Tür zeigen“. Wie wichtig offene Türen und geistige Horizonte sind, wurde gerade im Verlauf der Covid-Pandemie offenbar. Trotz der gravierenden Einschränkungen mussten Sehnsüchte gestillt und Seelen gestreichelt werden.

Genau diese Gemengelage war es, die den Künstler Elsner motivierte, weiterzumachen und neue Bilder zu entwickeln, die die Betrachter auf neue Gedanken bringen und sie symbolisch in Wildblumenwiesen liegen oder über Flusstälern schweben lassen.

Immer wieder Neuland zu betreten, dazu lädt die Kunst Jürgen Elsners ein. Seine Wasserlackschüttungen holen persönliche Naturerfahrungen in Form von abstrakten Bildern in den Innenraum, und jedes Bildmotiv birgt wiederum Assoziationen an reale Außenräume in sich.

Aber nicht nur geographische Räume will der Künstler bespielen, sondern insbesondere auch emotionale und fantastische, Räume, die in Träumen münden oder in einem Haiku, einem positiven Gedanken oder einem Lied. Einzelne seiner Motive rufen durchaus Erinnerungen an die abstrakten „Eidosbilder“ Willi Baumeisters (1889-1955) wach, dessen Nachkriegszyklus „Eidos“ für Urpflanzen und Urbilder stehen sollte, um die mit dem Auge nicht zu erfassende Sehzone herauszuarbeiten, so Baumeister.

Jürgen Elsner greift diesen Gedanken Baumeisters auf, denn auch er will an die Kraft der Abstraktion appellieren und an die synästhetische Wirkung von Kunst, die nicht nur mit den Augen, sondern mit allen Sinnen erlebt werden muss.

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