Fulminanter Konzertabend mit Duo Appassionata

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 Isabel Steinbach (Violine) und Pervez Mody (Flügel) begeisterten das Publikum im Ummendorfer Schloss.
Isabel Steinbach (Violine) und Pervez Mody (Flügel) begeisterten das Publikum im Ummendorfer Schloss. (Foto: Angela Körner-Armbruster)
Angela Körner-Armbruster

Zum zweiten Mal hat das Duo Appassionata im Schloss Ummendorf gastiert. Und Isabel Steinbach (Violine) und Pervez Mody am Flügel haben mit sicherer Hand ein vielschichtiges Programm zusammen gestellt. Das Publikum durfte nicht nur den üblichen „Perlen“ lauschen, es wurde beispielsweise mit einer modernen Suite Henry Cowells überrascht.

Beide Künstler musizieren seit ihrer Kindheit auf nationalen und internationalen Bühnen und haben sich durch ihr Können einen Namen gemacht. Als Duo sind sie seit 2002 mit einer breit gefächerten Komponistenpalette unterwegs, ihre Präsenz und ihr Elan sind beeindruckend.

Der gute Kontakt zum Publikum entsteht durch die räumliche Nähe im kleinen Saal und durch die Erläuterungen der Kompositionen. Sie sind wohltuend allürenfrei und nicht belehrend, sondern freundschaftlich-locker und ohne Musikstudium verständlich. Und dann spielen Isabel Steinbach und Pervez Mody einfach. Konzentrierte Harmonie, perfekt abgestimmt und mit einer natürlichen Spielfreude, die bei Klassikkonzerten selten zu sehen ist. Isabel Steinbach und Pervez Mody verschanzen sich nicht hinter kühler Distanz und die Gäste freuen sich, wenn sich bei besonders schönen Passagen ein genießendes Lachen aufs Gesicht der Instrumentalisten schleicht.

Mitgehen darf man auch bei den häufig wechselnden Klangfarben. Béla Bártoks „Rumänische Volkstänze“ kommen wuchtig-dominant und bezirzend-kokett oder mit ausgelassenem Jubel daher. Das Capriccioso op. 29 von Camille Saint Saëns ist ein turbulent-vergnügliches Wechselbad und die Suite Henry Cowells, die Gehör und Aufmerksamkeit prüft, erscheint in wechselvoller Strahlkraft. Ein schwelgerisches Dahinsinken schenkte eine frühe Sonate von Felix Mendelssohn-Bartholdy, der Zuhörer durfte staunen, wie so viel berückende Harmonie aus der Feder eines 14-Jährigen stammen kann.

Der wuchtig-dominante Klavierauftakt ließ keinen Zweifel daran, dass Pervez Modys spielerische Dominanz auch für größere Säle ausreichen würde, doch er nahm sich in dem eigentlich für solche Konzerte zu kleinen Saal diskret zurück und so erschien meist ein ausgewogenes Klangbild.

„Niggun“ wühlt auf

Belohnt wurde das Künstlerduo durch ein verständiges Publikum. Selbstverständlich wurde der „Hummeltanz“ mit begeistertem Murmeln begrüßt, aber gerade der verhaltene Applaus nach der traurigen „Niggun“ Ernest Blochs zeigte, dass das überwiegend in Straßenkleidung erschienene Publikum sehr einfühlsam war. Niggunim haben keinen Text und können fröhlich oder als Klagegebet erklingen. Das in Ummendorf gespielte Lied passt hervorragend in die Fastenzeit. Ernest Bloch nimmt die Zuhörer mit hinein in die chassidische Tradition, in die Trauer um seine eben verstorbene Mutter. Melancholisch und tränenrührend, zornig und klagend kommt sein Schmerz daher und und wühlt so sehr auf, dass der angemessene Applaus störend erscheint.

Dieses zu Recht verhaltene Klatschen blieb jedoch eine Ausnahme. Dem Duo Appassionata wurde, Nomen est Omen, mit begeistertem Beifall für den fulminanten Abend gedankt und schnell gewährte Zugaben zeigten, dass auch die Künstler gerne im Ummendorfer Schloss waren.

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