Das hat ein Rentner auf seiner 7900 Kilometer langen Zugfahrt erlebt

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Der Ummendorfer Anton Mayer ist von Peking nach Moskau gereist, zunächst in einem Zug der chinesischen Eisenbahn, später dann mi
Der Ummendorfer Anton Mayer ist von Peking nach Moskau gereist, zunächst in einem Zug der chinesischen Eisenbahn, später dann mit der luxuriöseren transsibirischen Eisenbahn. (Foto: Fotos: Privat)

Mit knapp 80 Jahren hat sich Anton Mayer einen Traum erfüllt: Der Ummendorfer ist zu einer ungewöhnlichen Reise aufgebrochen, 7900 Kilometer mit der transsibirischen Eisenbahn von Peking bis Moskau.

Mayers Reisepläne stießen anfangs nicht überall auf Zustimmung: „Mein Arzt hat mir gesagt, er würde es nicht machen“, erzählt er. Schließlich könne im Ausland niemand die medizinische Versorgung garantieren. Mayer sollte Gefäßstützen eingesetzt bekommen. Doch er antwortete: „Wir regeln das, wenn ich von meiner Reise zurückkomme.“

 Die ärmlichen Dörfer in der dünn besiedelten Mongolei zogen ebenso vor dem Zugfenster vorbei wie ...
Die ärmlichen Dörfer in der dünn besiedelten Mongolei zogen ebenso vor dem Zugfenster vorbei wie ... (Foto: Fotos: Privat)

Seit 25 Jahren spukt Mayer die Idee im Kopf herum. Bei einer Tagung lernte der gelernte Schreiner einen Kollegen kennen, der von der legendären Zugfahrt auf der Transsibirischen Eisenbahn schwärmte. Damals habe ich gesagt: „Da fahr ich auch mal hin“, erzählt Mayer. Doch die Arbeit ließ ihm kaum Zeit für die lange Reise, zudem wurde das Geld für den Hausbau gebraucht. Die Zeit war noch nicht reif für die Umsetzung, doch der Gedanke ließ Mayer nicht los. Dann kurz vor seinem 80. Geburtstag fasste Mayer den Entschluss: „Jetzt mach ich’s solange ich noch kann.“ Seine Frau lehnte dankend ab, Mayer aber ließ sich nicht abbringen.

In 16 Tagen durch sieben Zeitzonen

Die klassische Route der transsibirischen Eisenbahn führt von Peking im Osten Chinas durch die Mongolei, am Baikalsee vorbei, durch die endlosen Wälder Sibiriens bis nach Moskau. In 16 Tagen im Zug werden sieben Zeitzonen und drei Länder durchquert. Mayer sagt: „Wenn man die Sprachen nicht spricht, ist das einfach schwierig.“ Deshalb habe er sich für die organisierte Reise für 8000 Euro mit Reiseführern entschieden. Die Strecke auf eigene Faust zu reisen, sei vielleicht etwas für junge Menschen.

Von Frankfurt aus flog der Ummendorfer zusammen mit seinem Reisefreund Max Ego aus Oberessendorf im Sommer vergangenen Jahres nach Peking und war von dort an mit dem Zug unterwegs. Viele Orte kannte Mayer bislang nur aus dem Fernsehen, auch wenn der Senior mit seiner Frau bereits mehrere Kontinente zuvor bereist hatte. „Aber wenn man dann plötzlich selbst auf dem Platz des himmlischen Friedens oder vor dem Kreml steht, ist es schon etwas anderes.“ „Gigantisch“ seien die Dimensionen, mit sechsspurigen Straßen und den Rikschafahrern, die sich durch den Verkehr schlängeln.

Plastik, Bauschutt, Stahl – alles bleibt liegen.

Anton Mayer

Als Kontrast dazu habe er dann die Weiten der Mongolei erlebt. Immer wieder hielt der Zug an und die Reisenden konnten Abstecher mit dem Bus machen. Dabei habe er auch viele Einheimische getroffen, erzählt Mayer. „Natürlich war da manches nur für die Touristen gemacht. Aber wir haben schon auch gesehen, wie die Menschen wirklich leben.“ Besonders beeindruckt habe ihn, wie viele Menschen dort als Selbstversorger leben, zum Teil mit Wasser aus den Brunnen. „Uns geht’s schon wirklich gut im Vergleich dazu.“

Keinen Moment lang habe er sich unsicher oder unwohl gefühlt, erzählt Mayer. Aufgefallen sei ihm jedoch, dass vielerorts der Umweltschutz nicht so genau genommen werde. „Das ist eine Katastrophe“, erzählt er. „Plastik, Bauschutt, Stahl – alles bleibt liegen.“

 Hochhäuser und Prunkbauten wie hier im russischen Kasan.
Hochhäuser und Prunkbauten wie hier im russischen Kasan. (Foto: Fotos: Privat)

Im Zug selbst sei es nie langweilig geworden. „Natürlich muss man auf etwas Luxus verzichten und es ist ein bisschen beengt.“ Aber immerhin gab es Dusch- und Waschräume, dazu Vollpension und Unterhaltungsprogramm. Mayers Fazit: „Die Reise kann jeder machen, der noch ein bisschen gut zu Fuß ist.“ Nach seiner Rückkehr sei der Kopf voller Eindrücke gewesen. Das habe er erst einmal verarbeiten müssen, erzählt Mayer.

Aber jetzt hat er eine neue Idee im Kopf. Der Aufenthalt in Moskau sei etwas kurz gewesen. „Da muss ich auf jeden Fall nochmal hin.“

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