Apitherapie-Fachtagung stößt auf großes Interesse

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 Hans Musch zeigt das kleine, aber kostbare Propolis.
Hans Musch zeigt das kleine, aber kostbare Propolis. (Foto: Angela Körner-Armbruster)
Angela Körner-Armbruster

Der gemeinnützige Verein Apitherapie Oberschwaben hat in Fischbach zum sechsten Mal eine Fachtagung veranstaltet. Apitherapie kommt von Apis, der Biene, und die Grundlage der Therapie ist, dass alles aus dem Bienenstock heilsam sei. Die Verwendung geht dabei weit über die Honigmilch der Großmutter hinaus. Pollen und Propolis, Bienenwachs und das kostbare Gelée Royal – sogar Bienenluft kommen zum Einsatz.

Der in Ochsenhausen lebende Imker Hans Musch hat jetzt seine Lebensgeschichte rund um die Bienen in einem Buch aufgeschrieben. In „M(ein) Weg zu den Bienen“ geht es unter anderem um Injektionen aus Bienenhonig oder um ein Gerät, mit dem sich der Heilwillige Bienenluft zuführen kann. Musch ist Vorsitzender des Vereins, der sich die Verbreitung von Bienenwissen auf die Fahne geschrieben hat.

In der Gemeindehalle ist kaum mehr ein Platz frei, viele Neugierige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind gekommen. Hannes Kreuzer aus Meckenbeuren ist einer von ihnen. „Ich bin wirklich sehr beeindruckt von den Patientenberichten“, sagt er und dass er selbst mit der Stockluft einen schnellen Erfolg gespürt habe. Neben ihm sitzt Hans-Peter Linder. Der Hobbyimker und Herr über 20 Völker nimmt bereits zum fünften Mal an der Tagung teil. Er lobt die bereichernden Gespräche und neue Ideen. „Alles hier ist bereichernd“, freut er sich und berichtet von seiner Frau, die nach einem Bienenstich keine Ischiasprobleme mehr hatte. „Bienen sind ein riesiges Potenzial“, ist er sich sicher.

Maria Nold ist eine der Mitbegründerinnen des Apitherapie-Vereins und Vorstandsmitglied. „Wir sind jedes Mal komplett ausgebucht. Wir haben interessante Waren da und ein vielfältiges Programm. Dieses Jahr informiert ein Apotheker über Bienengift in der Homöopathie und eine Heilpraktikerin zeigt Einsatzgebiete für Bienengift in der täglichen Praxis. Dazu kommen aktuelle Patientenberichte einer Hamburger Ärztin.“

Referent verunsichert Zuhörer

Passend zum aktuellen Thema „Insektensterben“ wurde ein Referent eingeladen, der konkrete Hilfen zur Rettung der Insekten geben kann. „Der Weg zum Drei-Zonen-Garten – eine Oase des Lebens!“ So nennt der bei Ansberg lebende Krankenpfleger Markus Gastl seinen Vortrag. Engagiert berichtet er von seinem „Hortus Insectorum“, dem Garten der Insekten. 2007 begann sein Projekt – inzwischen wurde er für seine herausragenden Verdienste um die Umwelt mit der „Bayerischen Staatsmedaille“ ausgezeichnet. Dazwischen liege viel Arbeit. Arbeit im Garten und Überzeugungsarbeit. Oft werde er als Verrückter belächelt, viele Rückschläge seien zu beklagen, doch inzwischen gebe es zwei Schaugärten und das anregende Hortus-Netzwerk. Sein schillernder Vortrag, der auf Leidenschaft und Wissen basiert, hat jedoch nur zu Beginn eine begeisternde Wirkung.

Die gebannt lauschenden Zuhörer werden immer unsicherer, das Lächeln erlischt allmählich. „Ich mach ja alles falsch“ oder „Dann ist doch alles sinnlos“ wird gemurmelt und die Freude am eigenen Garten schwindet. Gastl meint es gut, doch seine oft harschen Worte rütteln nicht nur auf. Sie demotivieren auch. Wenn er gegen Rosen und Hortensien und Ziergräser wettert und stattdessen von einer auf Bauschutt liegenden Magerwiese erzählt, fühlen sich viele persönlich angegriffen. Der Wille der Zuhörer, eine Sandstelle, eine Steinpyramide und einen Totholzvorrat in den Garten zu holen, ist groß. Doch Gastls verbales Wüten gegen Humus und Ziergewächse nimmt den Mut. Jeder der Anwesenden will etwas zur Rettung der Natur beitragen und Gastl selbst entwickeltes Drei-Zonen-Modell mit Puffer, Hotspot und Ertrag beeindruckt zutiefst. Nach 90 Minuten ist die Botschaft Gastls klar: „Es ist höchste Zeit, wir müssen was tun. Die Fakten sind bekannt und auf Politik und Wirtschaft brauchen wir nicht zu warten.“ Er bewirbt seine Bücher und Broschüren und beantwortet im persönlichen Gespräch spezielle Fragen. Eine durchführbare Soforthilfe, die Hortensien und daneben seine propagierten „Lebensinseln“ erlaubt, wäre jedoch motivierender gewesen. Zu hören, was im eigenen Garten alles falsch ist, bringt eher Murren als Machen. Die Gesichter der anwesenden Bienenfreunde zeigen, dass der hehre Anspruch des Referenten den mitgebrachten Willen zur Veränderung gedämpft hat. Die Lobeshymne auf das Wundertier Biene aber wurde weiter gesungen.

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