Scharfsinnige Texte und virtuoses Klavierspiel

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Anne Folger bewies ihr Können und ihren Humor beim „Tatort Taste“ im Pianohaus Ernle in Tannheim.
Anne Folger bewies ihr Können und ihren Humor beim „Tatort Taste“ im Pianohaus Ernle in Tannheim. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Anne Folger ist beim „Tatort Taste“ am Freitag in Tannheim aufgetreten und hat dabei nicht nur als Pianistin Talent bewiesen.

„Selbstläufer“ nennt Folger ihr Programm, und es läuft zum hellen Vergnügen des Publikums wie von selbst. Kleine Erzählungen, präsentiert unter anderem auf Berlinerisch und Sächsisch sorgen immer wieder für Heiterkeit, für Kichern und Lachen: „Bin ick in nem Konzert. Da jibt et eenen endlos langen Lulatsch im Raum. Wo sitzt der? Vor mir!“

Sie spricht von den drei B’s, die sie liebt, von Bach, Beethoven, Brahms, kommt dann zwangsläufig zu den Beatles, entdeckt „Verwandtschaften zwischen der genialen Musik des Barockmeisters und Musik von George Harrison, demonstriert es mit einem Arrangement von einem Bach-Präludium und dem Beatles-Song „Here Comes The Sun“.

Anne Folger liest Geschichten aus ihrer Kindheit in Weimar, ihren Zeiten im Musikinternat, bezaubert dabei mit ihrem komischen Blickwinkel. Und auch ein bisschen Werbung für den freundlichen Gastgeber darf sein: „Das Ernle-Klavier, das kommt von hier.“ Naja.

Meisterhaft kommt „Claire de Lune“ von Debussy, und eingestreut „da gibt es genug lange Pausen“ Werbemotive von Calgon oder den Sparkassen. Ihre Chansons sind voller Witz und akribischer Beobachtung des Alltäglichen. Sie singt vom „Stehrumsel“, dem unnützen Zeug, das in jeder Wohnung herumsteht, voller Hässlichkeit, wie ein Bierkrug in Form einer Damen-Stiefelette oder ein neonfarben besprühtes Stück Berliner Mauer.

Chansons und Pointen

Ihren blitzartigen Pointen hört man gebannt zu. Sie reizt ständig die Riesenbandbreite zwischen Intellektualität und simpler Umgangssprache aus, spannend!

Dann wieder große virtuose Klavierkunst, die „Rigoletto-Paraphrase“ von Franz Liszt: „Keine Angst, die ist gekürzt.“ Klar, dauert das Original doch je nach Interpret sieben bis acht Minuten. Lacher und fasziniertes Zuhören. Und sofort lästert sie über ihre damalige Klavierlehrerin. Die Deutsche Bahn passt in jedes Kabarett, und so singt sie ein bissiges Chanson über das wirre Handy- Durcheinandergequatsche unterschiedlichster Typen im ICE. Und das animierte Publikum singt brav mit. Dann ein witziger Song über eine große Kreuzfahrtlinie: „Nein, den Namen nenne ich nicht“, setzt sich und präludiert den Triumphmarsch aus Verdis „Aida.“ In ihrem Song schildert sie auf liebenswürdige Weise die Vorzüge und Nachteile auf Kreuzfahrtschiffen vom Essen bis zum Landgang.

Ein „Elise-Kosmetik-Shop“ ist ihr eingefallen, und die Damen erhalten Anweisungen zum Schminkeauftragen nach den Klängen eben dieses Beethoven-Rondos. Auch mit Mozart ging was Kosmetisches. Mit wilder Gestik und Mimik spricht die Entertainerin über ihr neues Hobby Heilkunde, findet zu Krankheiten passende Schlagertitel wie: „Über sieben Brücken musst Du gehen“, 1978 von der DDR-Rockband Karat kreiert, passt zum Zahnziehen.

Anne Folger mixt eben so verwegen wie faszinierend verschiedene Musikstile, klassische Musik mit modernen Elementen und Popkultur mit Klassik. Chopins Etude Op. 25 No. 12 ergänzt sie mit wohlklingenden Eigenkompositionen, singt dazu irgendwas Elegisches.

Und schließlich noch eine Eigenkomposition: „Der Läufer“, mit romantischem Duktus und virtuosen Anforderungen. Ihr Publikum dankte schließlich mit großem Beifall.

Am Samstag gastierten die 4 Pianeure mit Klaviermusik und allem, was Ragtime, Swing und New Orleans zu bieten haben. Vier Virtuosen waren hier am „Tatort Taste“, die ihr Handwerk in den Klavierstilen des traditionellen Jazz verstehen. Das Spektrum beginnt im klassischen Blues, geht über Swing und Ragtime bis hin zu den rollenden Bässen des Boogie-Woogie der 30er- und 40erJahre.

Am Sonntag stand dann der Auftritt des Kabarettisten Josef Brustmann auf dem Programm.

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