Nicht jeder will schnelleres Internet

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Die Gemeinde Tannheim hat sich bei den Gewerbetreibenden erkundigt, ob eine Erschließung mit Glasfaser gewünscht ist.
Die Gemeinde Tannheim hat sich bei den Gewerbetreibenden erkundigt, ob eine Erschließung mit Glasfaser gewünscht ist. (Foto: dpa)

Mit milliardenschweren Investitionen wird in Deutschland der Breitbandausbau vorangetrieben, 84 Prozent der Haushalte hatten 2017 bundesweit Zugang zu schnellem DSL mit mehr als 30 Mbit/s. Die Notwendigkeit eines Glasfaseranschlusses scheint aber nicht überall gegeben zu sein. Dies musste Tannheims Bürgermeister Thomas Wonhas feststellen. Wie er dem Gemeinderat am Montag mitteilte, wurde bei der Bedarfsumfrage im Gewerbegebiet und im Bereich der östlichen Bahnhofstraße nur vereinzelt der Wunsch nach schnellerem Internet geäußert.

Mit der zweiten Breitbandausbaustufe für den Teilort Egelsee hatte sich der Gemeinderat bereits im März beschäftigt. Nun ging es um das Gewerbegebiet und die Wohnhäuser in der östlichen Bahnhofstraße (Richtung Arlach) inklusive Oyhofer Straße und Härdtleweg. Die Gemeinde machte im August bei den Betroffenen eine Bedarfsabfrage, bei den Betrieben schaute Bürgermeister Wonhas gar persönlich vorbei und suchte das Gespräch mit den Verantwortlichen. Im Bereich der östlichen Bahnhofstraße ergab sich ein sehr geringes Interesse, nur drei von 18 Haushalten wollen hier einen Breitbandausbau.

Fünf Betriebe wollen FTTB

Die Versorgung zwischen acht und 16 Mbit/s sei hier aktuell nicht so schlecht, sagt Wonhas im SZ-Gespräch. Insofern könne er das Ergebnis nachvollziehen. Deshalb sprach sich der Gemeinderat dafür aus, diesen Bereich bis auf Weiteres nicht zu erschließen. Zumal hierfür die Bahngleise unterquert werden müssten, was nicht ganz einfach und mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Auch für Arlach sei überdies bislang kein Bedarf für den weiteren Breitbandausbau angemeldet worden, erklärt Wonhas.

Was den Tannheimer Bürgermeister aber überraschte: Auch im Gewerbegebiet scheint der Bedarf nicht viel größer zu sein. Von 17 Befragten bejahten fünf die Erschließung mit Glasfaser (FTTB), sechs sehen keine Notwendigkeit, weitere sechs blieben bis zur Sitzung am Montag eine Antwort schuldig. „Ich bin schon ein bisschen erstaunt, dass ein solches Angebot für die Zukunft nur von wenigen in Anspruch genommen wird“, sagt Wonhas. Das Gewerbegebiet wird aber trotz des verhaltenen Interesses mit der FTTB-Technik (Glasfaserkabel bis ins Gebäude) erschlossen. FTTC kommt nicht infrage, weil der Kabelverzweiger zu weit weg ist.

Ausschreibung noch dieses Jahr

Thomas Wonhas verdeutlicht nochmals, dass die Eigentümer im Gewerbegebiet – sollten sie in einigen Jahren in Sachen Glasfaseranschluss anders denken – Kosten, die jetzt die Gemeinde im öffentlichen Bereich übernimmt, selbst tragen müssen. Sollte doch noch jemand Interesse an einem Hausanschluss haben, solle er sich zeitnah melden.

Das weitere Vorgehen sieht die Vorstellung der Detailplanung durch das Ingenieurbüro AGP in der Sitzung am 24. September vor, im Herbst soll die Ausschreibung gemacht werden.

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