Mauer an der Bahnstrecke München–Lindau sperrt den Lärm ein

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 Rupert Reisinger und Berta Huber gewöhnen sich langsam an die Wand in ihrem Garten neben der Bahnlinie.
Rupert Reisinger und Berta Huber gewöhnen sich langsam an die Wand in ihrem Garten neben der Bahnlinie. (Foto: David Specht)
David Specht

Eine drei Meter hohe Wand schirmt das südwestliche Ende des Gartens von Rupert Reisinger und Berta Huber ab. Gebaut hat sie die Deutsche Bahn, um das Ehepaar und dessen Nachbarn vor dem Krach der angrenzenden Bahnlinie zu schützen. Insgesamt stellt der Konzern mehr als fünf Kilometer Lärmschutzwände im Memminger Stadtgebiet auf.

Die Arbeiten sind Teil der Elektrifizierung der Bahnstrecke München–Lindau. In Memmingen werden die Wände also entlang der Strecken nach Sontheim und Tannheim installiert. An den Schienen Richtung Bad Grönenbach und Kellmünz sind in diesem Zusammenhang keine Arbeiten vorgesehen.

Reisinger und Huber wohnen in der Unoldstraße im Südwesten der Stadt. Züge, die am Bahnhof starten, fahren zunächst eine lang gezogene Rechtskurve, die erst auf Höhe der Unoldstraße in eine Gerade mündet. „Ein bis zwei Züge fahren pro Stunde hier vorbei. Aber wegen der Kurve fahren die bei uns eh langsamer“, erklärt Huber. Lediglich die langen Güterzüge seien etwas lauter gewesen – gestört haben die das Paar jedoch nicht. „Wegen uns hätte es keine Lärmschutzwände gebraucht“, stellt Reisinger klar. Berta Huber ergänzt: „Vorher war unser Garten sehr weit und offen. Jetzt komme ich mir irgendwie eingesperrt vor.“ Schattiger sei es durch die Wand allerdings nicht geworden.

Wände mit Glasplatten

Die Wände bestehen aus großen Stahlpfosten, zwischen die Arbeiter Aluminiumplatten einsetzen. Die untersten Platten sind dunkelgrün, nach oben werden sie immer heller. In die oberste Reihe setzen Bauarbeiter Glasplatten ein, um mehr Licht in die dahinterliegenden Gärten scheinen zu lassen.

Diese transparenten Elemente seien teurer und absorbierten weniger Schall als die Aluminiumplatten, erklärt Bahnsprecher Franz Lindemair. „Deshalb ist der Einsatz von transparenten Elementen nur in geringem Umfang und an bestimmten, durch schalltechnische Berechnungen bestätigten, Örtlichkeiten möglich.“ Durch diese Berechnungen stellt man nach Lindemairs Worten sicher, dass die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Bisher gab es laut dem Sprecher überhaupt keine Lärmschutzmaßnahmen in diesem Bereich.

Wenn alle Anwohner eines Gleisabschnitts gegen die Lärmschutzwände stimmen, stellt die Bahn dort keine auf. „Ich habe überlegt, ob ich da was organisiere – aber da hätten wir nie eine Mehrheit zusammen bekommen“, ist Reisinger überzeugt. Schließlich bringe die Wand trotz allem viele Vorteile für die Bewohner. „Wenn wir das Haus irgendwann einmal verkaufen, ist das ein Preisvorteil“, glaubt auch Reisinger.

Die Wände kosten laut Lindemair zwischen 2050 Euro und 2550 Euro pro Meter – je nach Höhe und Ausführung. Für die fast fünf Kilometer lange Mauer in Memmingen summiert sich das auf mehr als zehn Millionen Euro. Fertiggestellt werden die Lärmschutzwände nun an fünf Wochenenden jeweils von Freitag bis Sonntag. Die nächste Bauphase steht vom 16. bis 18. August an. Die Abschlussarbeiten sind für das Wochenende vom 13. bis 15. September geplant.

Eine Seite wird bepflanzt

Wenn die Wände soweit stehen, lässt die Bahn die von den Gleisen abgewandten Seiten bepflanzen. Dafür haben Arbeiter eigens 20 bis 40 Zentimeter von den Wänden entfernt eine zweite Reihe Metallsäulen aufgestellt, zwischen die sie Gitter installieren, an denen die Pflanzen hochwachsen können. Die Wände direkt zu bepflanzen ist laut Lindemair nicht möglich. „Man muss dazwischen Raum zur Inspektion und zum Austauschen der Platten lassen“, erklärt er.

Diese Randgitter stehen auch im Garten von Rupert Reisinger. Bepflanzen will er sie selbst. „Ich bin ja auch der, der es jeden Tag anschauen muss“, sagt er. Das habe er so auch dem zuständigen Bauleiter mitgeteilt.

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