Derzeit brodelt es in Tannheim

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Tannheims Mühlenmeister Gerd Graf bangt um die Existenz seiner 400 Jahre alten Mühle mit dem sieben Meter großen Wasserrad durch
Tannheims Mühlenmeister Gerd Graf bangt um die Existenz seiner 400 Jahre alten Mühle mit dem sieben Meter großen Wasserrad durch (Foto: Kestin)
Schwäbische Zeitung

Die Illertalgemeinde Tannheim hat beim Landratsamt Biberach den Antrag gestellt, aus den Wolfslochquellen Grundwasser entnehmen zu dürfen. Dies sorgt in Tannheim für reichlich Diskussionsstoff, nicht zuletzt, weil der Tannheimer Müller Gerd Graf um die Existenz seiner Dinkelmühle und die seines Kollegen Dolderer fürchtet.

Von unerem Redakteur  Michael Hänssle

Seit rund 400 Jahren wird die Tannheimer Dinkelmühle, erbaut von Ochsenhauser Mönchen, durch die Wasserkraft des Mühlbachs angetrieben. Hauptantrieb sei seit alters her die Wasserkraft. Das heute noch in Betrieb befindliche Wasserrad aus Stahl hat einen Durchmesser von knapp sieben Metern und stammt aus dem Jahr 1884.

Momentan entnimmt die Gemeinde Tannheim aus den beiden Wolfslochquellen einen Liter Wasser pro Sekunde. Das entspricht einem Fünftel des Gesamtbedarfs. Die übrigen 80 Prozent kommen aus dem Opfinger Stock. Im Rahmen des neuen wasserrechtlichen Genehmigungsverfahrens, dessen Endziel ein Kooperationsvertrag oder eine Fusion mit den Nachbargemeinden Kirchdorf und Berkheim sein soll, ist nun beantragt, bis zu acht Liter in der Sekunde aus den Wolfslochquellen zu entnehmen.

Dann würde nicht mehr genug Wasser ankommen, um die Mühle zu betreiben“, sagt Gerd Graf. Mittlerweile habe er die Auftragsarbeit des Gutachters, Dipl.-Biologe Dr. Joachim Fürst, Leiter des Ringschnaiter Labors für Fluß- und Seenkunde, durchgelesen. Graf, mit dem Wasserhistoriker Dr. Lutz Dietrich Herbst Initiator der „Mühlenstraße Oberschwaben“, moniert: „Das Kulturgut Mühle wird hier auf das Gebäude reduziert. Das kann nicht sein. Ich handle nicht aus Eigennutz, sondern befürchte, dass die Existenz der hiesigen Mühlen gefährdet wird“.

Dem widersprach gestern Bürgermeister Thomas Wonhas vehement. Er habe das Verfahren bislang mmer transparent und offen betrieben, die Mühlenbesitzer auch zu den Gemeinderatssitzungen eingeladen. Im übrigen habe sich das Tannheimer Gremium ganz bewusst in Selbstbeschränkung die Entnahmeobergrenze im Normalbetrieb auf vier bis fünf Liter/Sekunde als Obergrenze beschränkt. Und dies könne auch nur bei Einstimmigkeit in der Verbandsversammlung künftig geändert werden. „In normalen Tagen kommen rund 35 Liter/Sekunde zur unteren Mühle. Damit kann doch nicht von einer Existenzgefährdung besprochen werden.“

Zu den angestrebten Baumaßnahmen gehöre neben der Quellsanierung und dem Anbringen von drei Wasserzählerschächten auch der Bau einer Ringleitung in den Teilort Egelsee statt der bisherigen Stichleitung. Von einem Zusammenschluss mit den beiden Nachbargemeinden Berkheim und Kirchdorf würde Tannheim laut Wonhas auch von der modernen, computergesteuerten Technik der beiden Nachbargemeinden profitieren, mit der sich etwa Pumpen beispielsweise über den Laptop steuern lassen. Designiert als künftiger Wassermeister ist laut Wonhas der Kirchdorfer Amtsininhaber Spieler, der durch laufende Schulungen auch mit dem neuesten Stand der Technik vertraut ist.

Die heiß diskutierte „Notfalllösung“ sei laut Thomas Wonhas nur für ein „hoffentlich nie eintretendes“ Schreckensszenario vorgesehen, etwa ein Sabotage-Akt im großen Stil oder ein großer Tanklastunfall. Sollte in diesem Fall mehr Wasser aus den Wolflochquellen entnommen werden müssen, so ist eine Entschädigung in einvernehmlicher Lösung das Ziel. „Der Gemeinderat und ich sind selbstverständlich für den Erhalt der Mühlen“, sagt Wonhas.

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