So kann jeder Einzelne etwas gegen das Insektensterben tun

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 Mit Blühpatenschaften von Klemens Weber kann jeder, auch wenn er keinen Garten hat, einen Beitrag für die Artenvielfalt leisten
Mit Blühpatenschaften von Klemens Weber kann jeder, auch wenn er keinen Garten hat, einen Beitrag für die Artenvielfalt leisten. (Foto: Luca Mader)
Luca Mader

Mit dieser Idee stellt sich ein Landwirt gegen das Insektensterben: Klemens Weber wandelte eine bis dahin rein landwirtschaftlich genutzte Fläche in Bellamont in eine Blumenwiese um. Gegen einen Geldbetrag kann jeder Bürger die Patentschaft für ein Stück dieses Mini-Biotops übernehmen und somit etwas Gutes für die Natur und die Insekten tun.

Im Zuge des „Rettet die Bienen“-Volksbegehrens in Bayern wuchs auch in Baden-Württemberg das Bewusstein für den Schutz von Insekten. Klemens Weber und seine Frau Johanna, Landwirte aus Bellamont, griffen daraufhin die Idee auf, Blumen auf einer Fläche einzusäen und eine „Blühpatenschaft“, also eine Patenschaft für ein Stück dieses Landes, anzubieten. „Wir wollen damit etwas für die Insekten tun und das Image der Landwirtschaft verbessern“, erklärt Weber.

50 Quadratmeter der einen Hektar großen Blumenwiese kosten 30 Euro für das Jahr 2019, 100 Quadratmeter kosten 50 Euro. „Das Saatgut ist sehr teuer und so eine Blumenwiese ist auch mit einigem an Arbeit verbunden“, sagt Weber und erklärt so die Kosten für eine Blühpatenschaft.

Nicht jeder hat eigenen Garten

Die Aktion orientiert sich an einem bayrischen Vorbild. Die Idee, das Gleiche in Bellamont zu machen, sei im Freundeskreis entstanden. Als Weber dann zur Tat schritt, wurde die Aktion zunächst über WhatsApp verbreitet, später wurden auch Flyer gedruckt. Die Aktion biete für Leute mit kleinem oder gar keinem Garten eine Möglichkeit, sich für den Artenschutz einzusetzen.

Damit die Blumen für Bienen und andere Insekten auch ganz sicher nützlich sind, wurde extra eine eigene Blühmischung zusammengestellt. „Die Mischung enthält nützliche und schön anzusehende Blumen“, erklärt Weber.

Gesät wurde bereits im April. Die diversen Blumenarten sorgen durch ihre verschiedenen Blühzeiten dafür, dass die Wiese von Juni bis Oktober jederzeit in voller Blüte steht. „Wir verzichten hier natürlich auf Pflanzenschutzmittel und mineralische Dünger“, sagt der Landwirt.

Mittlerweile haben ungefähr 50 Leute eine Blühpatenschaft übernommen. Davon sind ungefähr zwei Drittel aus Bellamont selbst, der Rest kommt hauptsächlich aus der Region. Allerdings gibt es sogar einen Blühpaten aus Stuttgart. Die Teilnehmer der Aktion werden regelmäßig per E-Mail, WhatsApp oder ganz klassisch per Post über den Zustand der Wiese informiert. Eine solche Patenschaft eignet sich außerdem zum Verschenken, wirbt Weber um weitere Mitstreiter.

Noch kann man in die Blühpatenschaft für dieses Jahr einsteigen. Im Übrigen wird das Projekt wohl im nächsten Jahr fortgeführt. „Wir haben viel positive Resonanz bekommen und gehen stark davon aus, dass wir das noch mal machen werden“, meint Weber.

Überraschung für die Paten

Für die jetzigen Paten mit mindestens 100 Quadratmetern gibt es gegen Ende der Blühzeit eine Überraschung im hauseigenen Backhaus. „Noch nie habe ich für etwas, das ich gesät habe, so viel Lob geerntet“, scherzt Klemens Weber und merkt an, dass sein Mais eigentlich auch recht schön sei.

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