Wie ein Uhrwerk zum Sieg

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Nicht zu schlagen: Roman Herrmann am Berg, verfolgt von Steffen Schaal.
Nicht zu schlagen: Roman Herrmann am Berg, verfolgt von Steffen Schaal. (Foto: Fotos: Bernd baur)
Schwäbische Zeitung
Bernd Baur

Im Stile eines Uhrwerks hat sich Radfahrer Roman Herrmann den Sieg beim Zwei-Stunden-Rennen des 3. Bräuhausbude-Cups in Orsenhausen erstrampelt. 130 Fahrerinnen und Fahrer gingen bei besten äußeren Bedingungen am Samstag mit dem Mountainbike auf die 5,2 Kilometer lange Rundstrecke.

2013 zur Premiere des Bräuhausbude-Cups schwangen sich 80 Fahrer in den Sattel, 2014 waren es 100. Bei der dritten Auflage heuer wollten 130 Radler bei diesem Rennen, das die Mountainbikegruppe unter dem Dach des Sportvereins Orsenhausen veranstaltet, an ihre körperliche Belastungsgrenze gehen. „Wir hatten Bedenken, dass es bei 130 Teilnehmern auf der Strecke eng wird“, deutete Rennleiter Christian Häberle eine gewisse Sorge angesichts der erfreulich großen Resonanz an. Doch nach etwas mehr als zwei Stunden war er eines Besseren belehrt, die Veranstaltung war top. „Ich bin begeistert, es ist super gelaufen“, stellte ein entspannter Häberle fest.

Kaum Zeit zur Erholung

Gegenüber den Vorjahren hatten die Organisatoren einige Änderungen vorgenommen. Die 5,2 Kilometer lange Strecke über einen kurzen Asphaltabschnitt, Feldwege und Waldwege war anspruchsvoller. Drei Single-Trail-Abschnitte waren eingebaut, längere Anstiege und kurze Abfahrten waren kräftezehrend und boten kaum Erholung, 105 Höhenmeter mussten bewältigt werden. Durch die Nutzung eines professionellen Zeiterfassungssystems konnte die Durchfahrt bei Start und Ziel streckentechnisch entschärft werden. „Die Strecke ist knochentrocken, man kann es krachen lassen“, gab Christian Häberle die Empfehlung den Fahrern Sekunden vor dem Start mit auf den Weg.

Dass beim Zwei-Stunden-Rennen von Anfang an die Post abgeht, daran hatte der Rennleiter keine Zweifel. So stark wie nie sei das Starterfeld 2015. Von Kempten hatte sich eine starke Gruppe angemeldet, die Fahrer des MSC Wiesenbach, die sich auf der Rolle warmfuhren, signalisierten Siegeswillen. Ebenso wie der 22-jährige Augsburger Vincent Günther, dessen Ziel die Weltspitze im Mountainbike-Fahren ist. Und kampflos geschlagen geben wollte sich auch Steffen Schaal nicht, der als inoffizieller Weltmeister im Zwölf-Stunden-Fahren angereist war.

Blieb noch einer, der bei der Vergabe um Platz eins ein Wörtchen mitreden wollte: Roman Herrmann aus Großschafhausen, der mit Startnummer eins als Sieger des Rennens 2013 auf die Strecke ging. „Die erste Runde war hart, die Mountainbiker sind mir technisch überlegen“, sagte er hernach. Der ehemalige Radprofi, klassischer Rennradfahrer, fährt seit 2012 gelegentlich Mountainbike-Rennen. In Orsenhausen nahm er ab der zweiten Runde das Heft in die Hand. „Ich habe gemerkt, dass ich an den Anstiegen stärker bin“, verglich er sich mit seinen härtesten Konkurrenten Steffen Schaal und Andreas Egger.

„Die sind verrückt“

Das Tempo, das dieses Trio vorlegte, nötigte manchem Teilnehmer Respekt ab. „Die sind verrückt“, formulierte es Michael Holms, der im dritten Durchgang überrundet wurde. Elf Runden (wie bei seinem Sieg 2013) schaffte Roman Herrmann heuer, „die Lebenskilometer haben letztlich den Ausschlag gegeben“, umschrieb er den Sieg der Erfahrung über die Jugend. Dennoch sei es ein hartes Stück Arbeit gewesen, sagte der 34-Jährige, der etwa ab der fünften Runde den Rhythmus eines Uhrwerks gefunden hatte. „Das ist eine Maschine. Dass Menschen so fahren können, ist unglaublich“, kommentierte ein Teilnehmer diese Leistung. Bei einem durchschnittlichen Puls von 174 hatte Roman Herrmann während des Rennens 2616 Kalorien verbraucht und ein Durchschnittstempo von 27,4 km/h gefahren („nicht schlecht auf diese Strecke“). Sein Neffe, Matthias Herrmann aus Ringschnait, komplettierte das Familienglück. In seinem ersten Mountainbike-Rennen (er fährt seit drei Monaten) wurde der 15-Jährige bei den Junioren Zweiter.

2016 können beide in Orsenhausen ihre Erfolge wiederholen. Denn nach Aussage von Christian Häberle steht einer vierten Auflage des Bräuhausbude-Cups im Moment nichts im Wege.

Mehr Bilder zum 3. Bräuhausbude-Cup im Internet unter

www.schwaebische.de/mtb-orsenhausen

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