Was der Weihnungszeller Rudi Behrendt in 90 Jahren alles erlebt hat

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 Bürgermeister Wolfgang Späth (rechts) gratuliert Rudi Behrendt zum 90. Geburtstag.
Bürgermeister Wolfgang Späth (rechts) gratuliert Rudi Behrendt zum 90. Geburtstag. (Foto: Clemens Schenk)
Clemens Schenk

Mit einem schönen Fest feierte der auch über die Gemeindegrenzen hinaus bekannte Rudi Behrendt aus Weihungszell in der vergangenen Woche seinen 90. Geburtstag. Er war der Mittelpunkt einer Geburtstagsfeier am Samstagabend zusammen mit seinen Gästen in der Sießener Gemeindehalle und dabei sehr dankbar, dass er „diesen hohen Geburtstag, obwohl etwas gesundheitlich angeschlagen, in einer relativ guten körperlichen und geistigen Verfassung noch erleben durfte“.

„Es is asoo“, zu deutsch „Es ist so“, sein allseits bekannter Ausspruch zu einer jeweils bestimmten Angelegenheit, machte auch bei der Geburtstagsfeier die Runde. In allen Huldigungen kam der Fleiß und die vielseitige und große Hilfsbereitschaft des Jubilars zur Sprache, der in seinem Leben Großartiges in vielen Bereichen für die gesamte Dorfgemeinschaft geleistet hat.

Das hat Rudi Behrendt in 90 Jahren alles erlebt
Das hat Rudi Behrendt in 90 Jahren alles erlebt (Foto: Clemens Schenk)

Unzählige Glückwünsche erreichten den Jubilar an seinem Ehrentag. Bürgermeister Wolfgang Späth und Ortsvorsteher Wolfgang Thanner überbrachten bereits an seinem Geburtstag die Glückwünsche und Geschenke der bürgerlichen Gemeinde Schwendi und wegen des hohen Alters auch von Landrat Heiko Schmid und ein persönliches Schreiben von Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Rudi Behrendt hat ein bewegtes und sehr erfülltes Leben hinter sich. So wurde er, geboren am 9. Oktober 1929 in Wormditt/Ostpreußen, zusammen mit seiner Familie im Januar 1945 kurzfristig „innerhalb eines halben Tages”, wie er sagt, aus seiner Heimat vertrieben.

„Mit dem Pferdegespann waren wir innerhalb des Flüchtlingstrecks monatelang unterwegs Richtung Danzig, bis wir, nur bepackt mit einem Rucksack, mit dem Schiff nach Dänemark übersetzten”, sagt Rudi Behrendt bei der spannenden Erzählung seines Lebens. Drei Jahre war er mit seiner Familie im Internierungslager in Dänemark eingesperrt, bevor die Familie ins Heimatlager nach Biberach beziehungsweise Hörenhausen zugeteilt wurde. Hier fand er auch Arbeit und die Liebe zu seiner Frau Elisabeth.

Das hat Rudi Behrendt in 90 Jahren alles erlebt
Das hat Rudi Behrendt in 90 Jahren alles erlebt (Foto: Clemens Schenk)

Geheiratet haben sie 1951 in Sießen im Wald, der Ehe entstammen zwei Kinder. Beruflich war er, der Wagner gelernt hatte, über 40 Jahre als Betonfacharbeiter tätig. Seine große Liebe galt auch seinen vielen Hobbys, wie dem Gesang und der Musik. So spielte er früher lange Zeit das Schlagzeug bei der legendären „Kapelle Haag“ und bei den „Lustigen Vier“, und musizierte er einige Jahre im örtlichen Musikverein. Er ist seit über fünf Jahrzehnten treuer aktiver Sänger, gehört immer zu den fleißigsten Probenbesuchern und ist seit 1997 Ehrenmitglied des Gesangvereins „Cäcilia“ in Sießen im Wald. Rudi Behrendt hat sich handwerklich und künstlerisch vielfach hervorgehoben, was bis über die Gemeindegrenzen hinweg hohe Anerkennung fand.

Alle örtlichen Vereine und die ganze Gemeinde können seiner großen künstlerischen und kreativen Unterstützung in vielen Bereichen sicher sein. Vielbewundert ist die Dekoration bei den Vereinsfesten des Gesangvereins, wie etwa beim Weinfest, unvergesslich seine Umzugswagen bei den großen Jubiläumsfesten und Kreismusikfesten der örtlichen Vereine, wie auch beim Laupheimer Heimatfest mit den originalgetreuen Nachbildungen der Sießener Wallfahrtskirche und der Weihungszeller Kapelle. Seine schön gestalteten Bildstöcke zieren den Ort – „als Dank für die gut gegangene Flucht und Vertreibung“, wie er sagt.

Engagement für die Kirche

Groß auch seine freiwillige Mitarbeit bei der früheren Kirchenrenovation der Sießener Wallfahrtskirche im Innen- und Außenbereich mit der Mitgestaltung des Kirchplatzes, des Parkplatzes und des Marienbrunnens. Seit über 50 Jahren betreute er die Weihungszeller Kapelle, er war für den gesamten Außenbereich im Sommer wie im Winter zuständig.

Auch bei deren Renovierung wirkte er aktiv mit, wie auch bei der Umsetzung und dem Neubau der Kapelle an der Weihung im Weihungszeller Ortsteil „Schnapphausen“. Zuletzt war sein handwerkliches Geschick auch bei der Innenrenovierung der Sießener Wallfahrtskirche mit Sanierung des Dachstuhles gefragt. 2016 konnte er noch mit seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau „Liesl“ die Eiserne Hochzeit feiern. Der Gesangverein „Cäcilia“ Sießen im Wald und auch der Musikverein Hörenhausen beehrten ihr treues Mitglied mit einem gesanglichen und musikalischen Ständchen bei der Geburtstagsfeier.

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