Starensemble zieht ab in den Süden

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Die Starparade auf den Dächern von Weihungszell.
Die Starparade auf den Dächern von Weihungszell. (Foto: Clemens SChenk)
Clemens Schenk

Es „herbstelet“ schon wieder ganz schön in deutschen Landen, und auch die Tierwelt rüstet sich zum Flug in den warmen Süden. Dabei konnte man in den vergangenen Tagen in der Region und ganz speziell in Weihungszell jeden Abend mit der Bildung von Starenschwärmen ein Naturschauspiel, mit dem kaum eine andere Vogelart aufwarten kann, beobachten.

Zu Hunderten, ja vielleicht Tausenden sammelten sich die Stare und saßen auf Stromleitungen und auf Dächern. Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang bildeten sich große Schwarmwolken aus vielen Staren am Himmel, bevor sie schlagartig nach unten sanken und oft auf abgeernteten Wiesen und Äckern und auch großen Baumgruppen landeten. Wenn sie am Abend an ihren Schlafplätzen einfielen, entstand immer ein ohrenbetäubender Geräuschpegel. Und auch der Kot der vielen Vögel sorgte hin und wieder für etwas Ärger.

Schon im frühen Sommer bilden sich direkt nach der ersten Brutzeit Trupps aus Jungvögeln und unverpaarten Staren. Je näher der Herbst rückt, desto größer werden die Schwärme. Im September wurde Deutschlands größter Starentrupp des Jahres beobachtet: Sagenhafte 220 000 Stare flogen über den Gotteskoogsee in Schleswig-Holstein. Die Schwarmbildung schützt Stare vor Angreifern aus der Luft. Ihre Maximalzahlen erreichen mitteleuropäische Starenschwärme im September und Oktober – kurz vor dem Abflug nach Süd- und Westeuropa. Die größten Schwärme von über einer Million Vögeln gibt es alljährlich in Rom in ihren Überwinterungsgebieten.

Ein Star orientiert sich innerhalb des Schwarms die ganze Zeit an bis zu sieben Vögeln in seiner Umgebung. Zu diesen Vögeln versucht er im Flug die immer gleiche Position einzuhalten. Die synchronen, wellenförmigen Bewegungen der fliegenden Stare wirken fast wie ein eigener, gigantischer und nimmermüder Organismus. Greifvögel als natürliche Feinde der Stare haben es so schwer, einen einzelnen Vogel innerhalb des Schwarms zu fixieren. Entscheidend zur Abwehr von Beutegreifern ist daher die synchrone Bewegung der Vögel zur Schwarmmitte.

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