Schwendier Gemeinderäte lehnen Antennenmast ab

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Baugebiet „Mittleres Feld II“ in Weihungszell
Blick aus Süden auf das Baugebiet „Mittleres Feld II“ in Weihungszell: Etwa die Höhe des Baukrans im Vordergrund soll der Antennenmast für den Amateurfunk im maximal ausgefahrenen Zustand erreichen. Auch der Standort entspricht annähernd dem des Baukrans. (Foto: bernd baur)
Bernd Baur

Nach der Mehrheit im Ortschaftsrat Sießen im Wald ist auch eine Mehrheit des Schwendier Gemeinderates bei diesem Thema nicht auf der gleichen Wellenlänge wie der Antragsteller gewesen: Die Errichtung eines Antennenmastens für den Amateurfunk in Weihungszell lehnten die Räte mehrheitlich ab. Der Bauherr, der als Hobby den Amateurfunk betreibt, will auf seinem Grundstück im Wohngebiet „Mittleres Feld“ diesen Gitterrohr-Antennenmasten bauen. Dessen Höhe beträgt nach seiner Aussage im „normalen Ruhezustand“ 8,50 Meter. Bei Funkaktivitäten kann der Mast mit einer Handkurbel ausgefahren werden – zusammen mit der fingerdünnen Antenne kommt das Gebilde dann auf eine maximale Höhe von 27 Meter.

Der Amateurfunker hat bereits einen Antennenmast auf einem anderen Grundstück

Es gibt nicht mehr viele, aber es gibt sie noch: Amateurfunker, die mit ihresgleichen rund um den Globus Kontakt aufnehmen und sich austauschen. In Schwendi übt ein solcher, von der Bundesnetzagentur lizenzierter und geprüfter Amateurfunker dieses Hobby aus. Seine Station hat er in seinem Eigenheim mitten in einem Wohngebiet. Dort, auf dem eigenen Grundstück, steht auch der 8,5 Meter hohe Mast. Seit zehn Jahren. Genehmigt vom damaligen Gemeinderat und vom Landratsamt.

„Circa fünf Mal in diesen zehn Jahren war der Mast zum Funken auf die maximale Höhe von 27 Metern ausgefahren“, erzählt der Hobbyfunker im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Weil er nun seinen Wohnsitz nach Weihungszell verlegt und dort gerade ein Haus baut, will er auch seinen existierenden Antennenmast dorthin verpflanzen. Weil dieser im ausgefahrenen Zustand höher als zehn Meter sein kann, braucht es hierzu für den neuen Standort wieder eine Baugenehmigung. Diese hat der Bauherr mit Hilfe eines Baugesuchs versucht zu erreichen.

Baurechtlich ist das Vorhaben zulässig

„In baurechtlicher Hinsicht ist dieses Vorhaben zulässig und genehmigungsfähig. Aus Sicht der Verwaltung spricht nichts dagegen“, erklärte Bürgermeister Wolfgang Späth bei der Gemeinderatssitzung am Montag. Der gültige Bebauungsplan „Mittleres Feld II“ schließe solche Bauvorhaben nicht aus. Auch nach Aussage des Kreisbauamts ist dieses Bauvorhaben genehmigungsfähig. Und doch, so Bürgermeister Späth, sei es aktuell für die Bürgervertreter schwierig, in dieser Sache eine Entscheidung zu treffen. Denn: „Das Thema ist sehr emotional behaftet“.

Späth erinnerte daran, dass in manchen Orten die Errichtung eines Mobilfunkmastens innerhalb der Ortschaft eine atmosphärische Spaltung nach sich zog. Auch in Sießen im Wald gibt es für den Mobilfunkmast an der Schule beileibe nicht nur Befürworter. „Das vorliegende Baugesuch ist aber schon etwas anderes“, zog Heribert Karrer im Vergleich eine klare Trennlinie. Dieser geplante Mast auf dem Grundstück im „Mittleren Feld“ sende nur, wenn aktiver Funkverkehr im Gange ist. Den größte Teil des Jahres, so bemerkte Bürgermeister Späth, wäre dieser Mast mit Antenne ausgeschaltet.

Einige Angrenzer des Grundstücks in Weihungszell stehen dem Projekt dennoch skeptisch gegenüber. Sie haben Einwände bei der Verwaltung vorgebracht, über die das Landratsamt letztendlich zu entscheiden hat. Eine Entscheidung zu dem Baugesuch hat auf jeden Fall vor Kurzem bereits der Ortschaftsrat Sießen im Wald getroffen. Mit fünf Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen hatte dieses Gremium sich gegen die Errichtung des Antennenmasten ausgesprochen.

Amateurfunk ist nicht gleich Mobilfunk

„Uns ist bewusst, dass die Geschichte baurechtlich in Ordnung ist“, sprach Ortsvorsteher Wolfgang Thanner in der Gemeinderatssitzung für den Ortschaftsrat. Aber das Thema Funk und Funkmast „ist bei uns in der Ortschaft sehr sensibel“. Zudem sei diese Anlage mit 27 Metern Höhe „eine Mords-Apparatur, die aus optischen und psychischen Gründen nicht in ein Baugebiet gehört“. Dort lebten junge Familien und Kinder, deshalb habe der Ortschaftsrat in diesem Fall dagegen gestimmt.

Wolfgang Thanner war es auch wichtig, die Beweggründe für das Aufstellen von Masten der beiden Kategorien zu betonen. „Hier im vorliegenden Fall beim Amateurfunker ist es reine Privatsache, Hobby. Ein Mobilfunkmast wird errichtet, weil ein Großteil der Ortschaft davon profitiert“, stellte der Ortsvorsteher den aus seiner Sicht signifikanten Unterschied heraus.

Dass der geplante Antennenmast mit einem Mobilfunkmast nichts zu tun hat, ist auch die feste Überzeugung von Christian Wölfle. „Wir dürfen nicht über die Emotionalität der Anwohner entscheiden, sondern müssen auch das Baurecht beachten. Man muss alles abwägen“, gab er vor der Abstimmung im Gemeinderat zu bedenken. Diese fiel eindeutig aus. Dem Beschlussvorschlag der Verwaltung, für die Errichtung des Antennenmastens das Einvernehmen zu erteilen, folgten außer Christian Wölfle nur Johann Niederwieser, Heribert Karrer und Bürgermeister Wolfgang Späth. Zehn Ratsmitglieder lehnten das Baugesuch ab, drei enthielten sich. Damit war es mehrheitlich abgeschmettert.

Noch einmal aufgegriffen wurde die Thematik im Rahmen der Bürgerfrageviertelstunde. Und zwar von Zuhörer Rupert Mahle. „Ich finde es gut, dass der Gemeinderat dem Votum des Ortschaftsrats von Sießen im Wald folgt. Dafür möchte ich mich bedanken“, erklärte er und verband damit die Hoffnung, „dass wir den Antennenmasten nicht bekommen“.

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