Neuer Glanz und mehr Energie

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Stephan Miller erklärt den Besuchern die Sanierungsmaßnahmen am Wasserkraftwerk. Rechts die neue Kaplanturbine mit aufgesetztem
Stephan Miller erklärt den Besuchern die Sanierungsmaßnahmen am Wasserkraftwerk. Rechts die neue Kaplanturbine mit aufgesetztem Generator. (Foto: Bernd Baur)
Bernd Baur

Das kleine markante Gebäude am Rotfluss aus dem Jahre 1917 ist selber ein Baudenkmal, die Technik im Inneren zur Stromgewinnung ist jetzt nach der Erneuerung hoch modern und effizient: Das Wasserkraftwerk in Weitenbühl hatte am Sonntag, dem bundesweiten Aktionstag Tag des offenen Denkmals, seine Türen zur Besichtigung geöffnet. Über 200 Besucher folgten der Einladung. „Das ist ein voller Erfolg“, freute sich Stephan Miller, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Gebrüder Miller GmbH und Co. KG (GMS). Der Elektrizitätsversorger mit Sitz in Schwendi hat für die Sanierung des Kraftwerkshauses und die Erneuerung der Technik eine halbe Million Euro investiert.

Stromerzeugung seit 1917

„Wasserkraft, eine der natürlichsten Energiequellen die es gibt, hat offensichtlich einen hohen Stellenwert“, bewertete Stephan Miller das doch gesteigerte Interesse an der runderneuerten Wasserkraftanlage bei Weitenbühl. Seit über 100 Jahren wird dort Strom produziert. Am 10. Mai 1916 hatten die GMS ein Gesuch zur Verleihung eines Wassernutzungsrechtes und zur Genehmigung einer Wasserbenutzungsanlage eingereicht. Diesem Gesuch wurde damals stattgegeben, schon 1917 lieferte dann eine Francis-Turbine von Voith (60 Kilowatt-Leistung) und ein Generator den ersten Strom. Bis zum Jahre 2016. Hier hatten sich die GMS entschlossen, das Wasserkraftwerk auf Vordermann zu bringen. Welche baulichen und technischen Neuerungen dabei umgesetzt wurden, erklärte Stephan Miller bei seinem Vortrag am Sonntag auch anhand von Bildern. Das Kraftwerksgebäude war vollständig entkernt worden, bis auf die Flusssohle. Weil massive Unterspülungen an der Stützwand und unter dem Gebäude festgestellt wurden, waren erhebliche Betonsanierungsarbeiten erforderlich. Die konnten nur im „trockenen Zustand“ erledigt werden, der Rotfluss wurde hierzu zirka drei Monate in einem künstlichen Flussbett um das Kraftwerksgebäude herum geleitet.

Wurde dieses Gebäude grundlegend saniert, so kam bei der Turbine nur ein Austausch infrage. Eingebaut wurde eine neue fünf Tonnen schwere doppelt-regulierte Kaplanturbine der Firma WATEC-Hydro GmbH aus Heimertingen bei Memmingen. Mit Hilfe einer Vertikalwelle wird die Kraft der Kaplanturbine auf den Generator übertragen, der direkt oberhalb auf der Turbine sitzt. Durch verstellbare Leit- und Laufradschaufeln kann die Turbine perfekt der Wassermenge angepaßt werden. Und so ein optimaler Wirkungsgrad erzielt werden. „Jetzt können wir etwa 500 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen“, informierte Stephan Miller. Damit wird der Jahresbedarf an Strom von ungefähr 170 Haushalten gedeckt. Allerdings dürfte die erzielte Strommenge in diesem Jahr geringer ausfallen. Durch die lange Trockenheit führt die Rot weniger Wasser, die Turbine bringt nicht die volle Leistung. Im Moment fließen etwa 1200 Liter Wasser pro Sekunde auf das Laufrad der Turbine, ausgelegt ist sie für einen maximalen Nenndurchfluss von 2380 Sekundenliter Wasser.

Dass die Wasserkraft eine umweltschonende Art der Energiegewinnung mit kaum Flächenverbrauch ist, ließ Stephan Miller nicht unerwähnt. Um die im Kraftwerk Weitenbühl erzeugte Menge an Strom zu ersetzen, müsste beispielsweise ein 1,2 Hektar großer Solarpark errichtet werden. Oder Biogas von einer Maisanbau-Fläche von 28 Hektar und dem Mist und der Gülle von 465 Milchkühen erzeugt werden. Leider, so bedauert Stephan Miller, „gibt es für Strom aus kleinen Biogas-, Solar- und Windanlagen erhöhte Vergütungen, bei Wasserkraftanlagen dagegen nicht“.

Die GMS mit ihrer über 100-jährigen Firmengeschichte treten heute als Stromnetzbetreiber und als Stromlieferant in Erscheinung. In den Ortschaften Schönebürg, Dietenbronn, Gutenzell-Hürbel, Edelbeuren und Erlenmoos werden die elektrischen Versorgungsnetze mit einer Leitungslänge von gesamt 173 Kilometer von den GMS betrieben. In diesen Gemeinden regeln die GMS auch den Stromvertrieb.

Ein Teil der an die Endkunden dort abgegebenen Energie wird in zwei GMS-Wasserkraftanlagen (Weitenbühl und in Schwendi bei der ehemaligen Schloßmühle am Rotkanal) erzeugt. Der vertriebene Strom stammt aber unter anderem auch von kundenseitigen Einspeisungen ins Netz. Etwa aus 420 Photovoltaikanlagen, sechs Biogasanlagen, fünf weiteren Wasserkraftanlagen und sechs Anlagen zur Kraftwärmekopplung. Ab nächstem Jahr wollen die GMS Strom auch an Kunden außerhalb des jetzigen Versorgungsgebietes liefern.

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