Max Miller hängt die Pferdehalfter an die Wand

Max Miller auf dem Bock seiner Kutsche. Nicht nur bei sportlichen Fahrturnieren, sondern auch bei besonderen Anlässen – hier die
Max Miller auf dem Bock seiner Kutsche. Nicht nur bei sportlichen Fahrturnieren, sondern auch bei besonderen Anlässen – hier die Verabschiedung von Alt-Bürgermeister Günther Karremann im Jahr 2019 – spannte der Schönebürger öfters seine Pferde ein. (Foto: Bernd Baur)
Schwäbische Zeitung

Der Umgang mit Pferden war für Max Miller aus Schönebürg seit Kindheitstagen nichts Ungewöhnliches. Seine Eltern hatten ein Arbeitspferd, um die kleine Landwirtschaft zu betreiben. Später kaufte er selber Pferde und entdeckte für sich den Fahrsport mit den Vierbeinern. Viele Siege und Platzierungen gelangen ihm, bis hinauf in die Klasse S trat er bei Fahrturnieren an. 25 Jahre aktiven Turnierfahrsport übte Max Miller aus, jetzt ist Schluss damit. Der 74-Jährige hat sein Hobby aufgegeben. Nicht ganz freiwillig, wie er im Gespräch mit Bernd Baur anmerkt.

SZ: Herr Miller, wann hat sich bei Ihnen die Liebe zu den Pferden entwickelt?

Miller: Vor 50 Jahren habe ich mein erstes Pferd gekauft, eine Stute. Es dauerte aber nicht lange, dann habe ich den Pferdebestand aufgestockt. Vier Rappen waren dann in meinem Stall in Schönebürg.

SZ: Wurden diese Pferde geritten?

Miller: Ja. Beim Blutritt in Weingarten beispielsweise war ich 40 Mal dabei. Aber auch bei anderen Ausritten und Fuchsjagden wurden die Pferde gesattelt.

SZ: Und irgendwann entflammte die Begeisterung für den Fahrsport?

Miller: So ist es. Fasziniert hat mich dieser schon immer. Ich habe mir eine Kutsche gekauft und meine zwei „Wanninger“-Nachkommen „Waldprinz“ und „Wannigo“, die ich als Fohlen erworben habe, für den Fahrsport ausgebildet. Viele Jahre habe ich sie im Fahrsport angespannt, auch mein Ersatzpferd „Dream in Black“ kam zum Einsatz.

SZ: Die Teilnahme an Fahrsport-Turnieren gehörte für Sie also zum festen Bestandteil ihres Hobbys?

Miller: Das ist richtig. In den letzten 25 Jahren habe ich viele Turniere besucht. Im Umkreis von 250 Kilometer. Generell gibt es im Fahrsport weniger Turnierangebote als im Reitsport, weil dieser aufwendiger ist, auch für die Veranstalter. Ich war teilweise mit drei Pferden, zwei Kutschen und den passenden Geschirren mit einem LKW und genügend Stauraum auf den mehrtägigen Turnieren. Zusammen mit meinem Beifahrer Anton Kunz und dessen Ehefrau Doris waren wir ein eingespieltes und tolles Team.

SZ: Und erfolgreich obendrein.

Miller: Kann man so sagen. Viele Siege und Platzierungen bei Fahrturnieren bis zur Klasse M habe ich eingefahren. Auch in den Fahrsport der Klasse S habe ich reingeschnuppert.

SZ: Wie darf man sich den Ablauf eines Fahrturniers vorstellen?

Miller: Voraussetzung zur Teilnahme ist eine Qualifizierung von Pferd und Fahrer. Ich selber bin im Besitz des silbernen Fahrabzeichens. Bei den Turnieren müssen die Gespanne drei Prüfungen ablegen, deren Ergebnisse eine Wertung ergeben. Neben der Dressur- und Hindernisfahrt ist noch eine Marathonfahrt zu absolvieren. Hier kommt eine andere Kutsche zum Einsatz.

SZ: Welche Anspannart haben Sie bevorzugt?

Miller: Den englischen Stil. Die Pferde gehen in Kumtanspannung an einer dunkel lackierten Dressurkutsche. Der Fahrer ist im dunkelgrauen Anzug mit grauem Zylinder, dazu eine Bogenpeitsche. Der Beifahrer auf dem Bock trägt ein dunkles Jackett mit Melone.

SZ: So sind Sie auch öfters mit Ihrem Gespann außerhalb von Turnieren hier in der Gegend in Erscheinung getreten.

Miller: Diese Auftritte gab es zu meiner Freude regelmäßig. Viele Hochzeitspaare habe ich zur Trauung gefahren, dazu kamen etliche Nikolausfahrten. Für weitere feierliche und auch traurige Anlässe habe ich eingespannt. Vom Ein- bis Vierspänner, der Dreispänner wird als Einhorn bezeichnet.

SZ: Konnten Sie Ihre große Erfahrung im Fahrsport auch Anfängern weitergeben?

Miller: Ja. Einige Jahre war ich Fahrsportbeauftragter des Pferdesportkreises Biberach. Bei meinem Heimatverein, dem Reit- und Fahrverein Schwendi, habe ich einige Fahrlehrgänge gehalten und in Theorie und Praxis dabei geschult. Die erfolgreichen Teilnehmer erhielten einen Fahrausweis, der auch Voraussetzung für das Fahren im öffentlichen Straßenverkehr ist.

SZ: Und jetzt steigen Sie für immer vom Bock, geben den Fahrsport auf?

Miller: Leider. Bedingt durch eine Krankheit kann ich dieses Hobby nicht mehr ausüben. Meine Tochter Kathrin, die auch im Besitz des Fahrausweises ist und bei mir als Beifahrerin schon mitwirkte, wohnt zu weit weg, um zu helfen. Dazu musste ich mich zusätzlich von meinen Pferden überraschend trennen. Die Pferde-Ära auf meinem Hof ist damit beendet. Um eine Erinnerung zu haben, ließ ich von meinem Lieblingspferd „Waldprinz“ eine Bronzefigur anfertigen. Sie steht vor meinem Haus.

Meist gelesen in der Umgebung

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Impftermin-Ampel: Jetzt mit Push-Nachrichten für Ihr Impfzentrum

Die Impftermin-Ampel von Schwäbische.de zeigt mit einem Ampelsystem Impfzentren der Region an, in denen es gerade freie Termine gibt. 

+++ JETZT NEU: Nutzer mit einem Schwäbische Plus Basic, Premium- oder Komplettabo können sich nun exklusiv und noch schneller per Pushnachricht aufs Handy über freie Termine bei Ihrem Wunsch-Impfzentrum informieren lassen. Hier geht es direkt zum Push-Service, Abonnenten können ihn sofort nutzen.

Nutzer ohne Abo können weiterhin die bestehende Impfampel auf dieser Seite hier nutzen.

So schildern Angehörige den schlimmen Unfall beim Klinikum

Bei einem Autounfall am Klinikum wurde am Freitag der 39-jährige Fahrer getötet, seine hochschwangere Schwester verstarb am darauffolgenden Tag. Das mit Notkaiserschnitt geholte Baby wird zur Zeit noch in einer Spezialklinik in Ulm versorgt, eine weitere Beifahrerin liegt im Krankenhaus. Unfallursache war nach Aussagen der Familie ein Herzinfarkt des Fahrers, den er bereits auf Höhe des Parkhauses erlitten habe. Deshalb habe er verkrampft auf dem Gaspedal gestanden.

Koalitionsvertrag der neuen grün-schwarzen Landesregierung

Grün-schwarze Typen und Temperamente: So tickt die neue Landesregierung

Das Kabinett von Ministerpräsident Winfried Kretschmann steht. Darin finden sich altbekannte Köpfe, aber auch neue Namen.

Schwäbische.de stellt die Ministerinnen und Minister vor - beginnt aber mit dem alten und neuen Regierungsschef.

Winfried Kretschmann (Grüne) Ministerpräsident, 72 Jahre Seit 2011 Winfried Kretschmann ist seit Mai 2011 Ministerpräsident in Baden-Württemberg. Seine Paraderolle ist die des weisen, oft auch knorrigen Landesvaters.

Mehr Themen