Münchner Unternehmer kauft Biomasseheizkraftwerk in Schwendi

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Das ehemalige Biomassekraftwerk in Schwendi ist von einem Unternehmer aus München gekauft worden.
Das ehemalige Biomassekraftwerk in Schwendi ist von einem Unternehmer aus München gekauft worden. (Foto: Eddy Polster/Presse Baur)
Schwäbische Zeitung
Bernd Baur

Der Münchner Unternehmer Stephan Lohmeyer hat mit seiner Beteiligungs- und Projektentwicklungsgesellschaft Business Development – Firmensitz ist in Feldkirchen – das Biomasseheizkraftwerk der insolventen Bio-Kraftwerk Schilling GmbH in Schwendi übernommen. Bereits am 30. Mai dieses Jahres wurde ein entsprechender Kaufvertrag von Stephan Lohmeyer und dem Insolvenzverwalter unterzeichnet.

Der architektonische Sonderbau, entworfen vom italienischen Architekten Matteo Thun aus Mailand, gilt als eines der schönsten Biomassekraftwerke Deutschlands. Im Jahre 2008 hatte das Holzwerk Schilling am Standort Schwendi dieses Kraftwerk gebaut. Die Kosten beliefen sich damals auf zirka acht Millionen Euro.

Doch nur sechs Jahre produzierte das Kraftwerk aus nachwachsenden Rohstoffen – vor allem Baumrinde und Waldhackschnitzel wurden verfeuert – Wärme und Strom, ehe im Jahr 2014 die Firma Ludwig Schilling, Holzhandlung und Sägewerk KG, in Rot an der Rot Insolvenz anmeldete. Betroffen war auch der Standort Schwendi mit zwei Betrieben. Zum einen war dies die Schilling Schwendi GmbH & Co. KG, die Schnittholz weiterverarbeitete. Ferner die Bio-Kraftwerk-Schilling GmbH, die das Biomasseheizkraftwerk mit 6,7 Megawatt Leistung betrieb. Kurz nachdem die Insolvenz im Juni 2014 angemeldet worden war, gingen beim Biomassekraftwerk die Lichter aus. Seither steht dieses still.

Zwangsversteigerung scheitert am Mindestgebot

Ernsthafte Kaufinteressenten für dieses Objekt konnte der Insolvenzverwalter in der Folgezeit offenbar nicht an Land ziehen, denn am 14. März 2017 sollte das Kraftwerk bei einer Zwangsversteigerung am Amtsgericht Biberach seinen Besitzer wechseln. Dies scheiterte jedoch, weil keiner der beiden damaligen Bieter bereit war, das Mindestgebot von 500 000 Euro zu bezahlen. Lediglich bis zu 300 000 Euro war ein Bieter bereit für das Kraftwerk hinzublättern. Bei einem taxierten Verkehrswert von einer Million Euro reichte dieses Gebot bei der ersten Versteigerung nicht aus, um den Zuschlag zu bekommen. Einen zweiten Versteigerungstermin, dann ohne eine Mindestgebotsgrenze, gab es aber nicht. Denn inzwischen hat der Münchner Unternehmer Stephan Lohmeyer das Objekt gekauft. „Bei der Versteigerung im März habe ich nicht mitgeboten, weil das Thema seinerzeit für mich nicht spruchreif war“, betont Stephan Lohmeyer auf Nachfrage.

Dies hat sich dann geändert. Seine Projekt- und Beteiligungsgesellschaft, die auch Firmen aus dem Bereich der Holzindustrie mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten übernimmt und einer neuen Nutzung zuführt, hat das Schwendier Biomassekraftwerk am 30. Mai gekauft. Nach Informationen der Schwäbischen Zeitung aus gut unterrichteten Kreisen soll der Kaufpreis eine Million Euro betragen haben. Stephan Lohmeyer bestätigt diese Zahl nicht: „Über die Höhe des Kaufpreises haben wir Stillschweigen vereinbart,“

Für die Schwendier Bürger und die Gemeinde selbst dürfte die Höhe des Kaufpreises nicht von tragender Bedeutung sein. Vielmehr richtet sich das Interesse auf die künftige Nutzung des Kraftwerkes. Dass das Gebäude als Kraftwerk wieder in Betrieb geht, scheint eher unwahrscheinlich. „Am Standort Schwendi ist keine ausreichende und nachhaltig gesicherte Wärmeabnahme vorhanden“, hat Stephan Lohmeyer herausgefunden. Deshalb hat er sich für eine Verlagerung der Kraftwerksanlage an einen neuen Standort entschieden. „Dieser Standort ist noch geheim, aber er befindet sich in Deutschland“, verrät Lohmeyer. Die Kraftwerkstechnik aus Schwendi wird an dem neuen Standort zur Erweiterung eines bestehenden Kraftwerkes verwendet, das eine 100-prozentige Wärmenutzung vorweisen kann. Im vierten Quartal dieses Jahres wird die Kraftwerksanlage in Schwendi demontiert, danach soll das Gelände insgesamt wieder in Schuss gebracht werden.

Noch kein fertiges Konzept

Was mit der Betriebsimmobilie dann geschieht, steht im Moment noch in den Sternen. „Ich habe noch kein fertiges Konzept“, sagt Lohmeyer. Bei der Folgenutzung als Gewerbeimmobilie ist einiges denkbar: eine kleinere Kraftwerksanlage, ein gastronomischer Betrieb, ein Firmen-Repräsentationsgebäude. Eines will Stephan Lohmeyer erreichen: „Das Objekt soll weiter als architektonische Perle erhalten werden“. Für ihn dabei wichtig, „dass es ein sinnvolles und nachhaltiges Konzept, auch für die Gemeinde, gibt“. Deshalb sucht Stephan Lohmeyer in nächster Zeit auch das Gespräch und die Kooperation mit der Gemeinde, „was die sich vorstellen kann“. Und weiter: „Wir wollen diese Geschichte sehr positiv entwickeln.“ Zeitdruck habe er dabei keinen, „auch wenn es ein Jahr dauert“.

Einen Weiterverkauf der Kraftwerksimmobilie schließt Stephan Lohmeyer nicht grundsätzlich aus. „Ich bin kein Immobilienhändler. Was ich kaufe, behalte ich normalerweise. Aber wenn jemand hier eine tolle Sache für Schwendi verwirklichen und das Objekt kaufen will, ist dies denkbar“, signalisiert der Münchner Unternehmer seine Bereitschaft hierzu.

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