Holzwerk Schilling hat Insolvenz angemeldet

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Ungewiss ist derzeit die Zukunft des Holzwerks Schilling mit Produktionsstandorten in Rot an der Rot und Schwendi. Der Insolvenz
Ungewiss ist derzeit die Zukunft des Holzwerks Schilling mit Produktionsstandorten in Rot an der Rot und Schwendi. Der Insolvenz (Foto: Bernd Baur)
Schwäbische Zeitung
Bernd Baur

Das Holzwerk Schilling mit Produktionsstandorten in Rot an der Rot und Schwendi hat am 18. Juni beim Amtsgericht Ravensburg Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen mit 74 Beschäftigten ist durch einen starken Einbruch vor allem im Exportgeschäft und gleichzeitig getätigte hohe Investitionen in eine Liquiditätskrise geschlittert.

Der Ulmer Rechtsanwalt Hans-Jörg Derra ist zusammen mit Konrad Menz als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. „Ich würde das Ganze nicht in den Bereich einer katastrophalen Insolvenz einordnen“, erklärte Derra im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung. Er sei hoffnungsvoll, dass die Geschäfte fortgeführt werden können: „Diese Insolvenz ist nicht ohne Perspektive, denn die strukturellen Daten sind sehr gut und es können durchaus Erträge erwirtschaftet worden.“

Einbruch auf dem US-Markt

Weil die Liquidität des Unternehmens in den letzten Jahren strapaziert worden sei, blieb den Verantwortlichen jetzt offenbar nur noch der Weg in die Insolvenz. Verschiedene Faktoren haben dazu geführt. Laut Derra hat die Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 das Unternehmen hart getroffen. Insbesondere das Exportgeschäft mit Holz flachte immer mehr ab. Einen regelrechten Einbruch musste Schilling auf dem Exportmarkt USA hinnehmen. „Die Holzprodukte wurden dort nicht mehr abgenommen“, sagt Derra.

Zum Umsatzrückgang gesellten sich die Belastungen aus millionenschweren Investitionen, die das Unternehmen in diesem Zeitraum getätigt hatte. Unter anderem wurde für 8 Millionen Euro ein Biomasseheizkraftwerk in Schwendi gebaut, das 2008 in den Betrieb ging.

Betroffen von der Insolvenz ist zum einen die Firma Ludwig Schilling, Holzhandlung und Sägewerk KG, in Rot an der Rot. 2013 verzeichnete dieser Betrieb mit Schwerpunkt Rundholzverarbeitung rund 16,3 Millionen Euro Umsatz. In Schwendi sind zwei Betriebe betroffen: die Schilling Schwendi GmbH & Co. KG, die Schnittholz weiterverarbeitet und 2013 einen Umsatz von 6,7 Millionen Euro erzielte; und die Bio-Kraftwerk-Schilling GmbH, die das Biomasseheizkraftwerk mit 6,7 Megawatt Leistung betreibt. Dort wurde im vergangenen Jahr ein Umsatz von 2,4 Millionen Euro bilanziert.

Derzeit sind Hans-Jörg Derra und sein Kollege Konrad Menz – Letzterer ist als Insolvenzverwalter für die beiden Betriebe in Schwendi zuständig – damit beschäftigt, sich in den Büchern der drei Betriebe schlau zu machen. „Wir haben uns bis jetzt einen Überblick verschafft, wissen aber noch nicht alles“, sagte Derra. Er äußerte sich zuversichtlich, dass eine „sanierende Lösung“ für das Unternehmen Schilling im Rahmen des Insolvenzverfahrens erreicht werden kann. Im Moment werde versucht, Kunden und Lieferanten bei der Stange zu halten, um dann die wirtschaftlichen und insolvenzrechtlichen Voraussetzungen für eine Sanierung zu schaffen. Es werde in diesem Zusammenhang auch geschaut, „ob wir einen Investor begeistern können“.

Zuversichtlich ist Hans-Jörg Derra auch, dass vor Ablauf des dreimonatigen Insolvenzgeldzeitraums ein Sanierungsplan erarbeitet werden kann. In diesen Überlegungen spielten Kosteneinsparungen durch mögliche Standortverschmelzungen auch eine Rolle. Denkbar sei, dass danach an einem einzigen Standort produziert wird. Auf jeden Fall läuft der Geschäftsbetrieb gegenwärtig in den drei Firmen weiter, „Personalmaßnahmen sind nicht geplant“.

Kraftwerk produziert weiter

Auch die Produktion von Strom und Wärme im Biomasseheizkraftwerk wird aufrechterhalten. „Wir schauen, dass bei Dritten keine Probleme entstehen“, erklärte der Insolvenzverwalter. Gemeint ist die Lieferung von Fernwärme an die Fachklinik für Neurologie in Dietenbronn. Sie bezieht seit Inbetriebnahme des Kraftwerks Wärme von der Bio-Kraftwerk-Schilling GmbH. Der überwiegende Rest wird für die firmeneigene Holztrocknungsanlage verwendet.

Doch auch bei einem Stillstand des Kraftwerks wäre die Fachklinik in punkto Wärme auf der sicheren Seite. „Wir sind bisher schon zweigleisig gefahren. Wir legen in solch einem Fall den Hebel um, dann läuft unsere Gasheizung“, erklärte der kaufmännische Leiter Thomas Zimmermann.

Inwieweit der geplante Bau eines Pelletswerkes in Schwendi jetzt noch spruchreif ist, wird die weitere Entwicklung beim Unternehmen Schilling zeigen. Das Projekt ist auf dem Gelände der Schilling Schwendi GmbH und Co. KG angedacht und dem Schwendier Gemeinderat vor geraumer Zeit präsentiert worden.

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