Feuerwehrübung: Raum für Raum nach Verletzten suchen

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Schwäbische Zeitung
Bernd Baur

Personenrettung in einem brennenden Betriebsgebäude, in dem den Feuerwehrkräften bei ihrem Einsatz zusätzlich verschiedene Gefahrenquellen begegnen: Das Szenario für die Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Schwendi in Kooperation mit der Werkfeuerwehr Weishaupt am Samstag ist klar umrissen gewesen. Die Schnelleinsatzgruppe (SEG) des DRK Schwendi, der ASB Orsenhausen-Biberach und Notfallseelsorger Eberhard Seifried waren in die Übung eingebunden, bei der die Zusammenarbeit unter den insgesamt 53 Helfern einwandfrei klappte.

In einem Betriebsgebäude auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Schilling – inzwischen gehört das Gelände der Firma Südpack aus Ochsenhausen – war ein Feuer ausgebrochen. Ein Notruf war abgesetzt worden, wenige Minuten später düsten die Feuerwehrfahrzeuge zum Brandobjekt. Während die Feuerwehrkräfte an den Fahrzeugen ihre Gerätschaften und Ausrüstung vorbereiteten, trafen sich die Einsatzleiter an dem schnell aufgebauten mobilen Lagezentrum. Sie warfen einen Blick auf den Grundrissplan des brennenden Objektes, notierten wichtige Fakten, redeten über einsatztaktische Schritte. „Sechs verletzte Personen sind noch in dem Gebäude“, kam die Meldung plötzlich dazwischen. Menschenrettung hat Vorrang. „Wir gehen Raum für Raum durch“, sagte Thomas Stanossek, Kommandant der Schwendier Feuerwehr, zu seinem Kollegen Stephen Wagner.

Der Kommandant der Werkfeuerwehr Weishaupt beorderte Atemschutzgeräteträger mit einer Wärmebildkamera zur Suche in das Gebäude. Gemeinsam mit Angrifftrupps unter Atemschutz der Schwendier Wehr tasteten sie sich durch das vernebelte Gebäude vor. „Jede Menge zusätzlicher Gefahrenquellen warten hier auf die Einsatzkräfte“, wies Thomas Stanossek auf die Besonderheit des Übungsobjektes hin.

In der Schlosserei waren Gasflaschen gelagert, im Kesselhaus stand alles unter Dampf und eine Wasserturbine – unter dem Gebäude verläuft der Rotkanal – erzeugt Strom. Im Ernstfall wäre dies ein hochexplosives Gemisch, die Personenrettung für die Feuerwehr eine heikle Geschichte. Bei der Übung am Samstag konnten die sechs verletzten Personen – als Mimen stellten sich Mitglieder der Jugendfeuerwehr zur Verfügung – rechtzeitig und erfolgreich gerettet werden.

Medizinische Helfer für „Verletzte“

Von der Feuerwehr wurden sie in die Obhut der medizinischen Helfer übergeben. Matthias Rendl, stellvertretender Leiter der Schwendier DRK-Bereitschaft, hatte mit seinem Team dem aufblasbaren Zelt der DRK-Schnelleinsatzgruppe Volumen eingehaucht. Dort wurden die Patienten gesichtet, ASB-Rettungsdienstleiter Wolfgang Krems leitete mit seiner Mannschaft erste Schritte zur medizinischen Versorgung ein. Schmerzbekämpfung, Beatmung, Infusionstherapie – alles wurde durchgespielt, ehe die „Verletzten“ ins Krankenhaus gefahren wurden.

Und als sich die Feuerwehrkräfte und Ersthelfer nach knapp einer Stunde bereits auf das Übungsende eingestellt hatten, ging bei der Einsatzleitung eine weitere Meldung ein: Ein Atemschutzgeräteträger lag verletzt im brennenden Gebäude. Worauf alle verfügbaren Atemschutztrupps zusammen gezogen wurden. Sie versuchten ihren Kameraden so schnell wie möglich aus dem Objekt zu holen. Dies gelang. „Heute hatten wir die Gelegenheit, auch dies zu üben“, sagte Thomas Stanossek. In der Hoffnung, dass die Feuerwehr von solch einer Situation bei realen Einsätzen verschont bleibt.

Bei der Beurteilung des Übungsablaufes waren sich alle Verantwortlichen einig. Die gestellten Aufgaben wurden von den Einsatzkräften in kontrollierten Aktionen mustergültig gelöst. Und noch eines trat zu Tage: Das Zusammenspiel dieser Blaulichtkräfte auf dem Gebiet der Gemeinde Schwendi funktioniert bestens, Abstimmung und Abläufe sind optimal verzahnt. Diese Einsicht teilte auch Bürgermeister Günther Karremann, der die Übung, wie ein paar andere Zuschauer auch, verfolgte.

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