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Ergebnisse weit unter dem Grenzwert

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Die elektromagnetischen Immissionen in der Umgebung des Mobilfunkmasten Sießen im Wald liegen deutlich unter den Grenzwerten. Da
Die elektromagnetischen Immissionen in der Umgebung des Mobilfunkmasten Sießen im Wald liegen deutlich unter den Grenzwerten. Das haben Messungen durch Professor Matthias Wuschek am Freitag ergeben. (Foto: Bernd Baur)
Bernd Baur

Jetzt haben es alle, Befürworter und Kritiker, schwarz auf weiß: Die elektromagnetischen Immissionen des Mobilfunkmasten neben der Grundschule in Sießen im Wald liegen deutlich unter den gesetzlich erlaubten Grenzwerten. Dies ist das Ergebnis von Feldstärkemessungen, die der Sachverständige Professor Dr.-Ing. Matthias Wuschek am Freitag vor Ort vorgenommen hat. An neun verschiedenen Punkten in unterschiedlichen Entfernungen zu der im Betrieb befindlichen Mobilfunksendeanlage hat er Daten erhoben, diese sogleich ausgewertet und anschließend 20 Interessierten in der Gemeindehalle präsentiert.

Direkt an der Westseite des Grundschulgebäudes, nicht weit entfernt von der Wohnbebauung: Der Standort des Mobilfunkmasten in Sießen im Wald gefällt nicht jedem. Die Kritiker dort befürchten eine verstärkte Strahlenbelastung für die Menschen. Deshalb hatten sich Bürger zu einer „Initiative Standortverlegung Mobilfunkmast“ zusammengeschlossen, das erklärte Ziel sollte sich aus dem Namen ableiten. Auch mangelnde Transparenz im Zuge der Errichtung des Masten wurde von einigen als Vorwurf an die Adresse der Gemeinde gerichtet. Diese reagierte. Um Klarheit über die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte zu haben, hat die Gemeinde einen Experten mit Immissionsmessungen beauftragt. Professor Wuschek, Lehrstuhlinhaber für Nachrichtenübertragungstechnik und Mobilfunktechnologie an der Technischen Hochschule Deggendorf, war hierzu erstmals am 5. Februar 2019 in Sießen im Wald. Er führte an diesem Tag eine sogenannte „Vorhermessung“ durch. Der Mobilfunkmast war zwar schon errichtet, aber noch nicht in Betrieb. Letzteres hat sich dann im November geändert. Die Deutsche Telekom als Betreiber des Masten hat zwei Antennen für die Mobilfunksysteme GSM und LTE in Betrieb genommen. Damit konnte Wuschek nun die zweite, wie er sagt, interessante Messung durchführen.

Dies geschah am Freitag. „Den Anlagenbetreiber habe ich im Vorfeld nicht über den genauen Termin der Messung informiert“, erklärte Matthias Wuschek, der auch Mitglied der Deutschen Strahlenschutzkommission ist. Dadurch sollte ausgeschlossen werden, dass im Zeitfenster der Feldstärkemessungen Abschaltungen vorgenommen werden. An insgesamt neun Punkten, drei mehr als bei der ersten Messung, war der Sachverständige für elektromagnetische Umweltverträglichkeit mit seinem kalibrierten Messgerät zu Gange. Etwa im ersten Stock der Schule, dem Pausenhof, dem benachbarten Kindergarten und Katholischen Gemeindehaus sowie bei einem Wohnhaus im Obstgartenweg, das etwa 135 Meter entfernt vom Masten ist. Unmittelbar nach den Messungen machte sich Matthias Wuschek an deren Auswertung. In der Gemeindehalle stellte er dann seine Ergebnisse vor. 30 Zuhörer wären hier Corona-bedingt zugelassen gewesen, 20 waren gekommen. „Bei den dokumentierten Immissionen handelt es sich um die größtmöglichen Werte bei der Maximalleistung der Anlage“, informierte der Professor. Das Hochrechnen auf der Grundlage der Messungen gehe gut, „deshalb sind die Ergebnisse auch kein Schnappschuss“. Im Vergleich zur ersten Messung haben sich die Werte naturgemäß erhöht, teilweise auch mit Faktor zehn. „Aber auf einem sehr niedrigen Niveau, wir sind weit weg vom Grenzwert“, stellte Matthias Wuschek fest. Um dies zu verdeutlichen, hatte er für jeden Messpunkt die prozentuale Grenzwertausschöpfung berechnet. Hier gibt es schon Unterschiede bei den einzelnen Punkten, erklärte Wuschek. Beispielsweise liegt dieser Wert im Grundschulklassenzimmer fast in Reichweite zum Masten (etwa zehn Meter) bei 3,5 Prozent, auf dem Schulhof bei 5,1 Prozent und im Erdgeschoss-Gruppenraum des Kindergartengebäudes bei nur 0,8 Prozent. Interessant sei, dass der größte Wert mit 8,0 Prozent am Gebäude im Obstgartenweg gemessen wurde, obwohl dieses weiter vom Masten entfernt liegt. Allerdings in einer der Hauptsenderichtungen, außerdem würden keine Bäume, Büsche oder Mauern die Strahlung reduzieren.

Zusammenfassend stellte Wuschek anhand seiner Messungen und Berechnungen drei Schlussfolgerungen auf. Zum einen treten die geringsten Immissionswerte an den Punkten auf, die keine oder eine eingeschränkte Sicht zu den Antennen haben. Zum anderen würden alle in Sießen im Wald untersuchten neun Punkte die teilweise strengeren Vorgaben in der Schweiz einhalten. Und bezogen auf das deutsche Recht lautete seine dritte Folgerung: „Die Vorgaben der 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung werden derzeit an allen Messpunkten deutlich unterschritten. Die Messungen ergaben (feldstärkebezogene) Grenzwertausschöpfungen, die bei Vollauslastung der verursachenden Anlagen etwa zwischen einem und acht Prozent des gesetzlich zulässigen Wertes betragen“. Diese Informationen seien sehr aufschlussreich, bilanzierte Bürgermeister Wolfgang Späth nach deren Präsentation. „Es ist wichtig, richtige Zahlen zu haben, damit man weiß über was man redet“, sagte er. Alle Ergebnisse der Messungen sind deshalb auch auf der Gemeinde-Homepage einsehbar.

Was passiert aber mit den Werten, wenn zwei weitere Betreiber auf dem Funkmasten Antennen installieren, wollte eine Zuhörerin von dem Fachmann wissen. Bei der gleichen Technik wie momentan vorhanden würde die Grenzwertausschöpfung vielleicht auf zehn Prozent steigen, antwortete Matthias Wuschek. Die Entscheidung über zusätzliche Betreiber liegt in der Hand der Deutschen Telekom als Eigentümer des Masten, dies ist vertraglich geregelt, klärte Bürgermeister Späth auf. „Ich gehe davon aus, dass andere Betreiber keine Lust dazu haben. Auch muss die Statik des Masten dies hergeben“, ergänzte Matthias Wuschek. Sicher ist aber: Kommen weitere Antennen auf den Masten, muss die Bundesnetzagentur eine neue Prüfung durchführen, ob die Grenzwerte eingehalten werden. Die Ergebnisse der Messungen am Freitag sind nicht überraschend, merkte Josef Thanner als Sprecher der Interessengemeinschaft „Standortverlegung“ an. Wäre der Mast weiter weg, würde weniger Strahlung ankommen. „Aber es ist jetzt so. Wir leben damit die nächsten 14 Jahre, solange der Vertrag mit der Telekom dauert“, konnte er eine gewisse Enttäuschung nicht verbergen.

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