Ein Ort zum Lernen, Spielen und Entdecken

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Die Architektin Dagmar Bürk-Kaiser überreichte Schulleiter Artur Hegenauer einen symbolischen Schlüssel aus Hefeteig.
Die Architektin Dagmar Bürk-Kaiser überreichte Schulleiter Artur Hegenauer einen symbolischen Schlüssel aus Hefeteig. (Foto: Bernd Baur)
Bernd Baur

Die fast 130-jährige Geschichte der Erziehung und Förderung von Kindern und Jugendlichen auf dem Schönebürger Kreuzberg wird fortgeschrieben. Ein neues Schulgebäude sowie abgeschlossene Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen sind die Basis dafür, dass in der Vinzenz-von-Paul-Schule, sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung, auch künftig Schüler mit einem besonderen Förderbedarf eine zeitgemäße ganztägige Betreuung erfahren können. Schüler, Lehrer, Eltern und Gäste, aber auch Verantwortliche der Stiftung Elisabethenpflege und des Landkreises Biberach, die den Neubau konzeptionell auf den Weg brachten, feierten am Freitag die Einweihung der neuen und sanierten Gebäude.

Der Neubau mit Gruppenräumen, Verwaltung, Mensa und Musiksaal, das alte, sanierte und erweiterte Grundschulgebäude mit den Fachräumen und die Sporthalle ordnen sich hufeisenförmig auf dem Kreuzberg an. Sie rahmen den begrünten Innenhof ein und öffnen sich zur Kreuzbergkirche hin.

„Das nun entstandene Gebäudeensemble ist zusammen mit den Verbindungsdächern ein einladender Ort zum Lernen, Spielen, Entdecken und Verweilen“, betonte Dagmar Bürk-Kaiser bei der Feierstunde am Freitag. Die Stuttgarter Architektin hatte nach einem Wettbewerb im Jahr 2015 den Auftrag für die Planung der neuen Vinzenz-von-Paul-Schule erhalten.

Der Neubau als Herzstück ist aus Stahlbeton gebaut, außen mit grau lasiertem Fichtenholz verschalt, das im Lauf der Jahre versilbert. Die Bereiche vor den Klassen- und Gruppenräumen gestalten sich als helle und lichtdurchflutete Zonen. Sie bieten vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten und Blickbeziehungen.

Hand und Haltung

Die Architektin dankte den vielen Mitstreitern, die zur Umsetzung des Konzepts für das neue Haus beigetragen haben. Dem Schulleiter Artur Hegenauer überreichte sie einen symbolischen Schlüssel, gebacken aus Hefeteig und zum Verzehr geeignet. Von bleibender Natur ist ein Geschenk der Architektin an die Schule. Im Treppenhaus ließ sie einen Graffiti-Künstler ein Motiv großflächig an die Wand sprühen, das an Vinzenz von Paul als Genie der Nächstenliebe erinnert, der damals die Not seiner Zeit mit „Antennen der Liebe“ aufnahm. „Diese Hand passt ideal zur Haltung der Schule hier“, findet Dagmar Bürk-Kaiser.

„Was lange währt, wird endlich gut“: Diese Feststellung passt nach Ansicht von Landrat Heiko Schmid zu diesem Schulprojekt. Mehr als 15 Jahre beschäftigten sich die Beteiligten damit, „auch die Standortfrage war immer wieder Thema“. Vor fünf Jahren signalisierte der Kreistag dann, dass ein Neubau auf dem Kreuzberg die einzige und richtige Möglichkeit darstellt. „Und wir wollten Schönebürg stärken, eine perspektivische Weiterentwicklung erreichen“, so der Landrat. Für den Landkreis Biberach sei die Vinzenz-von-Paul-Schule eine wichtige Schule und Jugendhilfeeinrichtung.

Für die Dauer der zweijährigen Bauarbeiten auf dem Kreuzberg konnte mit der Unterbringung in der Bleicherstraße in Biberach eine gute Lösung gefunden werden. Und auch bei der Finanzierung habe man sich geeinigt. Etwa 5,4 Millionen Euro kostet der Neubau, den Löwenanteil von 4,9 Millionen zahlt der Landkreis und erhält dafür ein Erstbelegungsrecht für Schüler aus dem Kreisgebiet. Die restlichen 500 000 Euro steuert die Stiftung Elisabethenpflege bei, die weitere 1,5 Millionen Euro an Kosten für den Umbau und die Erweiterung des alten Grundschulgebäudes trägt.

Mit einem 500-Euro-Scheck als Beitrag für die Anschaffung eines Pizza-Ofens erfreute der Landrat die Schulgemeinde. „Gerne unterstützt der Landkreis die Arbeit der Schule und der Stiftung auch in Zukunft“, ließ er wissen.

Das Jugendbuch „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende bemühte Joachim Schmidt in seiner Rede am Freitag. Der Direktor der Stiftung Katholische Freie Schule der Diözese Rottenburg-Stuttgart dachte dabei nicht nur an die lange Geschichte des Schönebürger Schulprojekts, sondern auch an den Inhalt des Buches. In dem Roman wird Balthasar Bux, ein Junge mit Schwierigkeiten, schließlich zum Helden. „Bei dem, was hier auf dem Kreuzberg geschieht, geht es genau darum“, zieht Schmidt Parallelen. „Kinder in der Vinzenz-von-Paul-Schule werden stark gemacht, damit sie sich selber auf den Weg machen und ein gelingendes Leben für sich erwerben können.“ Dies sei die Ursprungsidee der Vinzentinerinnen aus Untermarchtal gewesen, als sie 1890 auf den Kreuzberg kamen. Durch den Neubau und die hier Arbeitenden („Sie sind auch Helden“) werde es auch künftig gelingen, Menschen froh zu machen, sie zu Helden zu machen, dankte der Stiftungsdirektor allen für ihre Anstrengungen und wünschte frohes Gelingen.

Es freue ihn, dass mit dem Neubau auf dem Kreuzberg ein neues Kapitel aufgeschlagen wird, sagte Schwendis Bürgermeister Wolfgang Späth. Tolle Räumlichkeiten seien geschaffen, „es gilt sie nun mit Leben zu füllen“. Mit einem verbalen Augenzwinkern in Richtung Landrat formulierte Späth gleichzeitig ein Anliegen der Gemeinde: Die Sporthalle auf dem Kreuzberg, die auch von örtlichen Vereinen genutzt wird, sei dringend sanierungsbedürftig. „Ich bin mir sicher, dass Sie bereits eine Lösung parat haben“, sagte Späth, schaute Heiko Schmid an und fügte hinzu: „Die Gemeinde ist bereit, weiterhin ihren Beitrag zu leisten.“ Eine Geldspende für den Schul-Backofen sowie symbolhaft zum Einzug in das neue Gebäude einen Laib Brot und Salz hatte der Bürgermeister mitgebracht.

Aus gutem Grund

Für den gelungenen Neubau, aber auch für die wegweisenden Entscheidungen der Verantwortlichen, „die die weitere Entwicklung der Schule maßgeblich beeinflusst haben“, dankte Artur Hegenauer, seit 20 Jahren Rektor auf dem Kreuzberg. „Unsere Schule ist jetzt so ausgestattet, wie wir es uns vorstellen“, sagte er. Trotz der Schulgesetzänderung zur Inklusion und der damit einhergehenden Frage, ob es jetzt noch Sonderschulen braucht, sei die Entscheidung für einen Neubau auf dem Kreuzberg gefallen. Aus gutem Grund, so Hegenauer: „Gerade heute benötigen wir Beratungs- und Förderzentren wie die Vinzenz-von-Paul-Schule.“ Sie verfüge über eine langjährige förderpädagogische Erfahrung, Fachwissen und Kompetenz, „und wir haben uns beruflich und menschlich den schwerer lernenden Kindern und ihren Eltern verschrieben“. Dem Kollegium und den Schulmitarbeitern dankte Hegenauer für den vorbildlichen Einsatz in den vergangenen zwei Jahren. Zweimal vollständig umgezogen und bei der konzeptionellen Weiterentwicklung der Schule ein beachtliches Tempo vorgelegt – ohne ein engagiertes Team wäre solches nicht möglich gewesen.

Das neue Bauwerk stelle für die Gemeinde in jeder Beziehung einen Gewinn dar, betonte Pfarrer Martin Ziellenbach. Er ist Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Elisabethenpflege, die mit der Jugendhilfeeinrichtung auf dem Kreuzberg eine Stätte der Wissensvermittlung und auch der Erziehung betreibt. Wie die beiden Schutzpatrone, Vinzenz von Paul und Elisabeth von Thüringen, sich den Herausforderungen ihrer Zeit gestellt hätten, „so prägt das Zeugnis dieser beiden Heiligen den Schulalltag an der Schule auf dem Kreuzberg“. Jeder Mensch sei unendlich kostbar – deshalb habe der Kreuzberg, wo „Graswurzelarbeit“ geleistet werde, auch Zukunft. Ziellenbach dankte besonders Artur Hegenauer, der als Schulleiter Großes für die Vinzenz-von-Paul-Schule geleistet habe.

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