Diese Baumwurzel animierte Karl Jöchle zum Krippenbau

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Clemens Schenk

Schon viele Jahre können sich Spaziergänger, wenn sie bei Großschafhausen durch den Wald vom Rottal ins Weihungstal laufen, über ein Kleinod in Gottes freier Natur freuen. Gemeint ist das bekannte Sießener Kreuz. In der Winterzeit erfährt dieses Kleinod eine weitere Bereicherung: Karl Jöchle aus Orsenhausen baut hier schon seit dem Jahre 2005 eine Naturkrippe auf.

Das Kreuz im Walde bei Großschafhausen kann auf eine interessante Geschichte zurückblicken. Im Jahre 2005 wurde es letztmals restauriert. Eine liebevolle Pflege erfährt das Kleinod auch von engagierten Bewohnern aus Großschafhausen, die den Fuß des Kreuzes immer mit Blumen schmücken. Es ist auch heute – oder gerade heute – immer noch für viele ein Ort der stillen Einkehr.

Wie die Idee entstanden ist

In der Winterzeit stellt der Orsenhausener Karl Jöchle immer die Waldkrippe mit Figuren, Tannenbaum und Moosbedachung auf. Der Vorübergehende kann auf einer Bank innehalten und vor dem Kreuz und der Naturkrippe verweilen. So geschehen auch vor vielen Jahren, als Karl Jöchle wieder einmal mit seiner Frau – beide sind begeisterte Naturliebhaber und Spaziergänger – im Wald unterwegs waren und Rast am Sießener Kreuz machten. Jöchle bemerkte einen herausstehenden Baumwurzel und kam zu dem Schluss: „Hier könnte man doch eine schöne Naturkrippe aufbauen.“ Gesagt, getan: Seine jahrzehntelange Berufserfahrung als Holzarbeiter kam ihm dabei zu Gute. Überhaupt war Natur und Holz ein großer Bestandteil des Lebens in der Familie Jöchle. „Wir waren viel in der Natur an der frischen Luft und auch bei Waldspaziergängen gemeinsam unterwegs, einfach im Wald zu Hause“, sagen Karl und seine Ehefrau Hanna.

„Kromm ond bucklig“ müsse das Holz und letztendlich auch die Krippe sein, sagt der Krippenbauer, „ein gerades Brett ist doch hier nicht so schön“. Und so ist der Naturliebhaber viel in seiner heilen Welt, der Natur, unterwegs, um passende Naturalien, wie etwa Baumstumpen, Baumwurzeln, Hölzer oder Moos, für seine Krippen zu sammeln. Kurz vor Weihnachten geht es nun seit etwa 15 Jahren an die Aufstellung der Naturkrippe beim Sießener Kreuz. Die Krippenfiguren im aus einem Baumwurzel geformten Stall stammen aus der Krippe der verstorbenen Schwiegermutter. Auch ein geschmückter Christbaum mit Laterne, wegen Waldbrandgefahr nur mit Teelichtern bestückt, gehört zur Krippe.

Außerdem können die beiden etwas Erfreuliches vermelden: „Noch nie ist etwas weggekommen, kaputt gemacht oder gestohlen worden.“ Eine nette Episode am Rande: Nachdem zuerst die Waldkrippe in der Natur mit einem Dach aus Folie geschützt war, hat ein Fremder, der sie besichtigte, Moos auf das Dach der Krippe gelegt. Seitdem wird die Abdeckung immer mit Moos aus dem angrenzenden Wald bedeckt. Schade finden es die Jöchles, „dass in diesem Winter noch kein Schnee gefallen ist. Mit Schnee sieht die Waldkrippe noch schöner aus.“ Die vielbesuchte Naturkrippe beim Sießener Kreuz ist noch, sollte das Wetter mitmachen, bis Samstag nach Dreikönig aufgestellt.

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