Bestattungen werden teurer

Lesedauer: 8 Min
 Auch weil neue Grabarten (im Vordergrund ein Gemeinschaftsgrabfeld mit Urnenwahlgräbern auf dem Schwendier Friedhof) angeboten
Auch weil neue Grabarten (im Vordergrund ein Gemeinschaftsgrabfeld mit Urnenwahlgräbern auf dem Schwendier Friedhof) angeboten werden, hat die Gemeinde Schwendi eine neue Friedhofssatzung mit entsprechenden Bestattungsgebühren verabschiedet. (Foto: Bernd Baur)
Bernd Baur

Sterben wird in Schwendi teurer: Die Bestattungsgebühren in der Gemeinde werden ab 1. Mai steigen. Der Gemeinderat hat am Montag eine überarbeitete Friedhofssatzung einstimmig beschlossen.

Bestandteil dieser ist auch eine Bestattungsgebührensatzung, die auf einer aktuellen Kalkulation fußt. Bei der Erhöhung der Gebühren liegt Schwendi dennoch weit unterhalb der berechneten Obergrenze, mit der eine 100-prozentige Kostendeckung erreicht würde. Die Verwaltung und der Gemeinderat stufen die beschlossenen Preisveränderungen deshalb als moderate Erhöhungen ein. Die derzeit geltende Friedhofssatzung stammt aus dem Jahr 2015. Der Kalkulationszeitraum für die festgelegten Bestattungsgebühren umfasste die letzten vier Jahre. „Die Gebührensatzobergrenzen waren deshalb neu zu ermitteln“, sagte Kämmerer Joachim Wieland bei der Ratssitzung am Montag.

Ein weiterer Grund, die Friedhofssatzung auf einen neuen Stand zu bringen, sind Veränderungen bei dem Angebot der Grabarten. Seit 2019 können Hinterbliebene, wenn auch nicht auf allen gemeindlichen Friedhöfen, neue Formen bei den Grabstätten wählen. So gibt es in Schwendi inzwischen Urnenbestattungen im Gemeinschaftsgrabfeld, Urnenrasenwahlgräber, Rasenreihengräber und Urnenreihengräber unter Bäumen. „Wir sind mit der Zeit gegangen“, bewertete Gerhard Maurer diese Entwicklung, die im Bestattungswesen vielerorts zu beobachten ist. Als erster Bürgermeister-Stellvertreter leitete er die Ratssitzung am Montag, weil Bürgermeister Günther Karremann derzeit krank ist. „Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass wir Urnenstelen auf dem Friedhof haben werden“, nannte Gerhard Maurer nur einen Aspekt, der den Wandel im Bestattungswesen in Schwendi deutlich macht. Für die vorausschauende Herangehensweise bei der Aufstellung neuer Konzepte lobte er die Verantwortlichen: „Das hat die Verwaltung gut gemacht.“ Kämmerer Joachim Wieland musste in diesem Zusammenhang aber einschränkend anmerken, „dass die Gemeinde nicht auf jedem der sechs Friedhöfe alle Grabarten vorhalten kann“.

Der Kostenermittlungszeitraum für die neu erarbeitete Gebührenkalkulation erstreckt sich von Januar 2019 bis Dezember 2023. Erstellt wurde sie von der Kommunalberatungsgesellschaft „Heyder + Partner“ in Tübingen. „Warum haben Sie das extern rechnen lassen“, wollte Helmut Kohn von der Verwaltung wissen. Weil die Gemeinde nicht die entsprechenden Rechenprogramme hat, antwortete Joachim Wieland. Aber auch aus Zeitgründen habe die Verwaltung diese Arbeit nach Tübingen gegeben. „Der Aufwand insgesamt ist groß. Obwohl die Gesellschaft diese Kalkulation erstellt, haben wir von der Verwaltung trotzdem noch einen enormen Aufwand zur Vorbereitung“, erklärte der Kämmerer.

Die wesentlichen Bestandteile, die für die Gebührenkalkulation herangezogen werden, erläuterte Joachim Wieland dem Gemeinderat. Bei den Berechnungen in Tübingen hat der Computer dann sogenannte Gebührenobergrenzen ausgespuckt. Diese dürfen von der Gemeinde nicht überschritten werden. Dagegen hat der Gemeinderat einen Ermessensspielraum, wie weit unterhalb dieser Grenzen er die Gebühren ansetzt. Die Kosten der Gemeinde für das Bestattungs- und Friedhofswesen sollten grundsätzlich über die Gebühren gedeckt werden. Doch der Gebührenhaushalt der Gemeinde in diesem Bereich ist seit Jahren defizitär. So lag der Kostendeckungsgrad 2015 bei 40,50 Prozent, in 2016 bei 29,84 Prozent und im Jahre 2017 bei 27,58 Prozent. Zum Vergleich dazu: Kommunen in ähnlicher Größe in Baden-Württemberg hatten im Durchschnitt einen Kostendeckungsgrad von 53,40 Prozent. Für Schwendi bedeutet dies in Euro ausgedrückt: 2017 lag die Kostenunterdeckung bei 176 177 Euro.

Trotzdem, so Kämmerer Joachim Wieland, müsse man aufpassen, dass die Gebührenzahler nicht überfordert werden. Auch deshalb hat die Verwaltung dem Gemeinderat in den einzelnen Fällen einen Gebührensatz vorgeschlagen, der meistens deutlich unterhalb der errechneten Obergrenze liegt (siehe „Beispiele aus der Gebührensatzung“ am Textende). „Die Gebührenerhöhung ist deshalb moderat“, sagte Joachim Wieland.

„Auf dem richtigen Weg“

Mit der neuen Gebührensatzung liege die Gemeinde nicht außerhalb des Rahmens, „wir sind auf dem richtigen Weg“, findet Stephan Miller, der daran erinnerte, dass die Kommune in den vergangenen Jahren massive Investitionen in die Friedhöfe getätigt hat. Obwohl auch Heribert Karrer die Gebührenerhöhungen als moderat bezeichnete, sieht er bei einem Sterbefall trotzdem enorme Kosten auf die Hinterbliebenen zukommen. „Kann man die Zahlung der Gebühren an die Gemeinde auf Jahre verteilen, wenn jemand knapp bei Kasse ist?“, fragte er. Rein rechtlich, so Joachim Wieland, sind die Gebühren einen Monat nach der Ausstellung des Bescheides fällig. Einen Stundungsantrag zu stellen, ist aber möglich. „Seit ich Kämmerer in Schwendi bin, war dies bisher nie ein Problem“, ergänzte er. Weitere Gebührenerhöhungen, auch mit Blick auf den aktuellen Kostendeckungsgrad, wollte Joachim Wieland nicht kategorisch ausschließen, wenn es darum geht, wo die Gemeinde ihre Einnahmen verbessern kann. Doch dies ist im Moment Zukunftsmusik, beruhigte er.

Beispiele aus der Gebührensatzung:

Die Nutzungsrechte (25 Jahre) für ein Reihengrab (eine Person) stiegen von 1100 Euro auf 1200 Euro. Die kostendeckende Gebühr als Obergrenze würde bei 2578,87 Euro liegen. Bei einem Urnenreihengrab (25 Jahre, eine Person) kletterte die Gebühr von 490 auf 600 Euro (Obergrenze 2374,38 Euro). Unverändert bei 2800 Euro liegt die Nutzungsgebühr bei einem Doppelwahlgrab (einfachtief, zwei Personen, 30 Jahre), die Obergrenze ist 5534,47 Euro. Ein Urnenwahlgrab in den Stelen (drei Personen, 30 Jahre) kostet 2000 Euro (Obergrenze 5632,11 Euro). Für ein Urnenwahlgrab unter Bäumen (zwei Personen, 30 Jahre) fallen 800 Euro an Gebühren an, als Obergrenze wurden 2877,65 Euro errechnet.

Ebenfalls steigen werden die Bestattungsgebühren. Für die Herstellung eines Erdgrabes (einfachtief) werden künftig 300 Euro (bisher 285 Euro) verlangt (Obergrenze 510,41 Euro). Von 146 auf nun 170 Euro steigt der Preis für die Herstellung eines Urnengrabes (Obergrenze 261,47 Euro).

Unverändert bleiben die Benutzungsgebühren für die Trauerhallen. Allerdings wird hier, im Gegensatz zu den anderen einheitlichen Sätzen auf allen gemeindlichen Friedhöfen, differenziert. In Schwendi, Bußmannshausen, Schönebürg und Sießen im Wald kostet die Nutzung der Trauerhalle pro Sterbefall 150 Euro. In Orsenhausen sind es 100 Euro.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen